Die Schweizer Pharmariesen Roche und Novartis reagieren auf die Zolldrohungen von US-Präsident Donald Trump und bauen ihre Produktionskapazitäten in den USA massiv aus. Hintergrund ist Trumps Ankündigung, Importzölle von bis zu 250 Prozent auf Medikamente zu erheben, sollte die Produktion nicht in die USA verlagert werden. Ziel ist es, das Handelsbilanzdefizit der USA mit der Schweiz zu reduzieren und die lokale Produktion zu stärken.
Roche plant Investitionen in Höhe von 50 Milliarden US-Dollar, um in den USA mehr Medikamente zu produzieren als zu importieren und so zum Nettoexporteur zu werden. Dank der bestehenden Infrastruktur der US-Tochter Genentech kann der Konzern die Produktion schnell ausbauen, da derzeit etwa die Hälfte der US-Produktionskapazitäten ungenutzt ist. Novartis geht einen ähnlichen Weg und kündigt Investitionen von 23 Milliarden US-Dollar an, um künftig alle wichtigen Medikamente für den US-Markt vor Ort herzustellen. Dazu plant das Unternehmen den Bau eines neuen Forschungszentrums in San Diego sowie vier zusätzliche Produktionsstätten in den USA.
Die Verlagerung der Produktion wird durch die komplexen globalen Lieferketten der Pharmaindustrie erschwert, da Wirkstoffe und Vorprodukte oft an mehreren Standorten verarbeitet werden. Dennoch drängt die Zeit, da Trump angekündigt hat, in anderthalb Jahren zunächst Zölle von 150 Prozent und später möglicherweise 250 Prozent einzuführen. Beide Unternehmen betonen jedoch, dass die Investitionen in die USA keine unmittelbaren Auswirkungen auf ihre Produktionsstätten in der Schweiz haben sollen. Insbesondere Forschung und Entwicklung sowie Verwaltungsfunktionen, die in der Schweiz etwa 41.000 Arbeitsplätze umfassen, sollen erhalten bleiben.
Trotz dieser Zusicherungen gibt es Bedenken hinsichtlich der langfristigen Folgen für den Pharmastandort Schweiz, insbesondere in der Region Basel, wo die Branche ein zentraler Wirtschaftsfaktor ist. Experten schätzen, dass rund 10.000 der 50.000 Arbeitsplätze in der Schweizer Pharmaindustrie direkt in der Produktion tätig sind. Zwar macht die Produktion nur etwa 10 bis 15 Prozent der Wertschöpfung aus, doch die enge Verknüpfung von Forschung und Produktion könnte langfristig die Attraktivität des Standorts beeinträchtigen. Branchenvertreter betonen, dass die Schweiz ihre Stärke in der Kombination von Forschung, Produktion und Konzernzentralen behalten müsse, um im globalen Wettbewerb konkurrenzfähig zu bleiben.
Zusätzlich zu den Zolldrohungen fordert Trump eine deutliche Senkung der Medikamentenpreise in den USA auf das Niveau anderer Industrieländer. Dies könnte die Einnahmen der Pharmakonzerne erheblich schmälern, da die USA derzeit ihr wichtigster Absatzmarkt sind. Experten weisen darauf hin, dass frühere Versuche, die Preise im komplexen US-Gesundheitssystem zu regulieren, oft gescheitert sind. Dennoch bleibt die Unsicherheit hoch, da Trump seine Forderungen voraussichtlich weiterverfolgen wird.
Die Schweizer Regierung plant, die Situation in einem Krisengipfel mit Vertretern von Roche und Novartis zu besprechen, um die Auswirkungen auf die Wirtschaft abzumildern. Während die EU und andere Märkte weiterhin von Schweizer Produktionsstätten beliefert werden sollen, steht die Pharmaindustrie vor einer ungewissen Zukunft, in der sie zwischen wirtschaftlichem Druck und geopolitischen Spannungen manövrieren muss.
