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Steigende Zahl der Todesfälle durch Botulismus in Italien

Hintergrund

Botulismus ist eine seltene, aber potenziell lebensbedrohliche Vergiftung, die durch das von Clostridium botulinum produzierte Botulinumtoxin verursacht wird. Dieses Nervengift blockiert die Signalübertragung zwischen Nerven und Muskeln, was zu Lähmungen, einschließlich der Atemmuskulatur, führen kann. In Italien ist die Krankheit häufiger als in anderen europäischen Ländern, vor allem aufgrund der Tradition der häuslichen Konservierung von Lebensmitteln, insbesondere in Süditalien.

Aktuelle Lage

Im August 2025 wurde über eine Zunahme von Botulismus-Fällen in Italien berichtet, mit mindestens vier bestätigten Todesfällen in den Regionen Kalabrien und Sardinien. Die Fälle sind auf den Verzehr kontaminierter Lebensmittel zurückzuführen, insbesondere eingelegten Brokkoli (Stängelkohl, „cime di rapa“) und Guacamole. Hier die wichtigsten Details:

  • Kalabrien (Diamante, Provinz Cosenza): Zwei Todesfälle (ein 52-jähriger Mann und eine 45-jährige Frau) nach dem Verzehr von Sandwiches mit Wurst und Stängelkohl, die an einem Imbisswagen gekauft wurden. Weitere 16 Personen wurden mit Vergiftungssymptomen ins Krankenhaus eingeliefert, einige davon in kritischem Zustand. Erste Ermittlungen deuten darauf hin, dass offene Gläser mit eingelegtem Gemüse ungekühlt in der Sonne standen, was die Vermehrung des Bakteriums begünstigte.
  • Sardinien (Cagliari): Zwei Todesfälle, darunter eine 38-jährige Frau, die nach dem Verzehr von Guacamole auf einem Volksfest (Fiesta Latina in Monserrato) starb. Acht weitere Personen, einschließlich eines elfjährigen Kindes, wurden mit Symptomen ins Krankenhaus eingeliefert.
  • Statistik: Zwischen 2001 und 2020 wurden in Italien 452 laborbestätigte Botulismus-Fälle registriert, mit einer durchschnittlichen Sterblichkeitsrate von 3,1 %. Im Jahr 2023 verzeichnete Italien mit 36 Fällen die höchste Inzidenz in Europa. Die aktuelle Welle im August 2025 zeigt eine ungewöhnliche Häufung.

Ursachen und Risikofaktoren

  • Kontaminierte Lebensmittel: Die meisten Fälle sind auf unsachgemäß konservierte Lebensmittel zurückzuführen, insbesondere eingelegtes Gemüse in Öl (z. B. Stängelkohl) und industriell hergestellte Soßen wie Guacamole. Die anaeroben Bedingungen in Konserven oder vakuumverpackten Produkten fördern die Toxinproduktion, wenn die Lebensmittel nicht ausreichend erhitzt werden (mindestens 121 °C für drei Minuten unter Druck).
  • Traditionelle Konservierung: In Süditalien ist die häusliche Konservierung von Lebensmitteln weit verbreitet, was das Risiko erhöht, wenn Hygiene- und Erhitzungsstandards nicht eingehalten werden.
  • Symptome: Typische Symptome treten 12–36 Stunden nach Verzehr auf und umfassen Sehstörungen (Doppelbilder), Schluckbeschwerden, Mundtrockenheit, Muskelschwäche und fortschreitende Lähmungen. Ohne Behandlung kann Atemlähmung zum Tod führen.

Reaktion der Behörden

  • Notfallmaßnahmen: Das italienische Gesundheitsministerium hat Notfallprotokolle aktiviert, um Betroffene mit Antitoxin zu versorgen, das aus Pferdeplasma gewonnen wird und das Toxin im Blut neutralisiert.
  • Produktrückrufe: Kontaminierte Brokkoli-Konserven wurden landesweit aus dem Handel genommen, ebenso ein Avocado-Produkt (Metro Chef, Chargen LI4218 und LI4213). Konserven in Öl stehen unter verstärkter Kontrolle.
  • Ermittlungen: Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen mehrere Personen, darunter den Imbisswagen-Besitzer in Diamante, Zulieferer und fünf Ärzte, denen vorgeworfen wird, die Vergiftung nicht rechtzeitig erkannt zu haben. Vorwürfe umfassen fahrlässige Tötung, Körperverletzung und den Vertrieb gesundheitsschädlicher Lebensmittel.
  • Konsumentenschutz: Der Verband Codacons prüft eine Sammelklage gegen verantwortliche Hersteller.

Präventionstipps

  • Lebensmittelsicherheit: Konserven mit gewölbtem Deckel, ungewöhnlichem Geruch oder austretendem Gas sollten entsorgt werden. Selbstgemachte Konserven erfordern strenge Hygiene und ausreichende Erhitzung.
  • Vermeidung von Risiken: Säuglingen unter einem Jahr sollte kein Honig gegeben werden, da dieser Clostridium botulinum-Sporen enthalten kann.
  • Reisewarnungen: Urlauber in Süditalien sollten bei Streetfood und Konserven vorsichtig sein, insbesondere bei nicht industriell hergestellten Produkten.

Fazit

Die steigende Zahl von Botulismus-Todesfällen in Italien im August 2025 (mindestens vier) hat die Besorgnis in der Bevölkerung und in der Lebensmittelbranche verstärkt. Die Fälle unterstreichen die Gefahren unsachgemäß konservierter Lebensmittel, insbesondere in Regionen mit traditioneller Lebensmittelzubereitung. Durch schnelle Reaktionen der Behörden, Produktrückrufe und Aufklärung kann das Risiko weiterer Fälle reduziert werden. Reisende und Einheimische sollten erhöhte Vorsicht walten lassen, insbesondere bei eingelegten Lebensmitteln.