Nach einem bestätigten Tuberkulose-Fall bei einem vierjährigen Kind in einer Kita in Senftenberg (Landkreis Oberspreewald-Lausitz, Brandenburg) werden ab Mittwoch rund 130 Kontaktpersonen – darunter andere Kita-Kinder und Erzieherinnen – vorsorglich auf eine Infektion untersucht. Das teilte der Landkreis am 3. Februar 2026 mit. Die Bluttests werden vom Gesundheitsamt organisiert, um eine mögliche Ausbreitung frühzeitig zu erkennen und zu stoppen.
Das positive Testergebnis des Kindes lag den Angaben zufolge bereits am Montag vor. Der Landkreis betonte, dass die Ansteckungsgefahr bei Tuberkulose (TBC) deutlich geringer sei als bei typischen Erkältungskrankheiten und rief zu Besonnenheit auf. Ob es sich um einen Jungen oder ein Mädchen handelt, wurde aus Datenschutzgründen nicht mitgeteilt.
Der Vorfall reiht sich in eine Reihe jüngster TBC-Meldungen ein: Bereits im Januar 2026 wurde im benachbarten sächsischen Landkreis Bautzen eine Tuberkulose-Infektion an einer Berufsschule bestätigt.
Tuberkulose bleibt in Deutschland eine seltene, meldepflichtige Erkrankung. Laut aktuellem Bericht des Robert Koch-Instituts (RKI) wurden 2024 insgesamt 4.391 Neuerkrankungen registriert – ein leichter Rückgang gegenüber 2023 (4.494 Fälle). Die Inzidenz lag bei 5,2 Fällen pro 100.000 Einwohner. Bei Kindern traten 228 Fälle auf, am häufigsten bei unter Fünfjährigen. Das RKI weist darauf hin, dass Migration und Mobilität aus Hochrisikogebieten die Epidemiologie in Deutschland maßgeblich beeinflussen.
Die Übertragung erfolgt fast ausschließlich durch Tröpfcheninfektion bei engem, längerem Kontakt – vor allem beim Husten einer Person mit offener Lungentuberkulose. Kinder sind besonders gefährdet, da ihr Immunsystem noch nicht voll ausgereift ist. Klassische Symptome einer Lungentuberkulose (ca. 75 % der Fälle) sind anhaltender Husten, Nachtschweiß, Fieber und Gewichtsverlust; die Krankheit kann jedoch jedes Organ befallen.
Tuberkulose ist in der Regel gut behandelbar: Eine Kombination aus mehreren Antibiotika über etwa sechs Monate führt meist zur Heilung. Nicht alle Erkrankten sind ansteckend; die Übertragung erfolgt hauptsächlich bei unbehandelter Lungentuberkulose. Bei bestätigter Ansteckungsgefahr erfolgt zunächst eine stationäre Isolation im Einzelzimmer, bis die Therapie wirkt – meist nach wenigen Wochen. Es gibt keine wirksame Impfung, die eine Ansteckung oder Erkrankung sicher verhindert.
Experten wie das Deutsche Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose (DZK) betonen die Wichtigkeit früher Diagnostik, gezielter Therapie und Untersuchung von Kontaktpersonen, um Infektionsketten zu unterbrechen. Im aktuellen Kita-Fall dienen die Bluttests genau diesem Zweck. Bei Verdacht folgen in der Regel Röntgenuntersuchungen und ggf. Auswurfanalysen.
In Leserkommentaren auf news4teachers.de wird die Meldung teils mit Sorge aufgenommen: Einige Nutzer verweisen auf multiresistente Stämme, Lieferengpässe bei Antibiotika und frühere Cluster in Schulen (z. B. ein Fall in Baden-Württemberg mit über 100 Infizierten). Andere mahnen zur Differenzierung und verweisen auf RKI-Statistiken, die trotz Migrationszusammenhängen keine dramatische Zunahme zeigen.
Das Gesundheitsamt Senftenberg koordiniert die Maßnahmen weiter und steht in engem Austausch mit dem RKI. Weitere Fälle in der Kita sind bislang nicht bekannt. (Ende)
