Dr. Vinay Prasad, ein bekannter Onkologe und ehemaliger Kritiker der US-Gesundheitspolitik, hat am 11. September 2025 seine Rollen als Chief Medical and Scientific Officer der US Food and Drug Administration (FDA) wiedererlangt, zusätzlich zu seiner Position als Direktor des Center for Biologics Evaluation and Research (CBER). Diese Entwicklung folgt auf eine turbulente Phase, in der Prasad die FDA kurzzeitig verlassen und nach weniger als zwei Wochen zurückgekehrt war.
Hintergrund und Kontroversen
Prasad, der im Mai 2025 von FDA-Kommissar Marty Makary zum CBER-Direktor ernannt wurde, übernahm zunächst die Verantwortung für die Regulierung von Impfstoffen, Gentherapien und Blutprodukten. Seine Ernennung war von Anfang an umstritten, da er sich in der Vergangenheit kritisch zu den COVID-19-Impfstoff- und Maskenmaßnahmen der USA geäußert hatte. Ende Juli 2025 trat er abrupt zurück, nachdem er in Kontroversen über die FDA-Entscheidungen bezüglich einer Gentherapie von Sarepta Therapeutics für die Behandlung von Duchenne-Muskeldystrophie verwickelt war. Diese Entscheidungen hatten Kritik von konservativen Kreisen und der Aktivistin Laura Loomer ausgelöst, die Prasad scharf attackierte. Dank der Unterstützung von Makary und Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. kehrte er jedoch Anfang August als CBER-Direktor zurück.
Wiederernennung und Aufgaben
Laut einer Aktualisierung auf der FDA-Website hat Prasad nun zusätzlich zu seiner Rolle als CBER-Direktor die Titel des Chief Medical and Scientific Officer zurückerlangt, die er bereits im Juni 2025 innehatte. In dieser Funktion berät er den FDA-Kommissar und andere hochrangige Beamte zu medizinischen und wissenschaftlichen Fragen, die die Regulierungswissenschaft und die öffentliche Gesundheit betreffen. Er wird strategische Inputs für übergreifende Initiativen liefern, die wissenschaftliche Konsistenz zwischen den FDA-Zentren sicherstellen und Partnerschaften mit akademischen, staatlichen und industriellen Akteuren fördern. Zudem vertritt er die FDA bei nationalen und internationalen Foren zu Themen der öffentlichen Gesundheit und Regulierungswissenschaft.
Reaktionen und Bedeutung
Die Wiederernennung von Prasad festigt seine Position als enger Berater von Kommissar Makary und unterstreicht dessen Einfluss innerhalb der FDA. Kritiker innerhalb der Behörde äußerten jedoch Besorgnis über die Entscheidung, da Prasad als polarisierende Figur gilt. Laut Berichten waren einige Mitarbeiter von seiner Rückkehr überrascht und besorgt, insbesondere angesichts des ohnehin niedrigen Personalmorals nach umfangreichen Entlassungen früher im Jahr. Befürworter seiner Ernennung verweisen hingegen auf seine umfangreiche Erfahrung als Hämatologe, Onkologe und Professor an der University of California, San Francisco, sowie seine Rolle bei der Neugestaltung der FDA-Standards für die Zulassung von COVID-19-Auffrischimpfstoffen.
Ausblick
Prasads Rückkehr in diese Schlüsselpositionen könnte die Ausrichtung der FDA in Bezug auf die Regulierung von Biologika und Impfstoffen weiter prägen. Seine Kritik an früheren FDA-Verfahren und seine entschiedenen Positionen, wie etwa die Ablehnung einer Therapie von Capricor Therapeutics, deuten darauf hin, dass er eine strengere regulatorische Linie verfolgen könnte. Die Entscheidung, ihn in drei Schlüsselrollen – CBER-Direktor, Chief Medical Officer und Chief Scientist – zu installieren, markiert eine ungewöhnliche Bündelung von Verantwortlichkeiten, die traditionell getrennt waren. Dies könnte sowohl die Effizienz als auch die Kontroversen innerhalb der Behörde erhöhen, während die FDA unter der Trump-Administration ihre Rolle in der Gesundheitsregulierung neu definiert.
