Das Trinkwasser in Deutschland gilt generell als qualitativ hochwertig und sicher. Dennoch gibt es mitunter Gesundheitsrisiken durch verschiedene Kontaminationen, die kontinuierlich überwacht und adressiert werden müssen. Verbraucherinnen und Verbraucher sollten bei ihrem Wasserversorger die Laborwerte anfragen.
Laut dem Umweltbundesamt erfüllen über 99,99% der untersuchten Trinkwasserproben aus zentralen Wasserversorgungsanlagen die strengen gesetzlichen Anforderungen an die mikrobiologische und chemische Qualität[5]. Dies zeigt, dass die Trinkwasseraufbereitung und -überwachung in Deutschland auf einem sehr hohen Niveau stattfindet.
Dennoch gibt es einige Schadstoffe, die immer wieder Anlass zur Sorge geben. Ein prominentes Beispiel ist Nitrat, das vor allem durch intensive Landwirtschaft ins Grundwasser gelangt. Der gesetzliche Grenzwert für Nitrat im Trinkwasser liegt bei 50 mg/l. Eine aktuelle Studie zeigt, dass 26,7% aller bundesweiten Grundwassermessstellen diesen Grenzwert überschreiten[6]. Erhöhte Nitratkonzentrationen können insbesondere für Säuglinge gefährlich werden, da sie den Sauerstofftransport im Blut behindern können[1].
Ein weiteres Problem stellen Pestizidrückstände dar. In Bayern waren 2018 beispielsweise 22,5% des für die Trinkwassergewinnung genutzten Wassers mit Pestiziden belastet. In Niedersachsen wiesen sogar 60,9% aller Grundwassermessstellen Pestizide oder deren Abbauprodukte auf[6]. Die Grenzwerte für einzelne Pestizide im Trinkwasser liegen bei 0,1 µg/l, für die Summe aller Pestizide bei 0,5 µg/l.
Zunehmend in den Fokus rücken auch per- und polyfluorierte Chemikalien (PFAS). In Baden-Württemberg wurden bei 45,2% aller Grundwassermessstellen PFAS nachgewiesen[6]. Diese Substanzen stehen im Verdacht, verschiedene gesundheitliche Probleme wie erhöhten Blutdruck, Veränderungen des Lipidprofils und hormonelle Störungen zu verursachen[2].
Ein konkretes Beispiel für PFAS-Kontamination ist der Fall in Rastatt, Baden-Württemberg. Hier gelangte PFAS-belasteter Papierschlamm in Kompost und kontaminierte so Grundwasser und landwirtschaftliche Produkte. Erhöhte PFOA-Werte wurden bei Anwohnern festgestellt, die das kontaminierte Trinkwasser konsumierten[2].
Auch Schwermetalle wie Blei bleiben ein Thema. Der aktuelle Grenzwert für Blei im Trinkwasser liegt bei 0,010 mg/l. Studien zeigen, dass bereits Werte über 0,010 mg/l für Kinder als schädlich angesehen werden müssen, da Blei die Blutbildung und das sich entwickelnde Nervensystem schädigen kann[3].
Diese Kontaminationen treten in der Regel nicht im aufbereiteten Trinkwasser, sondern im Grundwasser auf. Die Wasserversorger setzen aufwendige Aufbereitungstechniken ein, um die Schadstoffe zu entfernen und die strengen Grenzwerte einzuhalten.
Trotz der generell guten Qualität des deutschen Trinkwassers zeigen diese Beispiele, dass kontinuierliche Überwachung und Verbesserung notwendig sind. Insbesondere der Schutz der Grundwasserressourcen vor Verunreinigungen durch Landwirtschaft und Industrie bleibt eine wichtige Aufgabe für die Zukunft.
Quellen:
[1] Grenzwerte für Trinkwasser (TrinkwV) – Test-Wasser.de https://www.test-wasser.de/mein-leitungswasser/trinkwasser-grenzwerte
[2] PFAS contamination and soil remediation (Signal) https://www.eea.europa.eu/en/european-zero-pollution-dashboards/indicators/pfas-contamination-and-soil-remediation-signal
[3] Probleme der chemischen Trinkwasserqualität – Deutsches Ärzteblatt https://www.aerzteblatt.de/archiv/4579/Probleme-der-chemischen-Trinkwasserqualitaet
[4] Long-term analysis of drinking water quality in poultry and pig farms … https://www.frontiersin.org/journals/animal-science/articles/10.3389/fanim.2024.1467287/full
[5] Drinking water in Germany again rated „very good“ https://www.umweltbundesamt.de/en/press/pressinformation/drinking-water-in-germany-again-rated-very-good
[6] Wasservorkommen in Deutschland teils in katastrophalem Zustand https://bio-mineralwasser.de/wasservorkommen-in-deutschland-teils-in-katastrophalem-zustand/
[7] [PDF] Potentielle Schädlichkeit von Chrom im Trinkwasser https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/374/dokumente/gutachten_cr_trinkwasser_2012.pdf
