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Zusammenhang zwischen Diabetes und Mundgesundheit in Deutschland bestätigt

Berlin, 9. April 2025 – Eine aktuelle Studie des Robert Koch-Instituts (RKI) zeigt erstmals auf breiter Basis, dass Menschen mit Diabetes in Deutschland ihre Mundgesundheit deutlich schlechter wahrnehmen als Menschen ohne diese Erkrankung. Die Untersuchung, veröffentlicht im „Journal of Health Monitoring“, basiert auf Daten der bundesweiten Befragung „Gesundheit in Deutschland aktuell“ (GEDA 2019/2020-EHIS) und unterstreicht die enge Verbindung zwischen Diabetes mellitus und oraler Gesundheit.

Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen, dass rund 41 Prozent der Erwachsenen mit Diabetes ihren Zahn- und Zahnfleischzustand als mittelmäßig bis sehr schlecht einschätzen. Bei Personen ohne Diabetes liegt dieser Anteil bei etwa 28 Prozent. Besonders auffällig sind die Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Während bei Männern mit Diabetes fast die Hälfte eine schlechte Mundgesundheit angibt, sind es bei Frauen etwas über ein Drittel. Selbst nach Berücksichtigung von Faktoren wie Alter, Bildung, Rauchen oder Body-Mass-Index bleibt der Zusammenhang bestehen, was auf eine echte Wechselwirkung zwischen Diabetes und Mundgesundheit hindeutet.

Die Autoren der Studie betonen, dass diese Ergebnisse internationale Befunde stützen. Sie verweisen auf die wechselseitige Beziehung: Hohe Blutzuckerwerte können Entzündungen im Zahnfleisch fördern, während orale Entzündungen die Blutzuckerkontrolle erschweren können. Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer engeren Zusammenarbeit zwischen Ärzten, die Diabetes behandeln, und Zahnärzten. Die Studie sieht hierin einen Ansatzpunkt, um die Versorgung von Menschen mit Diabetes zu verbessern und langfristig Folgeerkrankungen zu reduzieren.

Die Untersuchung stützt sich auf telefonische Interviews mit über 22.000 Erwachsenen ab 18 Jahren, die zwischen April 2019 und September 2020 befragt wurden. Trotz der hohen Teilnehmerzahl und der repräsentativen Stichprobe weisen die Forscher auf mögliche Einschränkungen hin, wie etwa die subjektive Einschätzung der Mundgesundheit oder die fehlende Unterscheidung zwischen Typ-1- und Typ-2-Diabetes.

Die Studie plädiert für eine stärkere Aufklärung über die Zusammenhänge zwischen Diabetes und Mundgesundheit sowie für präventive Maßnahmen gegen gemeinsame Risikofaktoren wie ungesunde Ernährung und Rauchen. Experten sehen darin einen wichtigen Schritt, um das Bewusstsein in der Bevölkerung und im Gesundheitswesen zu schärfen. Die Ergebnisse könnten künftig auch die Grundlage für verbesserte interdisziplinäre Ansätze in der Gesundheitsversorgung bilden.