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Ungleicher Zugang zu innovativen Therapien bei fortgeschrittenem Brustkrebs droht weltweit

Die rasante Entwicklung neuer Medikamente gegen fortgeschrittenen Brustkrebs (Advanced Breast Cancer, ABC) birgt neben erheblichen Fortschritten auch das Risiko wachsender Ungleichheiten im Zugang zu optimaler Behandlung. Experten warnen, dass die hohen Kosten und der Mangel an direkten Vergleichen zwischen den Präparaten Regierungen vor unlösbare Finanzierungsfragen stellen könnten, was zu landes- und regionsspezifischen Unterschieden in der Versorgung führen würde.

Bei der Abschlussveranstaltung der Achten Internationalen Konsensuskonferenz für Fortgeschrittenen Brustkrebs (ABC8) in Lissabon betonten Fachleute der ABC Global Alliance, dass zahlreiche neue Wirkstoffe das Überleben von Patientinnen und Patienten spürbar verlängern können. Besonders für die aggressive Form des triple-negativen Brustkrebses, der weder auf Hormon- noch auf HER2-gerichtete Therapien anspricht, stehen nun Optionen wie Sacituzumab-Govitecan oder Datopotamab-Deruxtecan als Erstlinientherapien zur Verfügung. Diese Empfehlungen basieren auf einer umfassenden Bewertung von Studiendaten, die von randomisierten klinischen Trials bis hin zu Expertenmeinungen reichen.

Dennoch belasten die extrem hohen Preise die Gesundheitssysteme. Ohne grundlegende Änderungen im Modell der Arzneimittelentwicklung und -finanzierung sei es unwahrscheinlich, dass alle neuen Substanzen flächendeckend zugänglich werden. Zulassungsbehörden wie die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) und die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) werden aufgefordert, Präparate mit nur marginalem Nutzen nicht zu genehmigen oder zumindest Priorisierungsempfehlungen für knappe Ressourcen auszugeben. Entscheidungen sollten nicht allein auf Kostengründen beruhen, sondern unter Einbeziehung von Medizinern und Patientenvertretern erfolgen. Aktualisierte Behandlungsleitlinien, wie sie auf der ABC8-Konferenz verabschiedet wurden, sollen hierbei Orientierung bieten und die wirksamsten Optionen hervorheben.

Für ER-positiven und HER2-negativen Brustkrebs wurden mehrere innovative Kombinationen und Monotherapien bewertet, darunter Inavolisib mit Palbociclib und Fulvestrant sowie Substanzen wie Camizestrant, Imlunestrant, Vepdegestrant, Giredestrant und Gedatolisib. Der gleichzeitige Markteintritt dieser Wirkstoffe erschwert die Integration in bestehende Behandlungsalgorithmen, da Head-to-Head-Vergleiche fehlen. Zudem wurden neue Definitionen für endokrine Resistenzformen eingeführt, die auf aktuellen Erkenntnissen aus der AURORA-Molecular-Screening-Initiative beruhen und künftige klinische Studien standardisieren sollen.

Im Bereich der personalisierten Medizin empfehlen die Experten den Einsatz von Next-Generation-Sequencing zur Analyse zirkulierender Tumor-DNA, um multiple Mutationen gleichzeitig zu erfassen. Solche Tests sollten jedoch nur durchgeführt werden, wenn passende, zugängliche Therapien verfügbar sind. Für die Linderung therapiebedingter Hitzewallungen wird Elinzanetant als Option genannt, sofern Wechselwirkungen ausgeschlossen sind; ergänzende nicht-medikamentöse Maßnahmen wie kognitive Verhaltenstherapie bleiben ebenfalls relevant. Die FDA hat das Präparat kürzlich zugelassen, eine EMA-Entscheidung steht aus.

Ergänzend unterstreichen die Leitlinien den Wert strukturierter, individuell angepasster Bewegungstherapien zur Steigerung der Lebensqualität. Die Konferenz billigte zudem die ABC Global Charter für 2025–2035, die zehn Ziele umfasst – von der Verbesserung des Überlebens bis hin zur Erweiterung globaler Krebsregisterdaten. Die vollständigen Konsensusrichtlinien sollen 2026 in der Fachzeitschrift The Breast erscheinen.

Fortgeschrittener Brustkrebs umfasst lokal fortgeschrittene oder metastasierte Formen und ist trotz Behandelbarkeit in der Regel nicht heilbar. Weltweit erkranken jährlich über zwei Millionen Menschen neu an Brustkrebs, mit rund 700.000 Todesfällen. In wohlhabenden Ländern werden 10–15 Prozent der Fälle primär metastasiert diagnostiziert, in ärmeren Regionen bis zu 80 Prozent. Selbst bei früher Erkennung entwickeln 25–30 Prozent der Betroffenen später Metastasen; mit optimaler Versorgung beträgt die mittlere Überlebenszeit etwa fünf Jahre.

Die ABC8 unterstreicht den Fortschritt der letzten 10–15 Jahre, mahnt jedoch zu geduldiger Forschung, um weitere Durchbrüche zu erzielen – einschließlich potenzieller kurativer Ansätze für Subgruppen.


Advanced Breast Cancer Eighth International Consensus Conference (ABC8)
Consensus session, Auditorium 1, 08.30-13.00 hrs GMT, Saturday 8 November