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Strenge Stimmen destabilisieren Hunde körperlich

Wien – Harte, wütende Worte wirken sich nicht nur emotional, sondern auch biomechanisch auf Hunde aus. Forscher der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni) haben in einer Studie nachgewiesen, dass die Tonalität menschlicher Stimmen die körperliche Stabilität der Tiere beeinflusst. Emotionale Erregung durch strenge oder fröhliche Äußerungen führt bei vielen Hunden zu messbaren Schwankungen im Gleichgewicht.

Die Untersuchung unter Leitung von Nadja Affenzeller umfasste 23 Haushunde verschiedener Rassen, darunter Mischlinge, Labradore, Golden Retriever, Border Collies und weitere. Die Tiere standen auf einer druckempfindlichen Plattform, die kleinste Bewegungen registrierte und fünf Parameter zur Bewertung der posturalen Stabilität berechnete. Den Hunden wurden Aufnahmen von portugiesischen Wörtern vorgespielt – einmal freundlich und einmal zornig gesprochen –, einer Sprache, die die Vierbeiner mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht verstanden.

Die Ergebnisse zeigten klare Effekte: Bei sieben Hunden lösten die strengen Stimmen eine deutliche Destabilisierung aus. Obwohl die Tiere äußerlich stillstanden und für Beobachter keine Bewegungen erkennbar waren, mussten sie feinmotorisch erheblich mehr Aufwand betreiben, um das Gleichgewicht zu halten. Die Forscher sprechen von einer unsichtbaren, aber messbaren Zusatzarbeit des Körpers.

Bei zehn Hunden verursachten auch fröhliche Stimmen eine vergleichbare Erregung und damit einen Balanceverlust. Insgesamt deuten die Daten darauf hin, dass vor allem die emotionale Aufregung selbst – unabhängig davon, ob positiv oder negativ – die Stabilität beeinträchtigt. Bei dreizehn Hunden führte die freundliche Tonalität jedoch zu einer Stabilisierung: Die Tiere erstarrten in einer erwartungsvollen Haltung und wirkten dadurch fester auf den Beinen.

Die Studie, veröffentlicht im Fachjournal PLOS One, unterstreicht die enge Bindung zwischen Mensch und Hund. Hunde verarbeiten emotionale menschliche Stimmen in ähnlichen Hirnregionen wie Menschen und reagieren sensibel auf Tonalität. Frühere Erfahrungen, individuelle Persönlichkeit oder antizipatorische Anpassungen könnten erklären, warum die Reaktionen so unterschiedlich ausfallen.

Die Wiener Forscher sehen in den Ergebnissen einen Hinweis darauf, dass nicht nur die Lautstärke, sondern die emotionale Färbung der Stimme eine Rolle spielt. Für Hundehalter bedeutet das: Eine ruhige, freundliche Ansprache kann nicht nur das Wohlbefinden, sondern auch die physische Balance des Tieres fördern. Die Kommunikation zwischen Mensch und Hund funktioniert trotz großer evolutionärer Distanz erstaunlich gut – oft reicht schon der Tonfall, um eine tiefe Verständigung herzustellen.