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Tödliches Sauerkraut: Toxin in fermentierten Lebensmitteln

Fermentierte Lebensmittel wie Kimchi, Joghurt oder Sauerkraut gelten als gesund und probiotisch. Doch in manchen Fällen können sie lebensgefährlich werden. Ein seltenes, aber extrem starkes Bakterientoxin namens Bongkreksäure kann sich in unsachgemäß fermentierten stärkereichen Produkten bilden und bereits in winzigen Mengen tödlich wirken. Ein Milligramm reicht aus, um einen Erwachsenen zu töten – und das Gift ist hitzestabil, geschmacks- und geruchlos. Das Bakterium Burkholderia gladioli pathovar cocovenenans (kurz B. cocovenenans) ist der Verursacher. Es gedeiht besonders gut in feuchter, säurearmer Umgebung bei Temperaturen zwischen 22 und 37 Grad Celsius, also genau den Bedingungen, die bei der Hausfermentation von Mais, Reis, Süßkartoffeln oder Kokosnusspulpe herrschen. Das bekannteste Opfer ist Tempeh Bongkrek, eine indonesische Spezialität aus Sojabohnen und Kokospresskuchen, deren Herstellung 1988 in Indonesien verboten wurde, nachdem Tausende Menschen daran gestorben waren. Trotz Verbot wird es weiter privat und illegal produziert. Besonders… 

FDA beschlagnahmt illegale 7-OH-Opioid-Produkte im Wert von einer Million Dollar

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat gemeinsam mit dem Justizministerium rund 73.000 Einheiten von Produkten mit konzentriertem 7-Hydroxymitragynin (7-OH) beschlagnahmt, die einen Marktwert von etwa einer Million US-Dollar haben. Die Beschlagnahme erfolgte bei drei Unternehmen in Missouri und betraf Nahrungsergänzungsmittel und Lebensmittel wie Shots und Tabletten, denen 7-OH als Zusatzstoff beigemischt war. Konzentriertes 7-OH bindet an Opioid-Rezeptoren und birgt ein hohes Missbrauchspotenzial. Es ist weder für Nahrungsergänzungsmittel noch für konventionelle Lebensmittel zugelassen und gilt als verfälscht, da keine Sicherheitsstandards erfüllt sind. Eine medizinische Zulassung liegt ebenfalls nicht vor. Die FDA sieht in dem zunehmenden Einsatz von 7-OH in leicht zugänglichen Produkten – vor allem für Jugendliche – eine ernsthafte Gefahr. Die Behörde hatte bereits im Juli Klassifizierungsempfehlungen unter dem Controlled Substances Act ausgesprochen und Warnbriefe an Hersteller verschickt. Die aktuelle Aktion ist Teil einer breiteren Strategie gegen gefährliche und illegale Opioid-Substanzen. Hersteller… 

EY benennt acht Gesundheitstrends für 2026

Die Beratungsfirma EY hat acht zentrale Trends vorgestellt, die das Gesundheitswesen im Jahr 2026 und darüber hinaus prägen werden. Die Entwicklung zeigt, dass trotz wirtschaftlicher und regulatorischer Zwänge die Branche verstärkt auf digitale Transformation, KI und neue Talentstrategien setzt. Die wichtigsten Trends: Die EY-Gesundheitsexpertin Kim Dalla Torre betonte, dass Kostenträger, Leistungserbringer und Patienten an einem historischen Wendepunkt stehen und jetzt investierte Lösungen langfristig tragfähige Versorgungsmodelle schaffen könnten.

Schwere Sicherheitswarnung für Abbott FreeStyle Libre 3 und 3 Plus Sensoren

Die US-Arzneimittelbehörde FDA warnt dringend vor einem Fehler bei bestimmten Sensoren der kontinuierlichen Glukoseüberwachungssysteme FreeStyle Libre 3 und FreeStyle Libre 3 Plus von Abbott Diabetes Care. Die Sensoren können über längere Zeit falsch niedrige Glukosewerte anzeigen, ohne dass dies bemerkt wird. Wird der Fehler nicht erkannt, können Betroffene falsche Therapieentscheidungen treffen – etwa übermäßigen Verzehr von Kohlenhydraten oder das Auslassen bzw. Verschieben von Insulindosen. Dies kann zu schweren gesundheitlichen Schäden bis hin zu Verletzungen oder Tod führen. Bis zum 14. November 2025 meldete Abbott 736 schwere Verletzungen und sieben Todesfälle im Zusammenhang mit diesem Problem. Abbott hat alle betroffenen Kunden schriftlich informiert. Die FDA stuft die Angelegenheit als hochrisikoreich ein und wird die Öffentlichkeit über weitere Entwicklungen auf dem Laufenden halten. Betroffene in den USA werden gebeten, sich bei Fragen oder Problemen direkt an Abbott unter 1-833-815-4273 oder über die… 

FDA will Tierversuche mit Primaten bei monoklonalen Antikörpern stark reduzieren

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat einen Entwurfsleitfaden veröffentlicht, der für bestimmte monoklonale Antikörper die bisher üblichen sechsmonatigen Toxizitätsstudien an nichtmenschlichen Primaten abschaffen oder deutlich verkürzen soll. Stattdessen setzt die Behörde künftig verstärkt auf risikobasierte Bewertungen mit humanrelevanten Modellen wie computergestützter Toxikologie, Organoide und realen Sicherheitsdaten aus der klinischen Anwendung. Ein klassisches präklinisches Programm für monoklonale Antikörper umfasst derzeit häufig mehr als 100 Primaten (meist Makaken) und kostet rund 50.000 US-Dollar pro Tier. Viele Präparate, die diese Tests bestehen, scheitern später in der Humanphase an Wirksamkeits- oder Sicherheitsproblemen. Die FDA will damit einen weiteren Schritt ihres Fahrplans zur Modernisierung der präklinischen Prüfung umsetzen und Tierstudien wo möglich durch valide Alternativmethoden ersetzen. „Die moderne Wissenschaft liefert uns deutlich effektivere und humanere Möglichkeiten, Arzneimittelsicherheit zu prüfen als Tierversuche“, erklärte FDA-Commissioner Marty Makary. „Diese Reform kann Entwicklungszeiten und -kosten senken und letztlich zu niedrigeren Medikamentenpreisen… 

Insilico Medicine präsentiert KI-entwickelten PROTAC gegen Krebsziel PKMYT1

Ein Forschungsteam von Insilico Medicine hat mit seiner KI-Plattform Chemistry42 einen neuartigen PROTAC (Proteolysis Targeting Chimera) namens D16-M1P2 entwickelt, der das Krebsziel PKMYT1 sowohl abbaut als auch hemmt. Die Studie, veröffentlicht in Nature Communications, zeigt, dass das Molekül in präklinischen Tests eine hohe Selektivität und starke antitumorale Wirkung aufweist und nun in die Vor-Kandidaten-Validierungsphase eintritt. PKMYT1 reguliert den Zellzyklus und ist durch synthetische Letalität ein vielversprechendes Ziel für Krebsarten mit Mutationen wie CCNE1-Amplifikation oder Defekten in FBXW7 und PPP2R1A. Bisherige Inhibitoren scheitern jedoch an mangelnder Diversität, Selektivität und Resistenzentwicklung, insbesondere bei nicht-katalytischen Funktionen wie der Stabilisierung von ?-Catenin. Der PROTAC D16-M1P2 überwindet diese Hürden durch einen dualen Mechanismus: Er induziert den Abbau von PKMYT1 über das Ubiquitin-Proteasom-System und hemmt gleichzeitig die Kinase-Aktivität, was zu anhaltenden Effekten führt – selbst 24 Stunden nach Absetzen. Der Entwicklungsprozess begann mit der KI-gestützten Generierung… 

Bluttest zeigt: Adipositas beschleunigt Alzheimer-Entwicklung massiv

Adipositas lässt Alzheimer-Biomarker im Blut bis zu 95 Prozent schneller ansteigen als bei Normalgewichtigen. Das ist das Ergebnis der weltweit ersten Längsschnittstudie, die den Einfluss von Übergewicht auf Alzheimer-Bluttests untersucht hat. Die Daten von 407 Teilnehmern über fünf Jahre wurden heute auf dem Jahreskongress der Radiological Society of North America (RSNA) vorgestellt. Forscher der Washington University School of Medicine in St. Louis analysierten Blutproben auf etablierte Alzheimer-Biomarker wie pTau217, Neurofilament-Leichtkette (NfL) und GFAP sowie Amyloid-PET-Scans des Gehirns. Während zu Beginn der Studie übergewichtige Probanden paradox niedrigere Biomarker-Werte zeigten – vermutlich durch Verdünnungseffekte im größeren Blutvolumen –, stieg der Anstieg im Verlauf dramatisch an: Bei Adipositas erhöhten sich pTau217-Werte um 29 bis 95 Prozent schneller, NfL um 24 Prozent und die Amyloid-Ablagerung im Gehirn um 3,7 Prozent rascher als bei Normalgewichtigen. Die Bluttests erwiesen sich dabei empfindlicher als die PET-Scans und… 

Eisai präsentiert vielversprechende Daten zu Anti-Tau-Antikörper Etalanetug

Das japanische Pharmaunternehmen Eisai hat auf der 18. Clinical Trials on Alzheimer’s Disease (CTAD) Conference neue Ergebnisse zu seinem Anti-Tau-Antikörper Etalanetug (E2814) vorgestellt. Das Mittel, das an die Mikrotubuli-Bindungsregion (MTBR) des Tau-Proteins bindet und dessen Ausbreitung verhindern soll, reduzierte in einer Phase-Ib/II-Studie bei Patienten mit dominanter erblicher Alzheimer-Erkrankung (DIAD) den neuartigen Biomarker eMTBR-tau243 im Liquor um bis zu 89 Prozent und im Plasma um über 90 Prozent. Der Biomarker eMTBR-tau243 gilt als besonders spezifischer Indikator für die Bildung von Tau-Fibrillenbündeln (Neurofibrillary Tangles), einer zentralen Pathologie der Alzheimer-Krankheit. Die starke Reduktion unter Etalanetug unterstützt den Wirkmechanismus, Tau-Ausbreitung im Gehirn zu hemmen. Bereits zuvor hatte Tau-PET bei behandelten Patienten eine Stabilisierung oder Tendenz zur Abnahme der Tau-Ablagerungen gezeigt. Etalanetug wird aktuell in zwei großen Studien weiter geprüft: in der Tau NexGen Phase-II/III-Studie bei DIAD (zusammen mit Lecanemab als Hintergrundtherapie) sowie in einer… 

IQWiG sieht keinen Zusatznutzen für Lecanemab bei früher Alzheimer-Erkrankung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) kommt in seiner frühen Nutzenbewertung zu dem Schluss, dass der Antikörper Lecanemab bei Patienten mit leichter kognitiver Beeinträchtigung oder leichter Alzheimer-Demenz keinen belegten Vorteil gegenüber dem deutschen Therapiestandard bietet. Die Bewertung basiert auf bislang unveröffentlichten Daten aus der Zulassungsstudie CLARITY AD, die der Hersteller im AMNOG-Dossier vorlegen musste. Seit September 2025 ist Lecanemab in Deutschland zugelassen, jedoch stark eingeschränkt: nur für Patienten mit nachgewiesenen Amyloid-Plaques und maximal einer ApoE-?4-Allelkopie. Für die leichte kognitive Beeinträchtigung (MCI) gilt „beobachtendes Abwarten“ als Vergleichstherapie, für die leichte Demenz Acetylcholinesterasehemmer wie Donepezil. Die positiven Effekte, die 2023 aus der Gesamtstudienpopulation berichtet wurden, lassen sich laut IQWiG nicht auf die in Deutschland zugelassene, eng begrenzte Patientengruppe übertragen. In den relevanten Subgruppen zeigt sich kein Vorteil gegenüber dem hiesigen Standard. Zudem untersuchte die Studie keine Monotherapie mit Lecanemab… 

US und Großbritannien einigen sich auf Pharma-Preisreform

Die Regierungen der Vereinigten Staaten und Großbritanniens haben ein Grundsatzabkommen über die Preisfestsetzung von Arzneimitteln angekündigt. Im Rahmen des historischen Wirtschaftsabkommens „Economic Prosperity Deal“ (EPD) verpflichtet sich das Vereinigte Königreich, die Preise für innovative Medikamente um 25 Prozent zu erhöhen und Rabattmechanismen zu reduzieren. Im Gegenzug entfallen US-Zölle auf britische Pharma-Produkte und -Inhaltsstoffe, was den Handel erleichtert und Investitionen fördert. Das Abkommen adressiert langjährige Ungleichgewichte im transatlantischen Pharmamarkt: US-amerikanische Verbraucher zahlen weltweit die höchsten Preise für Medikamente, die in anderen Ländern subventioniert werden. Die britische National Health Service (NHS) wird den Abwärtstrend bei Ausgaben für neue, lebensrettende Arzneimittel umkehren und den Nettopreis für Neuankömmlinge steigern. Zudem sinkt der Rückzahlungssatz für Pharmafirmen im Rahmen des Voluntary Scheme for Branded Medicines Pricing, Access and Growth (VPAG) auf 15 Prozent ab 2026 und bleibt darunter. Dies soll sicherstellen, dass höhere Preise nicht durch…