Zum Inhalt springen
Home » Stromreform in Österreich: Schweizer Modell als Vorbild für stabilere Preise

Stromreform in Österreich: Schweizer Modell als Vorbild für stabilere Preise

Die Energiekrise der Jahre 2021 bis 2023 hat die Schwächen des österreichischen Strommarkts offengelegt, insbesondere die starken Preisschwankungen für Haushalte und Kleinbetriebe. Ein Vergleich mit der Schweiz, wo die Preissteigerungen deutlich moderater ausfielen, zeigt, dass eine gezielte Regulierung helfen könnte, Verbraucher besser vor Preisspitzen zu schützen. Dies legt ein aktueller Bericht des Momentum Instituts nahe, der die Unterschiede zwischen den Strommärkten beider Länder analysiert.

Während der Energiekrise stiegen die Stromtarife österreichischer Landesenergieversorger im Jahr 2023 im Schnitt um 215 Prozent im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2018 bis 2021. In der Schweiz blieben die Erhöhungen meist unter einer Verdoppelung, wobei nur wenige Versorger Tarife um mehr als 113 bis 122 Prozent anhoben. Besonders in den bevölkerungsreichen Kantonen Zürich und Bern gelang es, die Preise stabil zu halten. Der Schlüssel liegt in der Schweizer Regulierungspolitik, die bewusst auf eine vollständige Liberalisierung des Strommarkts für Haushalte und kleinere Betriebe verzichtet. Stattdessen sorgt die Eidgenössische Elektrizitätskommission (ElCom) für eine strenge Überprüfung der Tarife und schützt Verbraucher vor überhöhten Preisen, etwa indem teure Stromeinkäufe nicht direkt auf Haushalte abgewälzt werden dürfen.

Österreich hingegen liberalisierte seinen Strommarkt bereits 2001, noch vor der EU-weiten Regelung, was den Versorgern große Freiheiten bei der Preisgestaltung einräumt. Dies führte in der Krise zu massiven Preissprüngen, die Haushalte und Kleinbetriebe stark belasteten. Besonders krass zeigt sich der Unterschied bei den Landesenergieversorgern: Während in Österreich etwa die EVN in Niederösterreich die Tarife um 266 Prozent erhöhte, galten selbst die höchsten Schweizer Erhöhungen als moderat. Das Momentum Institut empfiehlt daher, Elemente der Schweizer Regulierung zu übernehmen, etwa durch eine staatliche Preisaufsicht und die Einführung einer regulierten Grundversorgung für Haushalte und Kleinbetriebe.

Die Schweiz plant zudem, ab 2025 im Rahmen eines Stromabkommens mit der EU den Markt für alle Endverbraucher zu öffnen, jedoch mit klaren Schutzmechanismen. Haushalte und kleinere Unternehmen mit einem Verbrauch von bis zu 50 Megawattstunden pro Jahr können zwischen freiem Markt und einer regulierten Grundversorgung wählen, deren Tarife für ein Jahr fixiert sind. Ein Vergleichsportal und eine Ombudsstelle sollen Transparenz und Schutz vor Marktmissbrauch gewährleisten. Österreich könnte von solchen Maßnahmen profitieren, etwa durch die Einführung einer Preisdeckelung für den Grundbedarf, wie sie auch in Ländern wie Frankreich und Spanien erfolgreich eingesetzt wurde. Diese Länder konnten durch schnelle und umfassende Preisbremsen die Inflation besser eindämmen als Österreich, wo die Teuerung 2022 zeitweise 11 Prozent erreichte.

Die Diskussion über eine Stromreform in Österreich steht vor dem Hintergrund der Begutachtungsfrist des Elektrizitätswirtschaftsgesetzes, die am 15. August 2025 endet. Experten fordern, dass die Bundesregierung die Chance nutzt, den Markt so umzugestalten, dass Verbraucher vor künftigen Preisspitzen geschützt sind. Ohne eine stärkere Regulierung drohen Haushalten und Kleinbetrieben weiterhin hohe Kosten, während Energieunternehmen in unregulierten Märkten Übergewinne erzielen. Die Schweiz zeigt, dass ein regulierter Markt nicht nur Verbraucher entlastet, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit der Energiebranche erhalten kann.

Schlagwörter: