Anlässlich des Welt-Aids-Tags warnen Experten vor einer Verschärfung der globalen HIV-Krise, da jede Minute ein Mensch an den Folgen stirbt. Weltweit leben 40,8 Millionen Menschen mit HIV, mehr als die Hälfte davon in Afrika südlich der Sahara, wo Frauen und Mädchen besonders betroffen sind. Die aktuelle Lage wird durch drastische Kürzungen in der Gesundheitsfinanzierung verschärft, was erhebliche Rückschritte bedroht.
Die OECD prognostiziert einen Rückgang der externen Gesundheitsfinanzierung um 30-40 Prozent bis Ende 2025 im Vergleich zu 2023, was zu Schließungen von Kliniken, Entlassungen von Personal und Unterbrechungen in Lieferketten führt. In Subsahara-Afrika haben 450.000 Frauen den Zugang zu beratenden Mentorinnen verloren, und über 60 Prozent frauengeführter HIV-Organisationen mussten ihre Arbeit einstellen. In Ländern wie Uganda, Burundi und Nigeria sind Präventionsmaßnahmen wie PrEP und Kondomverteilung stark zurückgegangen. UNAIDS schätzt, dass diese Entwicklung bis 2030 zu 3,9 Millionen zusätzlichen Infektionen führen könnte.

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Trotz bedeutender Fortschritte, etwa in der Verhinderung der Mutter-Kind-Übertragung, wo 84 Prozent der schwangeren Frauen mit HIV 2024 antiretrovirale Medikamente erhielten, drohen massive Verluste. Die Schließung von USAID und die Einstellung des PEPFAR-Programms, das die USA als weltweit größten Geldgeber etabliert hatte, verschärfen die Krise. Die kürzlich abgehaltene Wiederauffüllungskonferenz des Globalen Fonds sicherte nur 63 Prozent des benötigten Betrags, womit ein Defizit von 6,6 Milliarden US-Dollar bleibt und das UN-Ziel, HIV bis 2030 zu besiegen, in Gefahr gerät.
Experten fordern die internationale Gemeinschaft, insbesondere Deutschland und Europa, zu nachhaltigen Investitionen in neue Modelle, um die erreichten Erfolge zu sichern und eine Rückkehr zur Epidemie zu verhindern. Die Verantwortung liege nun bei den Ländern selbst, die Lücke zu schließen, die durch den Wegfall amerikanischer Mittel entstanden ist.
