Berlin (labnews.io) – Der fokussierte Ultraschall hat sich zu einer wichtigen nicht-invasiven Therapie bei der Parkinson-Krankheit entwickelt. Das Verfahren erzeugt unter MRT-Steuerung präzise Läsionen in definierten Hirnregionen und lindert motorische Symptome wie Tremor, Steifigkeit und Bewegungsverlangsamung, ohne Schnitte oder Implantate. Im Juli 2025 hat die US-Arzneimittelbehörde FDA die gestufte bilaterale Anwendung bei fortgeschrittener Parkinson-Erkrankung zugelassen.
Das Verfahren nutzt hochintensiven fokussierten Ultraschall (MRgFUS), der über eine spezielle Helmkappe auf den Schädel gerichtet wird. Die Schallwellen werden so gebündelt, dass sie an einem exakt definierten Zielpunkt im Gehirn Wärme erzeugen und ein kleines Areal gezielt zerstören. Bei Parkinson wird vor allem der pallidothalamische Trakt (PTT) oder der Globus pallidus interna behandelt. Die MRT-Kontrolle ermöglicht eine Echtzeit-Überwachung und Anpassung während des Eingriffs. Der Patient bleibt bei Bewusstsein und kann sofort rückgemeldet werden.
Bislang war die Behandlung nur einseitig möglich und betraf daher nur Symptome einer Körperseite. Die neue FDA-Zulassung erlaubt nun eine gestufte bilaterale Therapie: Zunächst wird eine Hirnhälfte behandelt, frühestens sechs Monate später die andere. Dadurch lassen sich motorische Beschwerden auf beiden Körperseiten lindern. Klinische Studien zeigten deutliche Verbesserungen der motorischen Funktion, eine Verlängerung der „On“-Zeit und eine Reduktion von Dyskinesien. Die Wirkung hält bei vielen Patienten über Monate bis Jahre an.
Im Vergleich zur tiefen Hirnstimulation entfällt die Implantation von Elektroden und eines Impulsgebers. Es gibt keine Infektionsrisiken durch Fremdmaterial und keinen Batteriewechsel. Der Eingriff erfolgt meist ambulant oder mit kurzem stationärem Aufenthalt. Mögliche Nebenwirkungen wie vorübergehende Sprechstörungen, Gangunsicherheit oder Taubheitsgefühle treten auf, sind aber in der Regel leichter und kürzer als bei invasiven Verfahren.
Der fokussierte Ultraschall eignet sich besonders für Patienten mit tremor-dominanter Parkinson-Form oder medikamentös unzureichend kontrollierten motorischen Fluktuationen, bei denen eine Operation mit Implantaten nicht infrage kommt. Das Verfahren wird weltweit in zunehmend mehr Zentren angeboten und ergänzt die etablierten Therapien wie Levodopa-Infusionen oder adaptive Hirnstimulation. Experten sehen darin einen weiteren Schritt zur individualisierten und weniger belastenden Behandlung der Erkrankung.

