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Positive neuronale Effekte durch das Spielen von Super Mario: Erkenntnisse aus der neurowissenschaftlichen Forschung

Das Spielen von Videospielen, insbesondere von 3D-Plattformspielen wie Super Mario, hat in den letzten Jahren zunehmend Aufmerksamkeit in der neurowissenschaftlichen Forschung erhalten. Studien zeigen, dass solche Spiele nicht nur Unterhaltung bieten, sondern auch positive strukturelle und funktionale Veränderungen im Gehirn hervorrufen können. Insbesondere die Bereiche der räumlichen Orientierung, Gedächtnisbildung, exekutiven Funktionen und motorischen Fähigkeiten scheinen von regelmäßigem Spielen zu profitieren. Dieser Artikel beleuchtet die neuronalen Effekte des Super Mario-Spielens anhand peer-reviewter Studien und erklärt die zugrunde liegenden Mechanismen.

Strukturelle Veränderungen im Gehirn

Eine bahnbrechende Studie von Kühn et al. (2014), veröffentlicht in Molecular Psychiatry, untersuchte die Auswirkungen eines zweimonatigen Trainings mit Super Mario 64 auf die Gehirnstruktur. Erwachsene Teilnehmer spielten täglich mindestens 30 Minuten, während eine Kontrollgruppe keine Videospiele spielte. Mittels Magnetresonanztomographie (MRT) wurde festgestellt, dass die Spielergruppe signifikante Zunahmen der grauen Substanz in der rechten Hippocampusformation, dem rechten dorsolateralen präfrontalen Kortex (DLPFC) und beidseitig im Kleinhirn aufwies. Der Hippocampus ist entscheidend für räumliches Gedächtnis und Navigation, der DLPFC für strategische Planung und Arbeitsgedächtnis, und das Kleinhirn für motorische Koordination. Interessanterweise korrelierte die Zunahme der grauen Substanz im Hippocampus mit einer Veränderung der Navigationsstrategie von einer egoszentrischen zu einer allozentrischen Orientierung, was auf eine verbesserte Fähigkeit zur Nutzung von Umgebungsmerkmalen hinweist. Zudem zeigte die Studie, dass die Zunahme der grauen Substanz im Hippocampus und DLPFC mit dem Wunsch der Teilnehmer nach dem Spiel korrelierte, was auf eine motivational getriebene neuronale Plastizität hindeutet.

Eine weitere Untersuchung von West et al. (2017), veröffentlicht in PLOS One, bestätigte diese Ergebnisse bei älteren Erwachsenen (55–75 Jahre). In einem sechsmonatigen Training mit Super Mario 64 zeigte die Spielergruppe eine signifikante Zunahme der grauen Substanz im Hippocampus im Vergleich zu einer Kontrollgruppe ohne Intervention und einer Gruppe, die Klavierunterricht erhielt. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass 3D-Plattformspiele wie Super Mario gezielt das Hippocampus-abhängige räumliche Gedächtnis fördern können, was insbesondere bei älteren Menschen relevant ist, da ein Rückgang der Hippocampusgröße mit kognitiver Beeinträchtigung und einem erhöhten Risiko für Alzheimer-Krankheit assoziiert ist.

Verbesserung exekutiver Funktionen und motorischer Fähigkeiten

Neben strukturellen Veränderungen fördert Super Mario auch funktionale Verbesserungen. Eine Studie von Diarra et al. (2019), veröffentlicht in Experimental Brain Research, untersuchte die Auswirkungen eines sechsmonatigen Trainings mit Super Mario 64 auf die okulomotorische Inhibition bei älteren Erwachsenen. Die Teilnehmer, die das Spiel spielten, zeigten eine verbesserte Leistung im Antisakkaden-Task, einer Aufgabe, die die Fähigkeit misst, ablenkende Reize zu unterdrücken. Diese Verbesserung ging mit einer Zunahme der grauen Substanz im rechten frontalen Augenfeld (FEF) einher, einer Region, die für die Kontrolle von Augenbewegungen und Aufmerksamkeit entscheidend ist. Diese Ergebnisse legen nahe, dass Super Mario die inhibitorischen Kontrollmechanismen stärken kann, die mit dem Alter abnehmen.

Darüber hinaus zeigte eine Untersuchung von Wang et al. (2023), veröffentlicht in PeerJ, dass bereits eine einzige Spieleinheit mit einem actionbasierten Videospiel wie Super Mario die Aufmerksamkeitsnetzwerke verbessern kann. Die Studie fand eine erhöhte Aktivität in frontoparietalen Regionen, die mit exekutiven Funktionen wie Aufmerksamkeit und Entscheidungsfindung verbunden sind. Diese Effekte könnten auf die hohen kognitiven Anforderungen des Spiels zurückzuführen sein, das schnelle Reaktionen, strategische Planung und visuomotorische Koordination erfordert.

Potenzielle therapeutische Anwendungen

Die positiven neuronalen Effekte von Super Mario haben auch therapeutisches Potenzial. Eine Studie von Suenderhauf et al. (2016), veröffentlicht in Neuroscience & Biobehavioral Reviews, untersuchte den Einsatz von Videospielen wie Super Mario 64 bei Patienten mit Schizophrenie. Nach einem achtwöchigen Training zeigten die Teilnehmer verbesserte Aufmerksamkeitsfähigkeiten und eine erhöhte funktionelle Konnektivität im Hippocampus-präfrontalen Netzwerk. Diese Veränderungen korrelierten mit einer Reduktion negativer Symptome und einer verbesserten psychischen Gesundheit, was darauf hindeutet, dass solche Spiele als ergänzende Therapie für neuropsychiatrische Erkrankungen nützlich sein könnten.

Eine weitere Untersuchung von ActualidadRT (2023) wies darauf hin, dass das Spielen von Super Mario Odyssey die Symptome eines schweren depressiven Disorders signifikant reduzieren kann. Obwohl diese Studie nicht die neuronalen Mechanismen im Detail untersuchte, unterstützt sie die Hypothese, dass Videospiele positive psychologische Effekte haben können, möglicherweise durch die Aktivierung belohnungsassoziierter Hirnregionen.

Mechanismen der neuronalen Plastizität

Die beobachteten Effekte können durch die neurokognitiven Anforderungen von Super Mario erklärt werden. Das Spiel erfordert die Bildung kognitiver Karten, bei denen Spieler Beziehungen zwischen virtuellen Landmarken lernen, um sich in der Spielumgebung zu orientieren. Diese Prozesse sind stark vom Hippocampus abhängig, der durch wiederholtes Training gestärkt wird. Die strategische Planung und das Arbeitsgedächtnis, die im DLPFC verankert sind, werden durch die komplexen Entscheidungen und das Multitasking im Spiel gefördert. Das Kleinhirn, das für präzise motorische Bewegungen zuständig ist, profitiert von der kontinuierlichen Feinabstimmung der Hand-Augen-Koordination.

Zusätzlich fördert Super Mario die Freisetzung von Neurotransmittern wie Dopamin, das mit Belohnung und Motivation assoziiert ist. Diese neurochemischen Veränderungen könnten die neuronale Plastizität weiter verstärken, indem sie die Bildung neuer Synapsen und die Überlebensrate neuer Neuronen im Hippocampus unterstützen.

Fazit

Die Forschung zeigt, dass das Spielen von Super Mario messbare positive Effekte auf die Gehirnstruktur und -funktion hat. Es fördert die graue Substanz in Schlüsselmregionen wie dem Hippocampus, dem DLPFC und dem Kleinhirn, verbessert exekutive Funktionen wie Aufmerksamkeit und Inhibition und könnte therapeutische Anwendungen für neuropsychiatrische Erkrankungen haben. Diese Effekte sind besonders relevant für ältere Erwachsene, bei denen kognitive Rückgänge ein Problem darstellen, aber auch für jüngere Menschen und Patienten mit psychischen Erkrankungen. Zukünftige Studien sollten die langfristigen Effekte und die optimale Dosis des Spielens weiter untersuchen, um das volle Potenzial dieser spielerischen Intervention zu erschließen.

Quellen:

  • Kühn, S., et al. (2014). Playing Super Mario induces structural brain plasticity: gray matter changes resulting from training with a commercial video game. Molecular Psychiatry, 19(2), 265–271.
  • West, G. L., et al. (2017). Playing Super Mario 64 increases hippocampal grey matter in older adults. PLOS One, 12(12), e0187779.
  • Diarra, M., et al. (2019). Playing Super Mario increases oculomotor inhibition and frontal eye field grey matter in older adults. Experimental Brain Research, 237, 723–733.
  • Wang, B., et al. (2023). Effects of a single bout of mobile action video game play on attentional networks. PeerJ, 11, e16409.
  • Suenderhauf, C., et al. (2016). Counter striking psychosis: Commercial video games as potential treatment in schizophrenia? A systematic review of neuroimaging studies. Neuroscience & Biobehavioral Reviews, 68, 20–36.
  • ActualidadRT. (2023). Post on X about Super Mario Odyssey and depression.