Im Rahmen einer bahnbrechenden britischen Studie unter der Leitung der Universität Liverpool wurde untersucht, ob ein zusätzlicher Bluttest namens Procalcitonin (PCT) die Zeit, die Kinder in Krankenhäusern mit intravenösen Antibiotika verbringen, sicher verkürzen kann.
Trotz vielversprechender früherer Analysen stellte die vom National Institute for Health and Care Research (NIHR) geförderte Studie fest, dass die Verwendung des PCT-Biomarkers zur Unterstützung von Behandlungsentscheidungen die Dauer der Antibiotikabehandlung im Vergleich zur üblichen Behandlung nicht verkürzte.
Die heute im Lancet Child & Adolescent Health veröffentlichte Studie ist Teil der Studie „Biomarker-guided duration of Antibiotic Treatment in Children Hospitalised with confirmed or suspected bacterial infections“ (BATCH). BATCH ist eine nationale Forschungsstudie zur Bekämpfung des Antibiotika-Übergebrauchs bei hospitalisierten Kindern und zur Eindämmung der Verbreitung antimikrobieller Resistenzen (AMR).
Der übermäßige Einsatz von Antibiotika ist eine der Hauptursachen für antimikrobielle Resistenzen, eine der größten Herausforderungen für die öffentliche Gesundheit weltweit. Infektionen durch resistente Bakterien führen zu längeren Krankenhausaufenthalten, höheren Gesundheitskosten und einer höheren Sterblichkeit. Kinder sind besonders gefährdet und ein intelligenterer Einsatz von Antibiotika ist unerlässlich, um ihre zukünftige Gesundheit zu schützen.
An dieser in 15 Krankenhäusern durchgeführten Studie nahmen fast 2.000 Kinder im Alter zwischen 72 Stunden und 18 Jahren mit Verdacht auf bakterielle Infektionen teil.
Die Forscher stellten fest, dass die Aufnahme des PCT-Tests in die Routineversorgung die Dauer der intravenösen Antibiotikaeinnahme nicht verkürzte. Der Test war zwar sicher, aber teurer als Standardmethoden, und die medizinischen Teams standen vor der Herausforderung, ihn in ihre Entscheidungsprozesse zu integrieren.
Die Studie erfolgt im Anschluss an eine systematische Überprüfung und Kostenwirksamkeitsanalyse, die 2015 von NICE durchgeführt wurde. Dabei wurden PCT-Tests als Leitfaden für die Antibiotikatherapie zur Behandlung von Sepsis bewertet und weitere Studien empfohlen, um die Wirksamkeit der Hinzunahme von PCT-Algorithmen zur Steuerung der Antibiotikabehandlung bei hospitalisierten Erwachsenen und Kindern mit vermuteter oder bestätigter schwerer bakterieller Infektion angemessen zu beurteilen.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Einführung neuer Tools wie PCT-Tests allein nicht ausreicht. Für eine effektive Nutzung sind folgende Punkte erforderlich:
Robuste Antimicrobial Stewardship (AMS)-Programme: Viele Krankenhäuser nutzen bereits AMS-Programme, um sicherzustellen, dass Antibiotika verantwortungsvoll verschrieben werden und unnötiger Gebrauch reduziert wird.
Schulung und Ausbildung für Klinikpersonal: Für den Erfolg sind die Vertrautheit mit neuen Tests und die Sicherheit bei der Interpretation der Ergebnisse entscheidend.
Implementierungsforschung: Zukünftige Studien sollten Hindernisse und Förderer der Implementierung identifizieren, um die Genauigkeit der Intervention zu optimieren.
Verhaltensänderung: Ein besseres Verständnis der komplexen Wechselwirkungen, die beeinflussen, ob/wie/warum Ärzte auf der Grundlage von Informationen aus Diagnosetests über die Verschreibung von Antibiotika entscheiden, wird die Genauigkeit klinischer Interventionen verbessern und die Durchführung und Übernahme nachweislich wirksamer Tests erleichtern.
Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung weiterer Investitionen in AMS-Programme und öffentliche Gesundheitskampagnen zur Reduzierung des Antibiotikamissbrauchs. Die Forscher weisen darauf hin, dass die PCT-gesteuerte Behandlung zwar in dieser Studie keine klaren Vorteile erbrachte, aber bei weiterer Verfeinerung in bestimmten Situationen dennoch eine Rolle spielen könnte. Während Großbritannien seine Fünfjahresstrategie zur Bekämpfung der antimikrobiellen Resistenz vorantreibt, liefert diese Forschung wertvolle Einblicke in die Herausforderungen der Einführung neuer diagnostischer Tests in Krankenhäusern.
https://www.thelancet.com/journals/lanchi/article/PIIS2352-4642(24)00306-7/fulltext
