Rauchen schädigt Gehirn über direkten Lunge-Hirn-Signalweg
Rauchen erhöht das Demenzrisiko offenbar nicht nur durch Gefäßschäden und Sauerstoffmangel, sondern auch über einen direkten Signalweg von der Lunge zum Gehirn. Das zeigt eine neue Studie der University of Chicago, die am 8. April 2026 in der Fachzeitschrift „Science Advances“ veröffentlicht wurde.
Forscher um Asst. Prof. Joyce Chen haben entdeckt, dass bestimmte seltene Lungenzellen – die pulmonalen neuroendokrinen Zellen (PNECs) – bei Kontakt mit Nikotin große Mengen an Exosomen freisetzen. Diese winzigen Überträgerpartikel sind reich an dem Eisen-Transportprotein Serotransferrin und stören den Eisenhaushalt in Nervenzellen. Dadurch entstehen oxidativer Stress, mitochondriale Fehlfunktionen und eine erhöhte Bildung von ?-Synuclein – Veränderungen, die typisch für neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson sind.
Die Studie liefert erstmals einen mechanistischen Hinweis auf eine „Lunge-Gehirn-Achse“, die durch Rauchen aktiviert wird. Die Signale gelangen vermutlich über den Vagusnerv ins Gehirn und können dort Eisenungleichgewichte sowie eine Form des programmierten Zelltods (Ferroptose) auslösen.
„Die Lunge ist nicht nur ein passives Ziel des Tabakrauchs, sondern ein aktives Signalorgan, das die Gehirnpathologie beeinflusst“, sagte Joyce Chen von der Pritzker School of Molecular Engineering der University of Chicago.
Die Ergebnisse könnten erklären, warum starkes Rauchen in der Lebensmitte das Risiko für Demenz, Alzheimer und vaskuläre Demenz mehr als verdoppeln kann. Bisher wurde dieser Zusammenhang vor allem mit Gefäßschäden in Verbindung gebracht.
Die Forscher sehen in der Hemmung dieser Exosomen einen möglichen neuen Ansatzpunkt für die Prävention oder Therapie rauchbedingter Hirnschäden. Bis zur Anwendung beim Menschen sind jedoch weitere Studien erforderlich.
Die Arbeit basiert auf der Züchtung induzierter PNECs aus humanen Stammzellen, da diese Zellen im normalen Lungengewebe extrem selten sind (weniger als ein Prozent).
Citation: “Pulmonary Neuroendocrine Cell-derived Exosomes Regulate Iron Homeostasis and Oxidative Stress in Lung Neurons,” Thakur et al, Science Advances, April 8, 2026. DOI: 10.1126/sciadv.ady2696
