immy dreht sich zur offenen See – und leidet weiter: WDC Deutschland verweigert wissenschaftlich bewiesene humane Erlösung. Symbolbild. Credits: Unsplash
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Wal Timmy kann mit Euthanasie schmerzfrei erlöst werden

Der Buckelwal „Timmy“ hat sich in der Kirchsee vor der Insel Poel gedreht und blickt nun Richtung offene Bucht. Das berichtet die BILD. Dennoch liegt er weiterhin weitgehend bewegungslos im flachen Wasser, atmet nur noch in großen Abständen und zeigt deutliche Zeichen schwersten Leidens: Drucknekrosen, Hautblasen, Überhitzung und zunehmende Atemnot. Timmy quält sich weiter – und er muss jetzt human erlöst werden.

Doch die Whale and Dolphin Conservation (WDC) Deutschland hält mit ihrer Sprecherin Bianca König an einer Position fest, die wissenschaftlich unhaltbar ist. Gegenüber der dpa erklärte König, eine Einschläferung sei „vom Tisch“, weil „zu wenig bekannt“ sei über die Euthanasie großer Säugetiere. Es bestehe die Gefahr einer Unterdosierung von Sedativa, sodass Timmy seine eigene Tötung „bei vollem Bewusstsein“ miterleben könnte.

Diese Aussage ist nicht nur falsch – sie ist eine gefährliche Verharmlosung des Leidens und steht im krassen Widerspruch zu den detaillierten, praxiserprobten internationalen Protokollen.

immy dreht sich zur offenen See – und leidet weiter: WDC Deutschland verweigert wissenschaftlich bewiesene humane Erlösung. Symbolbild. Credits: Unsplash
Timmy dreht sich zur offenen See – und leidet weiter: WDC Deutschland verweigert wissenschaftlich bewiesene humane Erlösung. Symbolbild. Credits: Unsplash

Der offizielle NOAA Technical Memorandum NMFS-OPR-56 (Barco et al., 2016) – „Collaborative Development of Recommendations for Euthanasia of Stranded Cetaceans“ – beschreibt exakt für Buckelwale in Timmys Größenklasse (9–15 m) ein klares Zweistufen-Protokoll mit konkreten Dosierungen:

Stufe 1 – Tiefe Sedierung und Analgesie zuerst (um Bewusstlosigkeit und Schmerzfreiheit sicherzustellen):

  • Midazolam 0,2 mg/kg IV/IM (stark sedierend und amnestisch)
  • Butorphanol 0,2 mg/kg (starkes Analgetikum / Schmerzmittel)
  • Nach 10–20 Minuten: Acepromazine 0,2 mg/kg IV/IM
  • Nach weiteren 20 Minuten: Xylazine 2–4 mg/kg IV/IM

Danach erfolgt eine klinische Kontrolle der Sedierungstiefe: Kein Palpebralreflex, kein Jaw-Tone, kein Blowhole-Tone, keine Reaktion auf Schmerzreize. Erst wenn das Tier tief bewusstlos und schmerzfrei ist, wird die letale Phase eingeleitet.

Stufe 2 – Letale Injektion
Intracardiale Injektion von supersaturierter Kaliumchlorid-Lösung (ca. 100 mg/kg bzw. 1,3 mmol/kg) über lange, dicke Nadeln (30–50 cm, 16–>18 Gauge). Das Tier ist bereits vollständig bewusstlos, bevor der Herzstillstand eintritt (Zeit bis Tod: 4–10 Minuten bei großen Walen).

Dieses Protokoll wurde bei juvenilen Buckelwalen derselben Größe erfolgreich und mit bestätigten Plasmakonzentrationen angewendet (Harms et al. 2014).

Zusätzlich wird die cranial implosion mit gezielten Sprengladungen (Coughran et al. 2012) als schnelle und humane physikalische Methode empfohlen – erfolgreich bei fünf Buckelwalen von 9,1–12,7 m Länge. Die International Whaling Commission (IWC Workshop 2013/2015) und die Australian National Guidelines for Euthanasia of Stranded Large Whales (2024) erklären ausdrücklich: „Humaneness must be the first criteria“. Passives Sterbenlassen bei großen Walen verursacht oft mehr Leid als eine gut durchgeführte Euthanasie.

Diese Protokolle sind seit Jahren internationaler Standard und liegen auch als zentraler Anhang der gestern eingereichten Strafanzeige gegen Umweltminister Till Backhaus vor.

Marita Vollborn und Vlad Georgescu werfen Backhaus und den beteiligten Behörden in der Strafanzeige Tierquälerei durch Unterlassen (§ 17 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. b) TierSchG) vor. Die tagelange passive Hinnahme erkennbarer, schwerer Leiden eines Wirbeltiers ohne Ausschöpfung der international etablierten, zumutbaren Methoden ist nach ihrer Argumentation strafbar.

WDC Deutschland positioniert sich damit nicht als Schutzorganisation, sondern als ideologischer Blockierer einer humanen Lösung. Statt das Leid eines fühlenden Wesens zu beenden, wird ein dogmatisches „Wir töten keine Wale“ über das konkrete Tierwohl gestellt.

Timmy hat sich zur offenen See gedreht – ein letzter, verzweifelter Versuch, in sein Element zurückzukehren. Er quält sich weiter. Die Wissenschaft zeigt klar und detailliert, wie man dieses Leiden schnell, sicher und human beenden kann.

Es ist höchste Zeit, dass Politik, Behörden und auch WDC Deutschland die Fakten anerkennen und Timmy endlich erlösen. Jedes weitere Zögern ist kein Tierschutz mehr. Es ist Leidensverlängerung.

Collaborative Development of Recommendations for Euthanasia of Stranded Cetaceans. NOAA Technical Memorandum NMFS-OPR-56

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