Zum Inhalt springen
Home » Studie zeigt gegensätzliche Rollen von IL6 und IL6R bei Langzeitsterblichkeit

Studie zeigt gegensätzliche Rollen von IL6 und IL6R bei Langzeitsterblichkeit

Interleukin-6 (IL6) und sein löslicher Rezeptor (IL6R) wirken sich biologisch gegensätzlich auf die menschliche Überlebenszeit aus: Erhöhte IL6-Spiegel erhöhen die Sterblichkeit, während höhere IL6R-Spiegel sie senken – vor allem über kardiovaskuläre Mechanismen. Zu diesem Ergebnis kommt eine groß angelegte Mendelian-Randomization-Studie, die in der Zeitschrift Aging-US erschienen ist.

Das internationale Forschungsteam um Eliano P. Navarese (Link Campus University Rom und SIRIO MEDICINE Research Network, Nicolaus-Copernicus-Universität Thorn) nutzte genetische Instrumente aus Genom-weiten Assoziationsstudien mit über 750.000 Teilnehmern europäischer Abstammung. Diese wurden mit Mortalitätsdaten der FinnGen-Kohorte (Median-Nachbeobachtung 11,7 Jahre) kombiniert, um kausale Effekte entzündlicher Biomarker auf die Gesamtsterblichkeit sowie kardiovaskuläre Endpunkte zu prüfen.

Robuste Mendelian-Randomization-Methoden und Sensitivitätsanalysen ergaben: Genetisch höhere IL6R-Spiegel waren mit einer geringeren Gesamtsterblichkeit assoziiert (Odds Ratio pro 1-Standardabweichung-Anstieg: 0,95; 95%-KI: 0,91–0,98). Gleichzeitig zeigten sich niedrigere Risiken für Vorhofflimmern, koronare Herzkrankheit, Schlaganfall und Lungenkrebs. Umgekehrt ging ein genetisch bedingter Anstieg von IL6 mit einer höheren Sterblichkeit einher (OR 1,05; 95%-KI: 1,02–1,08). Für die Biomarker CRP und GDF15 ließen sich keine signifikanten kausalen Effekte nachweisen – sie scheinen eher Folge als Treiber von Krankheitsprozessen zu sein.

Die gegensätzlichen Effekte deuten auf unterschiedliche biologische Wirkmechanismen hin: IL6 fördert offenbar chronische proinflammatorische Zustände, die das kardiovaskuläre Risiko steigern. Höhere zirkulierende IL6R-Spiegel hingegen – möglicherweise durch veränderte Rezeptor-Shedding und -Signaling – scheinen schädliche IL6-Wirkungen an Gefäßwand und Herzmuskel abzudämpfen und so kardiovaskulären Schutz zu vermitteln.

Die Ergebnisse stimmen mit klinischen Daten zu IL6R-Antagonisten in anderen Indikationen überein und unterstützen die weitere Prüfung von IL6R-gezielten Strategien zur kardiovaskulären Primärprävention. Die Autoren betonen jedoch Limitationen: Die Analyse beschränkte sich auf Personen europäischer Herkunft; eine Replikation in anderen ethnischen Gruppen ist erforderlich. Die Übertragung in präventive Therapien erfordert zudem sorgfältige klinische Prüfung, Langzeitsicherheitsdaten und Studien speziell in Hochrisikopopulationen. Weitere mechanistische Untersuchungen sollen klären, wie IL6/IL6R-Modulation die vaskuläre Entzündung und nachgelagerte Krankheitsprozesse beeinflusst.

Die Studie erschien am 6. Februar 2026 (DOI: 10.18632/aging.206352).