Zum Inhalt springen
Home » US-Behörden erheben Bundesanklage gegen Decarlos Brown Jr. im Mordfall Iryna Zarutska

US-Behörden erheben Bundesanklage gegen Decarlos Brown Jr. im Mordfall Iryna Zarutska

Das US-Justizministerium hat am Dienstag eine Bundesanklage gegen Decarlos Dejuan Brown Jr., 34, erhoben, der beschuldigt wird, die 23-jährige ukrainische Geflüchtete Iryna Zarutska am 22. August 2025 auf der Lynx Blue Line, einem Light-Rail-Zug in Charlotte, North Carolina, erstochen zu haben. Brown wird vorgeworfen, eine Tat begangen zu haben, die zum Tod auf einem Massenverkehrssystem führte, ein Bundesdelikt, das mit lebenslanger Haft oder der Todesstrafe geahndet werden kann. Zusätzlich steht er in North Carolina wegen Mordes ersten Grades vor Gericht.

Das Opfer kurz vor der Tat. Originalaufnahme der Bordkamera. Credits: CATS

Hintergrund: Ein tragischer Vorfall

Iryna Zarutska, die 2022 mit ihrer Familie aus Kiew, Ukraine, in die USA geflüchtet war, um Schutz vor dem Krieg mit Russland zu finden, wurde bei dem Angriff auf dem Weg nach Hause getötet. Überwachungsaufnahmen der Charlotte Area Transit System (CATS) zeigen, wie Zarutska den Zug betrat und sich vor Brown setzte. Etwa vier Minuten später zog Brown ein Klappmesser, stach dreimal auf sie ein, darunter mindestens einmal in den Hals, und verließ den Zug an der nächsten Station, wo er von der Polizei festgenommen wurde. Zarutska, die in ihrer Arbeitsuniform einer lokalen Pizzeria war, erlag ihren Verletzungen noch am Tatort. Die Tatwaffe, ein blutverschmiertes Klappmesser, wurde in der Nähe des Bahnsteigs gefunden.

Brown, der zum Zeitpunkt der Tat obdachlos war, hat eine lange kriminelle Vorgeschichte, die bis 2007 zurückreicht und mindestens 14 Festnahmen umfasst, darunter Anklagen wegen bewaffneten Raubüberfalls, Körperverletzung, Sachbeschädigung und Missbrauch des Notrufs. Er verbüßte eine mehrjährige Haftstrafe wegen eines bewaffneten Raubüberfalls von 2014 und wurde 2020 entlassen. Berichten zufolge litt Brown an Schizophrenie, und eine forensische psychiatrische Untersuchung war für dieses Jahr angeordnet, jedoch zum Zeitpunkt der Tat nicht abgeschlossen.

Die Polizei konnte kein Motiv für die Tat feststellen, und es gibt keine Hinweise auf eine Verbindung zwischen Brown und Zarutska. Der scheinbar grundlose Angriff hat Fragen zu Lücken im Strafjustiz- und Gesundheitssystem aufgeworfen, insbesondere hinsichtlich der Betreuung von Wiederholungstätern mit psychischen Erkrankungen. Der Bezirksstaatsanwalt von Mecklenburg County betonte, dass mangelnde Finanzierung für die Behandlung solcher Personen ein wesentlicher Faktor sei.

Öffentliche und politische Reaktionen

Der Fall hat weitreichende Aufmerksamkeit erregt und eine Debatte über die Sicherheit im öffentlichen Nahverkehr, die Behandlung von psychischen Erkrankungen und die Strafjustizreform ausgelöst. Die Bürgermeisterin von Charlotte, Vi Lyles, nannte den Vorfall einen „sinnlosen Verlust“. Präsident Donald Trump und seine Verbündeten nutzten den Fall, um Kritik an angeblich zu nachgiebigen Kriminalpolitiken in demokratisch geführten Städten zu üben, und forderten härtere Strafen. Die Veröffentlichung der Überwachungsaufnahmen löste auf sozialen Medien Empörung aus und lenkte die Aufmerksamkeit auf die Sicherheit im öffentlichen Verkehr.

Das Justizministerium betonte die Schwere des Angriffs auf ein Massenverkehrssystem, da die Tat die öffentliche Wahrnehmung der Sicherheit beeinträchtigte. US-Staatsanwalt Russ Ferguson wies darauf hin, dass die Angst vor der Nutzung des Light-Rail-Systems und öffentlicher Plätze nach dem Vorfall die Entscheidung für eine Bundesanklage beeinflusste. Die Ermittlungen laufen weiter, und es könnten zusätzliche Anklagen folgen.

Eine von Zarutskas Familie initiierte GoFundMe-Kampagne sammelte bis Anfang September fast 45.000 US-Dollar, um die Beerdigungskosten zu decken. Freunde und Gemeindemitglieder beschrieben Zarutska als fleißig und hoffnungsvoll, mit dem Ziel, in Charlotte ein neues Leben aufzubauen.

Veröffentlicht am 10. September 2025