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Trump öffnet Irans Ölhahn – und zerlegt seine eigene Iran-Politik in Echtzeit

Die Vereinigten Staaten heben Sanktionen gegen 140 Millionen Barrel iranisches Öl auf. Offizieller Grund: Präsident Donald Trump will die Benzinpreise senken. Der US-Botschafter bei den Vereinten Nationen nennt die Maßnahme gegenüber CNN „very temporary“ und begründet sie mit dem Versuch, Teherans Preistreiberei auf dem Weltmarkt zu kontern.

Was wie ein nüchterner wirtschaftspolitischer Schritt klingt, ist in Wahrheit der bisher spektakulärste Selbstwiderspruch in Trumps zweiter Amtszeit – und ein strategisches Desaster von historischer Dimension.

2018 verließ Trump mit Fanfaren das Atomabkommen (JCPOA), verhängte „maximum pressure“-Sanktionen und versprach, den Iran wirtschaftlich in die Knie zu zwingen. „Never again will Iran have a nuclear weapon“, schwor er. Der Öl-Export des Regimes sollte auf Null gedrückt werden. Das war die Linie – bis heute Morgen.

Nun flutet genau dieses Regime mit stillschweigender US-Genehmigung wieder Hunderttausende Barrel auf den Markt. Kein Deal mit Teheran, keine Abrüstung, keine Zugeständnisse, kein neues Abkommen – nur ein Präsident, der die Zapfsäulenpreise in Swing States vier Wochen vor wichtigen Vorwahlen retten will. Das ist kein Realpolitik. Das ist Wahlkampf auf Kosten der nationalen Sicherheit.

Die Konsequenzen liegen offen zutage:

  • Die iranische Revolutionsgarde erhält frische Milliarden für Drohnen, Raketen und Stellvertreter in Gaza, Libanon, Jemen und Irak.
  • Das Atomprogramm, das nie wirklich gestoppt wurde, bekommt mehr finanziellen Spielraum denn je.
  • Israel und die sunnitischen Golfmonarchien, die Trump 2020 als „Abraham Accords“-Helden feierte, fühlen sich erneut verraten.
  • Saudi-Arabien und die UAE drohen bereits mit einer massiven Produktionsausweitung – der nächste Ölpreis-Krieg bahnt sich an.
  • Chinas Raffinerien, die bisher heimlich iranisches Öl kauften, können nun offener und billiger tanken – Pekings Energie-Sicherheit dank Trump.

Der UN-Botschafter redet von „very temporary“. Das Wort „temporary“ hat in Trumps Mund etwa so viel Substanz wie „believe me“ oder „tremendous“. Es ist der verbale Platzhalter für Kapitulation, die man nicht zugeben will. Die Hardliner in seiner eigenen Partei – vom neuen Außenminister bis zu den Think-Tank-Falken – kochen vor Wut. Die Administration zerlegt sich wieder einmal selbst, während Teheran zuschaut und lacht.

Trump hat nie eine Iran-Strategie besessen. Er hatte nur Stimmungen, Tweets und den nächsten Wahltermin. Erst maximale Härte, dann plötzlich „Art of the Deal“ mit den Mullahs, jetzt wieder Preisdumping als Waffe. Das Ergebnis: strategische Verwüstung. Washington wirkt unberechenbar, die Verbündeten verlieren das Vertrauen, der Iran gewinnt Zeit – und Amerika zahlt den Preis in Form von höherem Risiko einer nuklearen Eskalation im Nahen Osten.

Die Benzinpreise mögen kurz sinken. Der geopolitische Schaden wird Generationen überdauern. Unter Donald Trump ist „America First“ endgültig zu „Trump First“ mutiert – und der Preis dafür wird in Teheran, Jerusalem und Riad kassiert.

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