Ein Forschungsteam unter der Leitung von Professor Eijiro Miyako vom Japan Advanced Institute of Science and Technology (JAIST), in Zusammenarbeit mit Daiichi Sankyo Co., Ltd. und der Universität Tsukuba, hat eine bahnbrechende immununabhängige Krebstherapie entwickelt. Diese nutzt ein neuartiges mikrobielles Konsortium namens AUN, bestehend aus den Bakterien Proteus mirabilis (A-gyo) und Rhodopseudomonas palustris (UN-gyo). Die in Nature Biomedical Engineering veröffentlichte Studie markiert einen Paradigmenwechsel in der Krebsbehandlung, indem sie die Abhängigkeit von Immunzellen überwindet, die bisherige Immuntherapien wie Checkpoint-Inhibitoren oder CAR-T-Zellen einschränkt.
Die Geschichte der Krebsimmuntherapie begann 1868 mit der Beobachtung, dass bakterielle Infektionen in seltenen Fällen Tumore zurückbilden ließen. William Coley setzte 1893 diese Idee gezielt ein, indem er Bakterien zur Krebsbehandlung einsetzte. Seitdem haben sich Immuntherapien über 150 Jahre zu hochentwickelten Methoden entwickelt, die jedoch auf ein funktionsfähiges Immunsystem angewiesen sind. Für Patienten mit geschwächtem Immunsystem – etwa durch Chemotherapie oder Strahlentherapie – sind diese Ansätze oft wirkungslos. Die AUN-Therapie durchbricht diese Barriere.
Die AUN-Therapie basiert auf der synergetischen Zusammenarbeit zweier Bakterien: Proteus mirabilis (A-gyo) siedelt sich gezielt in Tumoren an, während Rhodopseudomonas palustris (UN-gyo), ein photosynthetisches Bakterium, als regulatorischer Partner fungiert. Gemeinsam zerstören sie Tumorgefäße und Krebszellen selektiv, ohne auf Immunzellen angewiesen zu sein. In präklinischen Studien mit Maus- und Humankrebsmodellen zeigte AUN eine außergewöhnliche Antitumorwirkung, selbst in immungeschwächten Umgebungen. Besonders bemerkenswert ist die minimale Nebenwirkungsrate, einschließlich der Unterdrückung des Zytokin-Freisetzungssyndroms, einer häufigen Komplikation immunbasierter Therapien.
Die Wirksamkeit von AUN beruht auf mehreren Mechanismen: A-gyo durchläuft im Tumormilieu eine strukturelle Transformation (Filamentierung), ausgelöst durch Tumormetaboliten, was seine zytotoxische Wirkung verstärkt. Gleichzeitig führt eine intratumorale Populationsverschiebung – von einem anfänglichen Bakterienverhältnis von 3:97 (A-gyo zu UN-gyo) zu 99:1 – zu einer optimierten Tumorbekämpfung. UN-gyo reguliert dabei die Pathogenität beider Bakterien, minimiert Nebenwirkungen und verstärkt die tumorspezifische Zytotoxizität. Dieses Zusammenspiel, inspiriert vom japanischen Konzept „AUN“ (Harmonie der Gegensätze), ermöglicht eine präzise und effektive Tumorzerstörung.
Die Studie hebt die hohe Biokompatibilität der Therapie hervor, die sie von herkömmlichen Ansätzen abhebt. Professor Miyako betonte die Pläne für die Gründung eines Start-ups, um die Therapie innerhalb von sechs Jahren in klinische Studien zu überführen. Dieser Ansatz könnte insbesondere für immungeschwächte Patienten eine neue Hoffnung darstellen, für die konventionelle Immuntherapien versagen.
Die Forschungsergebnisse, veröffentlicht am 5. August 2025 in Nature Biomedical Engineering, eröffnen ein neues Kapitel in der bakterienbasierten Krebstherapie. Sie stellen nicht nur etablierte immuntherapeutische Ansätze infrage, sondern bieten eine vielversprechende Alternative für die Behandlung von Krebs in schwierigen klinischen Szenarien.
Die Forschungsergebnisse wurden am 5. August 2025 online in Nature Biomedical Engineering veröffentlicht .
