Ein bahnbrechender Ansatz in der Krebsbehandlung könnte die Therapie des Glioblastoms, einer der aggressivsten und tödlichsten Formen von Hirnkrebs, revolutionieren. Eine Studie unter der Leitung von Professor Indraneel Mittra vom Advanced Centre for Treatment, Research and Education in Cancer (ACTREC) in Mumbai zeigt, dass eine Kombination aus den einfachen und kostengünstigen Nahrungsergänzungsmitteln Resveratrol und Kupfer die Aggressivität von Glioblastomen signifikant reduziert. Die Ergebnisse, veröffentlicht in BJC Reports, deuten darauf hin, dass Krebs möglicherweise nicht durch Zerstörung, sondern durch Heilung behandelt werden könnte.
Ein neuer Ansatz: Krebs heilen statt bekämpfen
Die Studie basiert auf der Hypothese von Dr. Harold Dvorak aus dem Jahr 1986, dass Tumore Ähnlichkeiten mit nicht heilenden Wunden aufweisen. Anstatt Tumore anzugreifen, verfolgt Professor Mittras Team den Ansatz, sie zu „heilen“. In der Studie erhielten zehn Glioblastom-Patienten über durchschnittlich 11,6 Tage vor ihrer Operation viermal täglich eine Tablette mit geringen Mengen an Resveratrol und Kupfer. Eine Kontrollgruppe von zehn Patienten mit ähnlich aggressiven Tumoren erhielt keine Behandlung mit den Nahrungsergänzungsmitteln. Gewebeproben beider Gruppen wurden während der Operation entnommen und mittels Mikroskopie, Immunfärbung, Immunfluoreszenz und Transkriptomanalyse verglichen.
Vielversprechende Ergebnisse
Die Ergebnisse sind beeindruckend: In den behandelten Tumoren war der Ki-67-Proteinspiegel, ein Marker für die Wachstumsgeschwindigkeit von Glioblastomen, um fast ein Drittel niedriger als in den unbehandelten Tumoren, was auf eine geringere Aggressivität hindeutet. Biomarker für neun Merkmale von Krebs waren in 57 % weniger Zellen der behandelten Proben vorhanden. Die Spiegel von sechs Immun-Checkpoints – Proteine, die verhindern, dass das Immunsystem Krebszellen angreift – waren im Durchschnitt um 41 % niedriger. Zudem waren drei Marker für Stammzellen, die zur Krebsausbreitung beitragen können, um 56 % reduziert. Wichtig ist, dass die Patienten keine Nebenwirkungen erlitten.
Wirkmechanismus: Zerstörung von Zell-freiem Chromatin
Der Erfolg der Behandlung liegt in der Wirkung von Resveratrol und Kupfer auf zell-freie Chromatinpartikel (cfChPs) – DNA-Fragmente, die von absterbenden Krebszellen freigesetzt werden und die Bösartigkeit der überlebenden Krebszellen verstärken. Frühere Studien von Mittras Team zeigten, dass durch die Kombination von Resveratrol und Kupfer erzeugte Sauerstoffradikale diese cfChPs deaktivieren oder zerstören. In den unbehandelten Tumoren waren große Mengen an cfChPs vorhanden, während sie in den behandelten Tumoren nahezu vollständig fehlten. Dies deutet darauf hin, dass abgestorbene Krebszellen durch Apoptose aus dem Körper entfernt wurden, bevor sie cfChPs freisetzen konnten.
„Die zell-freien Chromatinpartikel entzünden die überlebenden Krebszellen und machen die Krankheit aggressiver“, erklärt Professor Mittra. „Durch die Eliminierung dieser Partikel, wie es die Resveratrol-Kupfer-Tabletten tun, wird der Krebs eingedämmt.“ Eine längere Behandlung könnte den Krebs möglicherweise vollständig in einen gutartigen Zustand überführen.
Kostengünstige Alternative zu herkömmlichen Therapien
Die Studie zeigt zudem, dass die Resveratrol-Kupfer-Tabletten mehrere Immun-Checkpoints herunterregulieren, was einen entscheidenden Vorteil gegenüber teuren Immuntherapien darstellt, die oft mit Nebenwirkungen verbunden sind. „Die Nahrungsergänzungsmittel sind einfach, sicher und kostengünstig“, betont Mittra.
Ein Paradigmenwechsel in der Krebstherapie
„Seit 2.500 Jahren versuchen wir, Krebszellen zu töten – ohne durchschlagenden Erfolg“, so Mittra. „Vielleicht ist es an der Zeit, Krebs anders zu betrachten und Tumore zu heilen, anstatt sie zu vernichten.“ Obwohl die Studie mit nur zehn Patienten pro Gruppe relativ klein war, sind die Ergebnisse so vielversprechend, dass Mittra erwartet, sie in größeren Studien zu bestätigen.
Referenz und Finanzierung
Die Studie wurde von der Abteilung für Atomenergie der indischen Regierung durch einen Zuschuss an das Tata Memorial Centre finanziert. Veröffentlicht wurde sie unter: Bandiwadekar, C., Naorem, L.D., Moiyadi, A.V. et al. Attenuation of malignant phenotype of glioblastoma following a short course of the pro-oxidant combination of Resveratrol and Copper. BJC Rep 3, 68 (2025). DOI: 10.1038/s44276-025-00177-8.
Kontakt
Für weitere Informationen: Professor Indraneel Mittra, Advanced Centre for Treatment, Research and Education in Cancer (ACTREC), Tata Memorial Centre, Mumbai.
Die Ergebnisse könnten den Weg für eine neue Ära in der Krebsbehandlung ebnen, indem sie die Heilung statt der Zerstörung von Tumoren in den Fokus rücken.
