Wissenschaftler haben bestätigt, dass sich das Landesinnere der Ostantarktis schneller erwärmt als die Küstengebiete und die Ursache dafür identifiziert. Eine 30-jährige Studie, die in Nature Communications veröffentlicht wurde und von Naoyuki Kurita von der Universität Nagoya geleitet wurde, führt diese Erwärmung auf verstärkte Warmluftströme zurück, die durch Temperaturänderungen im südlichen Indischen Ozean ausgelöst wurden. Die Ostantarktis, die bisher als „blinder Fleck“ der Beobachtung galt, beherbergt den größten Teil des weltweiten Gletschereises. Dieser neu identifizierte Erwärmungsmechanismus deutet darauf hin, dass aktuelle Vorhersagen die Geschwindigkeit des zukünftigen Eisverlusts in der Antarktis möglicherweise unterschätzen.
Datenerfassung in der extremsten Umgebung der Erde
Die Antarktis, der kälteste, trockenste und windigste Kontinent der Welt, enthält etwa 70 % des Süßwassers der Erde, gefroren in ihren massiven Eisschichten. Der Klimawandel in der Region wurde anhand von Daten bemannter Stationen untersucht, die sich hauptsächlich in Küstengebieten befinden. Im Inneren der Antarktis gibt es jedoch nur vier bemannte Stationen, und nur für zwei davon liegen Langzeitklimadaten vor: die Amundsen-Scott-Station (Südpol) und die Wostok-Station (Ostantarktisches Inneres). Daher blieb der tatsächliche Stand des Klimawandels im riesigen Inneren der Antarktis weitgehend undokumentiert.
Die Forschungsgruppe sammelte Beobachtungsdaten von drei unbemannten Wetterstationen in der Ostantarktis, an denen seit den 1990er Jahren Beobachtungen durchgeführt werden: Dome Fuji Station, Relay Station und Mizuho Station. Sie erstellten einen monatlichen Durchschnittstemperaturdatensatz für einen Zeitraum von 30 Jahren, von 1993 bis 2022.
Die jährlichen Durchschnittstemperaturänderungen zeigten, dass an allen drei Standorten die Temperatur um 0,45 bis 0,72 °C pro Jahrzehnt anstieg und damit schneller als im globalen Durchschnitt war. Die Forscher analysierten meteorologische und ozeanische Daten und führten diesen Temperaturanstieg auf Veränderungen im südlichen Indischen Ozean zurück, die die atmosphärischen Zirkulationsmuster verändern und warme Luft ins Innere der Antarktis transportieren.
Aktuelle Klimamodelle erfassen diesen Erwärmungsprozess nicht, sodass zukünftige Temperaturprognosen für die Antarktis möglicherweise unterschätzt werden. „Während sich die Binnenregionen schnell erwärmen, sind an Küstenstationen bisher keine statistisch signifikanten Erwärmungstrends zu beobachten“, sagte Professor Naoyuki Kurita vom Institut für Weltraum-Erde-Umweltforschung der Universität Nagoya. „Die verstärkte Warmluftströmung der letzten 30 Jahre deutet jedoch darauf hin, dass eine spürbare Erwärmung und Oberflächenschmelze Küstengebiete wie die Syowa-Station bald erreichen könnten.“

Credits:
Naoyuki Kurita, Universität Nagoya

