Nach scharfen Drohungen von US-Präsident Donald Trump gegenüber dem Iran haben Politiker und frühere Vertraute des Präsidenten seine Äußerungen als Beleg für eine mögliche Geisteskrankheit gewertet. Demokratische Abgeordnete forderten eine Untersuchung und eine mögliche Amtsenthebung nach dem 25. Verfassungszusatz. Die Vorwürfe knüpfen an eine langjährige Debatte unter Mental-Health-Experten und ehemaligen Mitarbeitern an.
Auslöser der jüngsten Kritik waren Trumps Äußerungen zu einem Ultimatum an den Iran. Der Präsident drohte unter anderem, „eine ganze Zivilisation“ werde „heute Nacht untergehen“, und verwendete in Truth-Social-Posts Begriffe wie „crazy bastards“. Die demokratische Kongressabgeordnete Yassamin Ansari schrieb auf der Plattform X, Trump sei „ganz offensichtlich geisteskrank und unfähig“. Sie forderte die Anwendung des 25. Verfassungszusatzes, der eine Amtsenthebung bei Unfähigkeit ermöglicht. Ähnlich äußerten sich weitere Kritiker: Trumps Worte zeigten, dass er „psychisch krank“ und „ein Wahnsinniger“ sei.
Die Debatte ist nicht neu. Bereits 2017 hatten 27 Psychiater und Mental-Health-Experten unter Federführung der Psychiaterin Bandy X. Lee in dem Buch „The Dangerous Case of Donald Trump“ vor einer „gefährlichen mentalen Instabilität“ gewarnt. Sie sahen in Trumps Verhalten Anzeichen von „malignant narcissism“ und argumentierten, er sei für das Präsidentenamt ungeeignet. Lee berichtete später, sie sei von besorgten Mitarbeitern des Weißen Hauses kontaktiert worden. John Kelly, Trumps ehemaliger Stabschef, soll das Buch als „Handbuch“ genutzt haben, um mit den „Psychosen“ des Präsidenten umzugehen, und das Weiße Haus intern als „Crazytown“ bezeichnet haben.
Trumps Nichte Mary L. Trump, selbst klinische Psychologin, hat wiederholt öffentlich erklärt, ihr Onkel leide an narzisstischer Persönlichkeitsstörung und zeige Anzeichen von Demenz – ähnlich wie sein Vater Fred Trump. Sie sprach von nachlassendem Kurzzeitgedächtnis und zunehmenden Impulskontrollproblemen. Psychologe John Gartner warnte 2025 vor einer Verschlechterung der kognitiven Fähigkeiten und einer „schweren mentalen Erkrankung“.
In Trumps zweiter Amtszeit flammte die Kritik erneut auf. Die ehemalige stellvertretende Pressesprecherin Sarah Matthews nannte Trumps Bestrebungen, Grönland zu annektieren, im Januar 2026 „das mentally ill, derangedste“, was Trump je getan habe. Auch frühere Militärführer wie Ex-General Mark Milley äußerten sich besorgt über Trumps mentale Stabilität.
Gegner der Vorwürfe verweisen auf die „Goldwater Rule“ der American Psychiatric Association, die Fern-Diagnosen bei öffentlichen Personen ohne persönliche Untersuchung verbietet. Trump selbst hat solche Kritik stets als parteipolitische Angriffe zurückgewiesen und sich wiederholt als „very stable genius“ bezeichnet. Das Weiße Haus wies Forderungen nach einer kognitiven Untersuchung als „leichtgewichtig“ und parteipolitisch motiviert zurück.
Die aktuelle Diskussion dreht sich auch um die Frage, ob Trumps Rhetorik – profan, drohend und teilweise widersprüchlich – ein Zeichen für eine Verschlechterung darstellt oder lediglich seinen bekannten Stil widerspiegelt. Bisher gibt es keine offizielle medizinische Bewertung durch den Weißen Haus-Arzt. Die Debatte um die mentale Fitness des Präsidenten bleibt hochgradig polarisiert und wird von den jeweiligen politischen Lagern instrumentalisiert.

