Berlin, 31. März 2025 – Etwa 295.000 Menschen in Deutschland leben im Jahr 2022 mit der Parkinsonkrankheit, das entspricht einer Prävalenz von 0,35 Prozent der Bevölkerung. Das zeigt eine aktuelle Studie des Robert Koch-Instituts (RKI), die im Rahmen der Krankheitslaststudie auf Basis von Routinedaten der AOK-Versicherten erstellt wurde. Die Ergebnisse, veröffentlicht im Journal of Health Monitoring, bieten detaillierte Einblicke in die Verbreitung, Altersverteilung und zeitlichen Trends der Erkrankung.
Prävalenz steigt mit dem Alter
Die Studie, durchgeführt von Forschenden wie Alexander Rommel vom RKI und Günter Deuschl vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, zeigt: Die Häufigkeit der Parkinsonkrankheit nimmt mit dem Alter deutlich zu. Während sie bei Menschen unter 40 Jahren extrem selten ist, liegt die Prävalenz ab 40 Jahren bei 0,61 Prozent (0,57 Prozent bei Frauen, 0,66 Prozent bei Männern) und bei den über 65-Jährigen bei 1,42 Prozent. Den Höhepunkt erreicht sie in der Altersgruppe der 90- bis 94-Jährigen mit 2,99 Prozent. Männer sind dabei durchgehend etwas häufiger betroffen als Frauen.
Kein klares regionales Muster
Regionale Unterschiede in der Verteilung der Parkinsonkrankheit sind nicht eindeutig erkennbar. Zwar zeigen rohe Daten höhere Werte in Ostdeutschland, doch nach Anpassung an die Altersstruktur verschwindet dieser Effekt. Niedrigere Prävalenzen finden sich in Teilen Schleswig-Holsteins, Baden-Württembergs und Südbayerns, während Regionen wie Nordrhein-Westfalen, Thüringen oder das Saarland höhere Werte aufweisen.
Leichter Rückgang über die Jahre
Überraschend ist der leichte Rückgang der altersstandardisierten Prävalenz: Lag sie 2017 noch bei 0,38 Prozent, sank sie bis 2022 auf 0,29 Prozent. Die Gründe dafür sind unklar. Mögliche Erklärungen reichen von einem Rückgang bestimmter Risikofaktoren wie Pestizidbelastung bis hin zu Veränderungen im Diagnoseverhalten. Die Corona-Pandemie könnte ebenfalls eine Rolle gespielt haben, etwa durch weniger Arztbesuche, doch die robuste Methodik der Studie schließt kurzfristige Effekte weitgehend aus.
Methode: Routinedaten im Fokus
Die Analyse basiert auf Daten von rund 27 Millionen AOK-Versicherten aus den Jahren 2017 bis 2022. Mithilfe einer präzisen Falldefinition – etwa der Diagnose „primäres Parkinsonsyndrom“ (ICD-10-Code G20) und dem Ausschluss sekundärer Formen – wurden die Prävalenzen geschätzt und auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet. Dies geschah alters-, geschlechts- und morbiditätsadjustiert, um Verzerrungen durch die Versichertenstruktur zu vermeiden.
Bedeutung für die Gesundheitsversorgung
Die Parkinsonkrankheit, die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung nach Alzheimer, beeinträchtigt vor allem die Motorik durch Symptome wie Zittern, Muskelsteife oder Bewegungsarmut und führt im Spätstadium oft zu Demenz und Pflegebedürftigkeit. „Die Ergebnisse unterstreichen die Relevanz der Erkrankung für die Bevölkerungsgesundheit, insbesondere im Hinblick auf die Versorgung im Alter“, betont das Forschungsteam. Trotz des leichten Rückgangs bleibt sie eine wesentliche Ursache für verlorene Lebensjahre und Pflegeaufwand.
Die Studie liefert wichtige Daten für die Gesundheitspolitik und schließt Wissenslücken. Weitere Forschung soll klären, warum die Prävalenz sinkt – und wie die Versorgung Betroffener optimiert werden kann.
