Die präventive Neurologie gewinnt als vielversprechender Ansatz im Kampf gegen neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson an Bedeutung. Experten betonen, dass frühzeitige Interventionen basierend auf genetischen und biologischen Markern die Krankheitsentwicklung verzögern oder sogar verhindern können, wie ein aktueller Bericht des HIT Consultant Media zeigt.
Weltweit tragen Hunderte Millionen Menschen ein erhöhtes Risiko für Alzheimer, ohne dass Symptome sichtbar sind. Ein Beispiel ist Simon Nicholls, der zwei Kopien des ApoE4-Gens – ein bekannter Risikofaktor für Alzheimer – in sich trägt. Nach der Teilnahme an einer klinischen Studie am Institute for Neurodegenerative Diseases (IND) verbesserten sich seine Blut-Biomarker für Alzheimer innerhalb weniger Monate erheblich. Dieser Erfolg unterstreicht das Potenzial präventiver Maßnahmen, obwohl Medienberichte oft vor frühzeitigen Tests warnen, da es keine Heilung gebe. Experten widersprechen und sehen in genetisch gefährdeten Personen ideale Kandidaten für präventive Strategien.
Neurodegenerative Erkrankungen sind die Hauptursache für Behinderungen weltweit. Parkinson ist die am schnellsten wachsende neurologische Störung, und die Todesfälle durch Alzheimer sind zwischen 2000 und 2019 um über 145 % gestiegen. Gleichzeitig belasten die Kosten für Alzheimer-Pflege das Gesundheitssystem enorm, mit geschätzten 360 Milliarden US-Dollar in diesem Jahr und Prognosen von über 1,1 Billionen US-Dollar bis 2050. Dennoch bleibt die präventive Neurologie in den USA unterfinanziert und wenig etabliert.
Ein weiteres Beispiel ist Alex, ein 58-jähriger Unternehmer, der fünf Jahre auf eine Konsultation in einer Alzheimer-Präventionsklinik wartete. Trotz kognitiver Probleme wurde er zunächst mit allgemeinen Ratschlägen wie „gesünder essen und mehr schlafen“ abgespeist. Eine genauere Untersuchung zeigte, dass eine personalisierte Strategie, die auf Omega-3-Fettsäuren, Cholesterinmanagement und Prädiabetes-Behandlung abzielt, nötig war. Studien deuten darauf hin, dass bis zu 40 % der Demenzfälle vermeidbar sind, doch der Zugang zu präventiver Neurologie bleibt schwierig.
Die präventive Neurologie nutzt personalisierte Ansätze, die Genetik, Familienanamnese und Blut-Biomarker wie p-tau217 oder Amyloid-beta berücksichtigen, um individuelle Risiken zu bewerten. Fortschritte wie der kürzlich von der FDA zugelassene p-tau217-Test könnten Diagnose und Verlaufskontrolle revolutionieren. Dennoch sind viele Ärzte mit diesen Werkzeugen nicht vertraut, und präventive Maßnahmen gehen über Lebensstiländerungen hinaus, etwa durch gezielte Medikamente wie bestimmte Blutdrucksenker.
Die Hürden sind jedoch groß: Das Gesundheitssystem priorisiert die Behandlung von Krankheiten statt Prävention, und es fehlen spezifische Abrechnungscodes für präventive Leistungen. Zudem können Versicherungen Personen mit früh diagnostizierten Risiken benachteiligen. Experten fordern eine Reform der medizinischen Ausbildung, die Einführung spezialisierter Studiengänge und stärkere gesetzliche Schutzmaßnahmen für Betroffene.
Die Autoren des Berichts, Dr. Kellyann Niotis und Dr. Richard S. Isaacson vom IND, plädieren für ein Umdenken. Patienten, Ärzte und politische Entscheidungsträger müssten zusammenarbeiten, um präventive Neurologie zu etablieren. Durch Investitionen in Forschung, bessere Abrechnungsmodelle und Aufklärung könnte ein proaktives Gesundheitssystem entstehen, das Millionen Menschen vor dem Verlust ihrer kognitiven Fähigkeiten schützt. Die Evidenz für präventive Ansätze sei vorhanden – nun müsse die Umsetzung folgen.
