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Vogelgrippe H5N1 breitet sich in der Antarktis aus

Ein Forschungsteam der Friedrich-Schiller-Universität Jena hat erstmals Anzeichen für die hochpathogene Vogelgrippevariante H5N1 auf der Fildes-Halbinsel auf King George Island in der Antarktis dokumentiert. Dies bestätigt einen befürchteten Trend der Ausbreitung des Virus, das seit Oktober 2023 in der Region nachgewiesen wurde und nun erhebliche Auswirkungen auf die Vogelpopulationen zu haben droht. Die Beobachtungen stammen aus einer Expedition im Januar und Februar 2025, bei der 52 tote Tiere gefunden wurden – ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu früheren Jahren.

Die Forschenden um Christina Braun, die bereits 15 Expeditionen in die Antarktis geleitet hat, beobachteten während ihres Aufenthalts auf der uruguayischen Forschungsstation „Base Cientica Antárctica Artigas“ eine erhöhte Sterblichkeit bei Seevögelarten wie Skuas (Raubmöwen), Riesensturmvögeln und Antarktisseeschwalben. Proben von den Tieren wurden vor Ort vom Alfred-Wegener-Institut in Potsdam und chilenischen Kollegen analysiert, was den Verdacht auf H5N1 bestätigte. Nicht alle Funde konnten getestet werden, doch die Forscher halten eine signifikante Mortalität durch das Virus für wahrscheinlich.

Langzeitmonitoring seit 1979

Das Projekt der Arbeitsgruppe Polar- und Ornitho-Ökologie der Universität Jena, das seit 1979/80 läuft und vom Umweltbundesamt gefördert wird, ist eine der weltweit einzigartigen Langzeitstudien. Es überwacht 14 Brutvogelarten – darunter Zügelpinguine, Adéliepinguine, Eselspinguine, Skuas und Riesensturmvögel – in einem 35 km² großen Gebiet. Zusätzlich werden Populationsdaten von Robben erfasst und angeschwemmter Müll gesammelt, dessen Dichte in der Saison 2025 bei rund einem Objekt pro Meter Küstenlinie lag. Dies unterstreicht die anhaltende Umweltbelastung in einer Region, die weitgehend unbewohnt ist.

Die enge Brutraumverteilung der Vögel – nur etwa 2 % der antarktischen Fläche sind eisfrei – begünstigt die schnelle Ausbreitung des Virus. Viele Arten leben in dichten Kolonien, was die Ansteckungsgefahr erhöht. Die Forscher warnen vor einem potenziellen Kollaps ganzer Populationen, falls die Mortalitätsrate hoch bleibt. Zudem besteht eine Übertragungsgefahr auf Säugetiere und Menschen: In Ländern wie Chile, Peru und Argentinien führte H5N1 bereits zu Massensterben bei Robben und Seelöwen, und einzelne Humaninfektionen nach Kontakt mit infizierten Vögeln sind dokumentiert. Das Team trug daher spezielle Schutzkleidung.

Klimawandel verstärkt die Bedrohung

Neben der Vogelgrippe verschiebt sich die Artenzusammensetzung in der Antarktis rasant durch den Klimawandel. Arten wie Kapsturmvögel, die früher zahlreich brüteten, sind nun nahezu verschwunden, während subantarktische Arten wie Riesensturmvögel und Eselspinguine zunehmen. Adélie- und Zügelpinguine hingegen gehen stark zurück. Die Ursachen – ob Migration in andere Gebiete oder tatsächlicher Verlust – bleiben unklar, da vergleichbare Langzeitdaten fehlen. Solche kontinuierlichen Projekte wie das Jenaer Monitoring sind daher essenziell, um Veränderungen zu tracken.

Die Expeditionen werden zudem von Studierenden des Masterstudiengangs „Evolution, Ecology and Systematics“ unterstützt, die täglich bis zu 15 Kilometer zu Fuß zurücklegen, um Daten zu sammeln. Dies bietet wertvolle praktische Erfahrungen in internationaler Zusammenarbeit und verantwortungsvoller Forschung in sensiblen Ökosystemen.

Ausblick und weitere Expeditionen

Die Langzeitfolgen der Vogelgrippe auf die antarktische Tierwelt werden weiter beobachtet. Ein neues Jenaer Team bricht bereits im November 2025 auf, um das Monitoring fortzusetzen. Die Ausbreitung des Virus könnte besonders an der südamerikanischen Küste dramatisch werden, da viele Zugvögel dort mit dem Pathogen in Kontakt kommen. Experten betonen die Notwendigkeit einer besseren globalen Überwachung, um sensible Populationen zu schützen und Artenvielfalt zu erhalten.


Eine der Raubmöwen (Skua), die das Jenaer Team während seiner Expedition tot aufgefunden hat.
Quelle: Foto: Katharina Engl