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Thinktank: Real-World AI viel größer als GenAI

Real-World AI wird die Zukunft stärker prägen als die derzeit populären generativen KI-Modelle wie ChatGPT, Google Gemini oder Grok von xAI, prognostiziert der Diplomatic Council, ein Thinktank im Beraterkreis der Vereinten Nationen. Als Beispiele für diese Form der KI, oft als Physical AI bezeichnet, gelten Fertigungsroboter, humanoide Systeme, KI-gestützte Qualitätskontrollen mit Kameras, vorausschauende Wartung von Maschinen, autonome Logistik, medizinische Diagnosen, selbstfahrende Fahrzeuge und Smart Cities. Das Real-World AI Forum des Diplomatic Council veranstaltet am 22. September eine kostenfreie Online-Konferenz zum KI-Einsatz in Städten und Kommunen.

Anwendungsfall Smart City

Der eigentliche Wert von KI liegt in ihrer Integration in Industrie und Kommunen, nicht im Hype um Text-, Bild- oder Videogenerierung, erklärt Harald Müller, Geschäftsführer der Bonner Wirtschafts-Akademie und Co-Chair des Real-World AI Forums. Dr. Daniel Trauth, Co-Chair des Forums und Geschäftsführer der Kölner dataMatters GmbH, illustriert die Vorteile am Beispiel Smart City. Kommunen könnten durch KI-Optimierung der Abfallwirtschaft Kosten um rund 20 Prozent senken und CO2-Emissionen um etwa 30 Prozent verringern. KI-gesteuerte Ampelsysteme und vernetzte Verkehrsleitsysteme mit Echtzeit-Parkplatzinformationen reduzieren Staus und weiteren CO2-Ausstoß. Eine McKinsey-Studie zeigt, dass Smart-City-Lösungen den Energieverbrauch in öffentlichen Gebäuden um bis zu 15 Prozent mindern können.

Ein weiteres Beispiel ist die Optimierung des öffentlichen Personennahverkehrs. Durch Sensoren wie LiDAR und optische Systeme in Bussen und Bahnen werden Belegungen von Plätzen erfasst, Daten mit KI ausgewertet und Echtzeit-Empfehlungen für den optimalen Einsatz erstellt. Das führt zu höherer Akzeptanz, präziserem Personaleinsatz und Reduktion von Kosten sowie Umweltbelastung.

Einsatzgebiet „intelligente Zerspanung“

Als industrielles Beispiel nennt Dr. Trauth die intelligente Zerspanung, an der dataMatters mit dem Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie in Aachen zusammenarbeitet. Dabei erfüllt KI hohe Qualitätsanforderungen in der zerspanenden Industrie kostengünstiger. Zerspanung – durch Drehen, Bohren, Fräsen oder Schleifen – ist Basis vieler Fertigungsprozesse, von Automobilproduktion bis medizinischen Instrumenten.

Fehler können zu Ausfällen oder Sicherheitsrisiken führen, weshalb strenge Kontrollen teuer und zeitintensiv sind. KI-Überwachung von Prozessen reduziert Prüfzeiten, Kosten und verbessert die Genauigkeit der Qualitätsbewertung.

Smart Factory für mehr Wettbewerbsfähigkeit

Zerspanung ist nur ein von vielen Anwendungsgebieten in der Fertigung, betont Harald Müller. Es geht um autonome Fabriken mit ausschließlich robotergesteuerten Prozessen, ermöglicht durch Computertechnik, Vernetzung, KI, Robotik und neue Verfahren. Studien prognostizieren Kostensenkungen um bis zu 25 Prozent, Produktivitätssteigerungen um 30 Prozent und Fehlerreduktionen um 40 Prozent.

Trotz hoher Investitionen – ein Drittel für Sensorik, Software und Infrastruktur – amortisiert sich eine Smart Factory oft im ersten Jahr, vor allem durch geringere Lohnkosten. Die Flexibilität ermöglicht schnelle Marktanpassungen, höhere Qualität senkt Nachbesserungen und steigert Kundenzufriedenheit.

Müller unterstreicht: Dies ist bereits Realität durch Autonomous Production Twins, digitale Zwillinge, die Echtzeitdaten, KI und Vernetzung nutzen, um Prozesse autonom zu steuern. Sie passen Robotergeschwindigkeiten an, optimieren Materialzufuhr, korrigieren Fehler oder planen bei Engpässen um.

Zusammenfassend liefert Real-World AI nachhaltige Effizienz- und Kostenvorteile für Wirtschaft und Kommunen. Unternehmen, die KI früh in physische Strukturen einbinden, gewinnen Wettbewerbsvorteile – eine Chance, die die deutsche Industrie in der Krise nicht verpassen darf.

Jede Kommune wird zur Smart City

Dr. Trauth betont die Dringlichkeit smarter Städte: Seit 2008 leben mehr Menschen in Ballungsräumen als auf dem Land; bis 2030 über 60 Prozent der Weltbevölkerung, bis 2050 zwei Drittel. Städte verursachen 70 Prozent des globalen Energieverbrauchs auf nur fünf Prozent der Landmasse und fordern mehr Wasser, Land und Abfallmanagement.

Herausforderungen wie Dienstleistungen, Effizienz und Umweltschutz erfordern Smart-City-Konzepte. Jede Kommune muss zur Smart City werden; die Geschwindigkeit hängt von den Verantwortlichen ab.

Markt für Real-World AI zehnmal größer als GenAI

Der Diplomatic Council schätzt den Real-World-AI-Markt künftig zehnmal größer als den für generative KI. Bis 2030 soll GenAI 200 Milliarden Dollar überschreiten, Real-World AI fast 2 Billionen Dollar erreichen. Der Smart-City-Markt wächst auf 4 Billionen Dollar.

Co-Chairs Dr. Daniel Trauth und Harald Müller

Dr. Daniel Trauth gründete dataMatters aus der RWTH Aachen und machte es zu einem internationalen Player an der Schnittstelle von Realwirtschaft und KI. Er erhielt über 20 Auszeichnungen und ist Executive Chair im Diplomatic Council.

Harald Müller gründete die BWA vor über 25 Jahren für Personalentwicklung, Beratung und Arbeitsmarktprogramme. Die BWA half über zehntausend Arbeitnehmern bei beruflichen Neuanfängen und vermittelt neutral zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften. Müller ist Executive Chair im Diplomatic Council und Beiratsmitglied der Stiftung „Bildung und Beschäftigung“.

Der Diplomatic Council verbindet Thinktank, Business-Netzwerk und Charity mit UN-Beraterstatus. Mitglieder fördern Wirtschaft als Basis für Wohlstand und Frieden, darunter Diplomaten und Wirtschaftsvertreter.

Weitere Informationen: www.diplomatic-council.org/de/ki-in-der-realen-welt