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Proliferierende Lymphgefäße im Frühstadium als starker Prädiktor für aggressiven Mundhöhlenkrebs

Bei Mundhöhlenkrebs im Frühstadium kann die Anzahl proliferierender Lymphgefäße im Tumorgewebe ein entscheidender Hinweis auf einen aggressiven Verlauf sein. Forscher der Universität Turku haben in einer Studie mit etwa 300 finnischen Patientenproben entdeckt, dass eine erhöhte Proliferation von Lymphgefäßen – erkennbar an entsprechenden Markerproteinen – das Risiko für Rezidiv und tumorbedingten Tod besser vorhersagt als alle bisher bekannten Risikofaktoren.

Mundhöhlenkarzinome gehören zu den häufigsten malignen Tumoren im Kopf-Hals-Bereich und verursachen weltweit jährlich über 188.000 Todesfälle. Besonders auffällig ist, dass selbst kleine, früh entdeckte Tumore letal verlaufen können. In Finnland stirbt bis zu ein Fünftel der Patienten trotz frühzeitiger Behandlung an der Erkrankung.

Das Forschungsteam um Joni Näsiaho untersuchte in frühen Tumorstadien verschiedene Abwehr- und Strukturzellen sowie multiple Proteinmarker. Überraschenderweise wiesen einige Tumore eine deutlich erhöhte Zahl proliferierender Lymphgefäße auf – ein Phänomen, das in gesunder Mundschleimhaut praktisch nicht vorkommt, da Lymphgefäßzellen dort selten teilen. Die Proliferation korrelierte stark mit späterem Rezidiv und Mortalität.

„Die frühzeitige Identifikation aggressiver Formen ist entscheidend, um die Behandlung gezielt anzupassen“, betont Näsiaho, Doktorand und Onkologe an der Universität Turku. Aktuell besteht die Standardtherapie bei lokalem Mundhöhlenkrebs vor allem in der Operation; adjuvante Therapien werden nicht risikoadaptiert eingesetzt. Ein solcher Biomarker könnte Hochrisikopatienten intensiver behandeln und Patienten mit günstiger Prognose vor unnötigen Nebenwirkungen schützen.

Die Ergebnisse wurden am 18. Februar 2026 in der Fachzeitschrift Cell Reports Medicine veröffentlicht. Die Studie entstand im Rahmen des InFLAMES-Forschungsflaggschiffs und wurde von der Finnischen Forschungsförderung, der Finnischen Krebshilfe und staatlichen Mitteln finanziert. Beteiligt waren neben dem Team um Marko Salmi auch drei HNO-Spezialisten des Universitätsklinikums Turku.

Die Autoren sehen Potenzial für eine klinische Anwendung des Markers und planen weitere Untersuchungen, ob die prognostische Aussagekraft auch bei anderen Krebsarten gegeben ist. Die Entdeckung unterstreicht die Rolle des tumoralen Mikromilieus – insbesondere lymphatischer Strukturen – bei der Metastasierung und Progression oraler Karzinome und könnte die Risikostratifizierung sowie individualisierte Therapieentscheidungen verbessern.