Die massiven Kürzungen der biomedizinischen Forschung durch die Trump-Administration haben schwerwiegende Folgen: Mindestens 383 bereits laufende klinische Studien wurden abrupt eingestellt. Mehr als 74.000 Patienten wurden dadurch von experimentellen Behandlungen, medizinischer Überwachung und geplanter Nachsorge abgeschnitten. Das ergibt eine am Montag im Fachblatt JAMA Internal Medicine veröffentlichte Untersuchung von Forschern der Harvard Medical School.
Die Studie unter Leitung des Gesundheitsökonomen Anupam B. Jena ist die erste, die konkret die Auswirkungen der im März 2025 angekündigten NIH-Finanzkürzungen auf klinische Studien beziffert. Damals hatte das National Institutes of Health (NIH) unter der Trump-Administration die Streichung von 1,8 Milliarden Dollar an Fördermitteln bekanntgegeben, die nicht den politischen Prioritäten entsprachen.
Besonders dramatisch ist die Lage bei 43 Studien, die zum Zeitpunkt der Kürzung noch aktiv Patienten behandelten. Insgesamt 74.311 Teilnehmer verloren dadurch den Zugang zu potenziell lebensrettenden Therapien und der vorgesehenen medizinischen Betreuung.
Die Kürzungen trafen bestimmte Forschungsfelder überproportional hart:
- 31 Prozent der abgebrochenen Studien beschäftigten sich mit Krebs,
- 25 Prozent mit Infektionskrankheiten,
- jeweils etwa 12 Prozent mit reproduktiver Gesundheit und psychischen Erkrankungen.
Bei Infektionskrankheiten lag der Anteil gestoppter Studien mit über 14 Prozent deutlich höher als im Durchschnitt.
In einem begleitenden Editorial sprechen die Herausgeber von JAMA Internal Medicine von einer „Verletzung grundlegender ethischer Prinzipien“. Das plötzliche Abbrechen laufender Studien werfe Tausende Patienten Risiken aus, ohne ihnen den möglichen Nutzen zukommen zu lassen – ein klarer Bruch mit dem Prinzip der informierten Einwilligung. Selbst eine spätere Wiederaufnahme der Förderung könne den entstandenen Schaden für die über 74.000 Betroffenen kaum noch beheben.
Die NIH-Kürzungen sind Teil eines größeren Sparprogramms, das unter anderem Obergrenzen für Verwaltungskosten und die Streichung laufender Förderungen vorsieht. Im August 2025 hatte der Oberste Gerichtshof zugunsten der Regierung entschieden und damit weitere Studienabbrüche erleichtert.
Eine Reaktion der Trump-Administration auf die aktuelle Studie lag bis Redaktionsschluss nicht vor. Das NIH hatte zuvor erklärt, die Maßnahmen dienten der Steigerung von Effizienz und der Konzentration auf „hochwertige“ Forschung.
Quellen:
- Anupam B. Jena et al.: Termination of NIH-Funded Clinical Trials Due to Administrative Funding Actions. JAMA Internal Medicine, 18. November 2025
- Beth Mole: Trump admin axed 383 active clinical trials, dumping over 74K participants. Ars Technica, 18. November 2025
- Editor’s Note von Teva Brender & Cary Gross, JAMA Internal Medicine, 18. November 2025
- Politico, PBS NewsHour, Fortune (Berichte 2025 zu NIH-Kürzungen und deren Folgen)
