Deltamethrin – Synthetisches Pyrethroid mit starker Nervengiftwirkung

Durch | 2026-04-14

Berlin (labnews.io) – Deltamethrin ist ein hochpotenter synthetischer Insektizid-Wirkstoff aus der Gruppe der Pyrethroide. Es handelt sich um ein Typ-II-Pyrethroid mit Cyano-Gruppe, das seit Jahrzehnten weltweit im Pflanzenschutz, in der Vektorkontrolle und in der Veterinärmedizin eingesetzt wird. In Deutschland sind Präparate wie Decis Forte und GAT DECLINE 2.5 EC zugelassen, die Deltamethrin enthalten und vor allem im Raps- und Zuckerrübenanbau gegen Schadinsekten zum Einsatz kommen.

Der Wirkstoff greift gezielt in das Nervensystem von Insekten und Spinnentieren ein. Er bindet an spannungsabhängige Natriumkanäle der Nervenzellen und verlängert deren Öffnungsphase. Dadurch kommt es zu einer Dauererregung, Lähmung und schließlich zum Tod der Schädlinge. Diese Wirkungsweise macht Deltamethrin extrem wirksam bereits in niedrigen Dosierungen. Gleichzeitig ist der Stoff hochtoxisch für Nicht-Zielorganismen: Er stellt eine erhebliche Gefahr für Bienen, andere Bestäuberinsekten sowie für aquatische Lebewesen wie Fische und Wasserinsekten dar. Auch Bodenorganismen können beeinträchtigt werden.

Für Säugetiere und den Menschen gilt Deltamethrin als mäßig akut toxisch. Dennoch bestehen Bedenken hinsichtlich möglicher neurotoxischer Effekte, insbesondere in sensiblen Entwicklungsphasen. Tierstudien und neuere In-vitro-Untersuchungen deuten auf eine Beeinflussung der neuronalen Netzwerkbildung und der Hirnentwicklung hin – Effekte, die bereits bei sehr niedrigen Konzentrationen auftreten können. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat Deltamethrin in mehreren Bewertungen geprüft, darunter auch im Rahmen von Adverse-Outcome-Pathway-Ansätzen zur Entwicklungsneurotoxizität. Rückstände in Lebensmitteln könnten daher ein besonderes Risiko für Schwangere und Kleinkinder darstellen.

Trotz dieser Hinweise ist Deltamethrin in der EU weiterhin genehmigt. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat die Zulassungen der entsprechenden Mittel erteilt und beruft sich auf bestehende Risikobewertungen. Umweltschutzorganisationen wie die Deutsche Umwelthilfe kritisieren jedoch, dass aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zu niedrig dosierten neurotoxischen und hormonellen Effekten nicht ausreichend berücksichtigt würden.

Deltamethrin ist chemisch stabil und kann sich in der Umwelt anreichern. Es wird über die Nahrungskette aufgenommen und ist nur schwer biologisch abbaubar. Experten fordern daher eine regelmäßige Überprüfung der Zulassungen unter Einbeziehung neuer Daten zur Entwicklungsneurotoxizität und zur Ökotoxizität.

Autor: LabNews Media LLC

The Editors in Chief of labnews.io are Marita Vollborn and Vlad Georgescu. They are bestselling authors, science writers and science journalists since 1994.More details about their writing on X-Press Journalistenbüro (https://xpress-journalisten.com).More Info on Wikipedia:About Marita: https://de.wikipedia.org/wiki/Marita_Vollborn About Vlad: https://de.wikipedia.org/wiki/Vlad_Georgescu

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