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Vitamin B3 zeigt vielversprechende Wirkung bei Glioblastom

Forscher der University of Calgary haben in einer Phase-I/II-Studie untersucht, ob hochdosierte, kontrolliert freisetzende Niacin (Vitamin B3) als Zusatz zur Standardtherapie das Überleben bei neu diagnostiziertem Glioblastom verbessern kann. Die aggressive Hirntumorerkrankung hat trotz Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie eine sehr schlechte Prognose; eine signifikante Verlängerung des Überlebens ist seit 20 Jahren nicht gelungen.

Die Studie, geleitet von der Onkologin Dr. Gloria Roldan Urgoiti und dem Neuroforscher Dr. Wee Yong (beide Hotchkiss Brain Institute und Arnie Charbonneau Cancer Institute), basiert auf Vorarbeiten im Mausmodell: Niacin reaktiviert unterdrückte Immunzellen im Gehirn, sodass diese Tumorzellen effektiver angreifen können. Glioblastom unterdrückt das Immunsystem stark – Niacin hilft, diesen Schutzmechanismus zu durchbrechen und die „Schlacht um das Gehirn“ zugunsten des Immunsystems zu wenden.

Die klinische Studie prüfte zunächst die maximale verträgliche Dosis und dann den potenziellen Nutzen von Niacin zusätzlich zur Standardbehandlung. Als Abbruchkriterium galt eine Verbesserung der progressionsfreien Überlebensrate nach sechs Monaten um mindestens 20 Prozent gegenüber historischen Daten. Bei den ersten 24 Patienten erreichten 82 Prozent diese Marke – eine Steigerung um 28 Prozent im Vergleich zu früheren Studien. Die Forscher werten dies als vielversprechendes Signal für eine bislang unheilbare Erkrankung.

Die Ergebnisse der Zwischenauswertung erschienen in der Zeitschrift Journal of Neuro-Oncology (DOI: 10.1007/s11060-025-05351-z). Die Studie wird fortgesetzt; die finale Analyse mit 48 Teilnehmern ist für Ende 2026 oder Anfang 2027 geplant. Die Autoren betonen, dass hochdosierte Vitamine wie Niacin toxisch sein können und nur unter strenger ärztlicher Überwachung eingesetzt werden dürfen.

Ein Teilnehmer, Edward (Ed) Waldner (55), berichtet: Nach der Diagnose Glioblastom und der Standardtherapie fühlte er sich zunächst ausgelaugt und hoffnungslos. Die Teilnahme an der Studie habe ihm mental geholfen – „wir versuchen etwas“. Aktuell fühlt er sich gut und freut sich über die Meldung „stabil“ bei den regelmäßigen Kontrollen.

Die Arbeit wurde von den Canadian Institutes of Health Research und der Alberta Cancer Foundation gefördert.