Tau-Protein breitet sich über neuronale Verbindungen aus

Tau-Protein, eines der beiden zentralen pathologischen Merkmale der Alzheimer-Krankheit, breitet sich im Gehirn entlang der natürlichen neuronalen Verbindungen aus. Das zeigt eine groß angelegte Studie, die am 8. April 2026 in der Fachzeitschrift „Neuron“ veröffentlicht wurde.

Ein Forschungsteam der University of Alabama at Birmingham (UAB), der Rush University in Chicago und der SUNY Upstate Medical University hat anhand von Post-mortem-Gehirnproben und Langzeitdaten von 128 Teilnehmern der ROSMAP-Studie nachgewiesen, dass sogenannte „Tau-Samen“ (kleine, pathogene Tau-Aggregate) von einer Hirnregion zur nächsten wandern – vor allem über synaptische Verbindungen.

Die Forscher verglichen Proben aus dem unteren Temporallappen (wichtig für das Gedächtnis) mit solchen aus dem oberen Frontallappen (zuständig für Arbeitsgedächtnis und komplexes Denken). Tau-Pathologie beginnt typischerweise im Temporallappen und breitet sich später in den Frontallappen aus. Mit Hilfe genetischer Analysen (Mendelian Randomization) und funktioneller MRT-Daten (fMRI) aus der Zeit vor dem Tod konnten die Wissenschaftler zeigen, dass individuelle Unterschiede in der neuronalen Vernetzung maßgeblich beeinflussen, wie schnell und weit sich die Tau-Pathologie ausbreitet.

„Tau-Samen wandern von Neuron zu Neuron über die Synapsen und lösen dort die Bildung neuer Neurofibrillenbündel (Tangles) aus“, erklärte Studienleiter Jeremy Herskowitz, Professor für Neurologie und Neurobiologie an der UAB. „Die persönliche ‚Verdrahtung‘ des Gehirns bestimmt somit maßgeblich, wie rasch die Erkrankung voranschreitet.“

Die Studie gilt als die bisher größte Untersuchung der biologischen Aktivität von Tau-Samen in menschlichen Gehirnen, die zudem mit funktionellen Bildgebungsdaten kombiniert wurde. Die Ergebnisse legen nahe, dass eine gezielte Unterbrechung der Tau-Ausbreitung ein vielversprechender therapeutischer Ansatz sein könnte.

Bereits laufende Antikörper-Therapien gegen extrazelluläres Tau könnten genau diesen Mechanismus blockieren und damit das Fortschreiten der Demenz verzögern oder verhindern, so die Forscher.

Die Erkenntnisse stützen die Hoffnung, dass Therapien, die speziell die Ausbreitung von Tau-Samen hemmen, die Alzheimer-Erkrankung in Zukunft wirksamer aufhalten könnten als bisherige Ansätze.

Die Studie mit dem Titel „Tau seeds induce neurofibrillary tangle formation across brain regions via individual-specific connectivity“ erschien am 8. April 2026 in der Fachzeitschrift „Neuron“.

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