Präkanzeröse Zellen im Pankreas organisieren sich bereits in sehr frühen Stadien in räumlich abgegrenzten Nischen und interagieren gezielt mit Immunzellen – möglicherweise um eine immunsuppressive Umgebung zu schaffen. Dies geschieht lange bevor eine invasive Pankreas-Karzinomerkrankung entsteht. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der Hebräischen Universität Jerusalem, die in der Fachzeitschrift Gastroenterology erschienen ist.
Pankreasduktales Adenokarzinom zählt zu den tödlichsten Krebsformen, vor allem weil es meist erst in fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert wird. Präkanzeröse Läsionen können jedoch über ein Jahrzehnt oder länger bestehen, ohne dass bisher genau bekannt war, wie diese frühen Zellveränderungen strukturiert sind und wie sie die umliegende Gewebeumgebung beeinflussen.
Das Team um Dr. Oren Parnas (Fakultät für Medizin) nutzte Einzelzell-RNA-Sequenzierung kombiniert mit räumlicher Transkriptomik, um Tausende einzelner Zellen in ihrem natürlichen räumlichen Kontext zu analysieren. Dadurch konnte erstmals kartiert werden, wie metaplastische azinäre Zellen in prämaligne Läsionen organisiert sind und mit benachbarten Immunzellen kommunizieren.
Die Ergebnisse zeigen: Die veränderten Zellen verteilen sich nicht zufällig, sondern bilden semihomogene Nischen aus Zellen ähnlicher Identität. Diese Cluster liegen häufig in unmittelbarer Nähe zu immunsuppressiven Zellpopulationen – insbesondere bestimmten Neutrophilen- und Makrophagen-Subtypen. Die räumliche Nähe korreliert mit Genexpressionsmustern, die eine Dämpfung der Immunantwort fördern.
„Unsere Befunde deuten darauf hin, dass die Immunflucht bereits in den allerfrühesten Stadien der Tumorentstehung beginnt“, erklärte Dr. Parnas. Sebastian Arcila-Barrera, Erstautor der Studie, ergänzte, dass die beobachtete räumliche Organisation wichtige Hinweise auf die schrittweise Progression der Erkrankung liefere: Zellidentitäten etablieren sich früh, gefolgt von lokaler Expansion.
Dr. Sharona Tornovsky-Babeay betonte die potenzielle klinische Relevanz: Ein besseres Verständnis der Läsionsentstehung und -entwicklung könnte künftig helfen, Hochrisiko-Läsionen früher zu identifizieren und präventive Strategien zu entwickeln, bevor ein invasives Karzinom entsteht.
Die beschriebenen zellulären Organisationen und Immuninteraktionen fanden sich auch in humanem Pankreasgewebe, was die Übertragbarkeit der Ergebnisse über Tiermodelle hinaus unterstreicht.
Die Studie erschien am 27. Februar 2026 (DOI: 10.1053/j.gastro.2025.12.014).
