Einem internationalen Forscherteam unter der Leitung der Lancaster University ist ein vielversprechender Durchbruch bei der Entwicklung von Medikamenten zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit gelungen.
Wissenschaftler haben erstmals ein Medikament entwickelt, das auf die beiden wichtigsten, die Aggregation fördernden „Hotspots“ des Tau-Proteins im Gehirn wirkt – einer der Hauptursachen für Neurodegeneration.
Das Medikament, ein Peptidinhibitor namens RI-AG03, konnte die Ansammlung von Tau-Proteinen sowohl im Labor als auch in Studien an Fruchtfliegen wirksam verhindern.
Die in Alzheimer’s & Dementia: The Journal of the Alzheimer’s Association veröffentlichte Forschung wurde von der Lancaster University in Zusammenarbeit mit der University of Southampton, der Nottingham Trent University, dem Tokyo Metropolitan Institute of Medical Science und dem University of Texas Southwestern Medical Centre geleitet.
Zum Team der Lancaster University gehörten der verstorbene Professor David Allsop und der verstorbene Dr. Nigel Fullwood, beide von der Fakultät für Biomedizin und Biowissenschaften der Lancaster University.
Tau-Proteine spielen eine entscheidende Rolle bei der Aufrechterhaltung der Struktur und Funktion von Neuronen (Gehirnzellen). Bei der Alzheimer-Krankheit funktionieren diese Proteine jedoch nicht richtig und verklumpen zu langen, verdrehten Fibrillen.
Durch die Ansammlung dieser Fibrillen bilden sich sogenannte Neurofibrillenbündel – Massen verdrehter Tau-Proteine, die die Neuronen verstopfen und sie daran hindern, die Nährstoffe und Signale zu bekommen, die sie zum Überleben brauchen.
Wenn immer mehr Neuronen absterben, werden Gedächtnis, Denken und Verhalten zunehmend beeinträchtigt, was zu dem bei Alzheimer beobachteten kognitiven Abbau führt.
Es gibt zwei spezifische „Hotspots“ des Tau-Proteins, an denen diese Verklumpung auftritt. Während aktuelle Behandlungen auf einen dieser Hotspots abzielen, zielt RI-AG03 auf beide ab und blockiert sie.
Amritpal Mudher, Professor für Neurowissenschaften an der Universität Southampton, sagte: „Es gibt zwei Bereiche des Tau-Proteins, die wie ein Reißverschluss wirken und seine Aggregation ermöglichen. Zum ersten Mal haben wir ein Medikament, das beide Bereiche wirksam hemmt. Dieser duale Zielmechanismus ist bedeutsam, da er beide Domänen anspricht, die die Tau-Aggregation stimulieren, und möglicherweise den Weg für wirksamere Behandlungen neurodegenerativer Erkrankungen wie Alzheimer ebnet.“
https://alz-journals.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/alz.14246
