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Personalisierte Hirnstimulation reduziert Anfälle bei therapieresistenter Epilepsie um bis zu 90 Prozent

Neurologen und Bioingenieure der University of Pittsburgh und UPMC haben eine maßgeschneiderte Tiefenhirnstimulation (DBS) entwickelt, die bei Patienten mit medikamentenresistenter Epilepsie die Anfallshäufigkeit und -schwere drastisch senkt. Die Methode zielt auf individuelle Verbindungen zwischen Thalamus und epileptogenen Kortikalregionen ab und übertrifft standardisierte Ansätze. In einer Studie mit langfristig implantierten Geräten erzielten Patienten eine durchschnittliche Anfallsreduktion von fast 90 Prozent; einige blieben monatelang anfallsfrei. Die Ergebnisse, veröffentlicht in Nature Communications, könnten die Behandlung für Millionen Betroffene revolutionieren.

Epilepsie betrifft weltweit über 50 Millionen Menschen; ein Drittel spricht nicht auf Medikamente an. Chirurgische Resektion ist oft unmöglich, wenn Anfälle aus Bereichen für Sprache, Bewegung oder Sehen stammen. Bisherige Thalamus-Stimulation (anteriorer Nucleus) half nur begrenzt. Das Pitt/UPMC-Team kartierte bei 41 Patienten mit hochauflösender Bildgebung und intrakraniellen Ableitungen die thalamokortikalen Verbindungen. Die Stimulation wurde präzise auf den thalamiischen Abschnitt ausgerichtet, der am stärksten mit den Anfallsherden im Kortex vernetzt ist.

Bei akuter Stimulation sank die Anfallsaktivität signifikant; chronische Implantate bei einer Untergruppe führten zu der hohen Reduktionsrate. Die personalisierte Hodologie – die Kartierung neuronaler Bahnen – ermöglichte hyperindividuelle Therapien. Die Epilepsie-Monitoring-Einheit am UPMC Presbyterian kombinierte Stimulation, Bildgebung und klinische Bewertung in einem Kohorten-Design, was bisherige Studien übertraf.

Das Verfahren nutzt ähnliche Prinzipien wie frühere DBS-Anwendungen des Teams zur Wiederherstellung von Armmobilität nach Schlaganfall oder Hirntrauma, zielt hier jedoch auf Unterdrückung statt Aktivierung. Es könnte auf psychiatrische Störungen wie Depression oder Sucht erweitert werden, da gemeinsame thalamokortikale Mechanismen beteiligt sind. Gefördert durch NIH-Mittel, unterstreicht die Arbeit die Kraft interdisziplinärer Ansätze aus Neurochirurgie, Neurowissenschaft und Engineering. Klinische Langzeitstudien und Anwendungen auf weitere Indikationen sind geplant, um die personalisierte Neuromodulation zu etablieren.

Quelle

Nature Communications

DOI

10.1038/s41467-025-64922-w