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Protein stoppt Wachstum des Malaria-Parasiten

Ein internationales Forschungsteam hat ein einzigartiges Protein entdeckt, das für das Überleben und die Übertragung des Malaria-Parasiten unerlässlich ist. Es handelt sich um die Aurora-related kinase 1 (ARK1), die als vielversprechendes neues Ziel für Antimalaria-Medikamente gilt. In einer am 26. Februar 2026 in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlichten Studie beschreiben Forscher der University of Nottingham, des National Institute of Immunology (NII) in Indien, der University of Groningen, des Francis Crick Institute und weiterer internationaler Partner, dass ARK1 als eine Art „Verkehrsleiter“ bei der ungewöhnlichen Zellteilung des Parasiten fungiert. Das Protein organisiert den Spindelapparat, der das genetische Material bei der Teilung auseinanderzieht. Anders als bei menschlichen Zellen verläuft die Zellteilung beim Malaria-Parasiten Plasmodium atypisch und extrem schnell. Schalteten die Wissenschaftler ARK1 im Labor experimentell aus, konnten die Parasiten keine funktionsfähigen Spindeln mehr bilden. Die Replikation scheiterte, und die Parasiten waren weder… 

Tuberkulose als systemisches Problem

Trotz Fortschritten bei Diagnostik und Therapie bleibt Tuberkulose (TB) weltweit die tödlichste Infektionskrankheit. Forschende der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) plädieren in einer neuen Studie für einen systemischen Ansatz, der TB nicht nur als medizinisches, sondern als Folge umfassenderer gesellschaftlicher und struktureller Kräfte betrachtet. Die Ergebnisse erschienen in The Lancet Global Health. Das Forschungsteam um Dr. Mikaela Coleman und Prof. Katharina Kranzer (Institut für Infektions- und Tropenmedizin, LMU Klinikum) führt den Begriff der „tuberkulogenen Umgebung“ ein. Darunter verstehen sie das komplexe Zusammenspiel von Armut, unzureichenden Wohnverhältnissen, mangelndem Zugang zu nahrhaften Lebensmitteln, schlecht belüfteten öffentlichen Räumen und unterfinanzierten Gesundheitssystemen – Faktoren, die bestimmte Gemeinschaften einem hohen TB-Risiko aussetzen, selbst wenn medizinische Versorgung grundsätzlich verfügbar ist. Die Autorinnen und Autoren kartieren die beteiligten Akteure und Kräfte über Sektoren, Institutionen, globale Märkte, kommerzielle Interessen und Umweltbedingungen hinweg. Sie kritisieren, dass aktuelle Bekämpfungsstrategien zu viel Verantwortung… 

Zwei neue FSME-Risikogebiete in Sachsen und Sachsen-Anhalt – 693 Erkrankungen im Jahr 2025

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat die Karte der FSME-Risikogebiete in Deutschland aktualisiert. Neu hinzugekommen sind der Landkreis Nordsachsen in Sachsen und der Stadtkreis Halle (Saale) in Sachsen-Anhalt. Damit sind aktuell 185 Kreise als Risikogebiete für die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ausgewiesen. Das Risiko einer Infektion durch Zeckenstiche besteht weiterhin vor allem in Bayern, Baden-Württemberg, Südhessen, im südöstlichen Thüringen, in Sachsen, im südöstlichen Brandenburg und östlichen Sachsen-Anhalt. Einzelne Risikogebiete liegen zudem in Mittelhessen, im Saarland, in Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. In Bundesländern ohne ausgewiesene Risikogebiete traten vereinzelt autochthone FSME-Fälle auf, sodass auch dort während der Zeckensaison bei entsprechender Symptomatik differenzialdiagnostisch an FSME gedacht werden sollte. Im Jahr 2025 wurden dem RKI 693 FSME-Erkrankungen übermittelt – die dritthöchste Zahl seit Beginn der Erfassung im Jahr 2001. Nach dem bisherigen Höchststand von 718 Fällen im Jahr 2020 lag die Fallzahl damit erneut auf sehr hohem… 

Nährstoff-Timing beeinflusst Genaktivität im Fettgewebe

Ob morgens eher Kohlenhydrate oder Fette auf dem Speiseplan stehen, könnte den Stoffwechsel nachhaltig beeinflussen. Forschende des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) und der Charité – Universitätsmedizin Berlin haben erstmals am Menschen gezeigt, dass die zeitliche Verteilung von Kohlenhydraten und Fetten die Aktivität von mehr als tausend Genen im Unterhautfettgewebe über den Tag hinweg verändert. Betroffen sind vor allem Gene, die Zucker- und Fettstoffwechsel sowie Entzündungsprozesse steuern. Die Ergebnisse erschienen im Fachjournal Food Research International. Der menschliche Stoffwechsel folgt zirkadianen Rhythmen – 24-Stunden-Zyklen, die von der inneren Uhr gesteuert werden. Viele Prozesse wie Zuckeraufnahme, Fettverbrennung oder Hormonfreisetzung schwanken im Tagesverlauf. Werden Nährstoffe außerhalb der biologisch optimalen Zeitfenster aufgenommen, könnte das langfristig Stoffwechselstörungen begünstigen. Das junge Forschungsgebiet der Chrononutrition untersucht genau diese Zusammenhänge, um Essenszeiten gezielt zu optimieren und chronische Erkrankungen wie Adipositas oder Typ-2-Diabetes vorzubeugen. In einer kontrollierten Crossover-Studie… 

Orforglipron übertrifft orales Semaglutid: Lilly präsentiert überlegene Ergebnisse bei Typ-2-Diabetes in Kopf-an-Kopf-Studie

Der orale GLP-1-Rezeptor-Agonist Orforglipron von Eli Lilly hat in der Phase-3-Studie ACHIEVE-3 orales Semaglutid bei der Blutzuckerkontrolle und Gewichtsreduktion deutlich übertroffen. Die Ergebnisse der 52-wöchigen Kopf-an-Kopf-Studie an 1.698 Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes, die mit Metformin unzureichend eingestellt waren, wurden jetzt in The Lancet veröffentlicht. Unter dem primären Endpunkt sank der HbA1c-Wert (A1C) bei Orforglipron 36 mg um 2,2 Prozentpunkte (von Ausgangswert 8,3 %), verglichen mit 1,4 Prozentpunkten unter oralem Semaglutid 14 mg. Auch die niedrigere Dosis Orforglipron 12 mg erreichte mit 1,9 Prozentpunkten eine signifikant stärkere Senkung als Semaglutid 14 mg. Die Überlegenheit zeigte sich bereits nach vier Wochen und hielt über die gesamte Studiendauer an. Beim wichtigen sekundären Endpunkt Gewichtsverlust verloren Teilnehmende unter Orforglipron 36 mg im Mittel 9,2 Prozent ihres Körpergewichts (19,7 Pfund / 8,9 kg), unter Semaglutid 14 mg nur 5,3 Prozent (11,0 Pfund / 5,0 kg) –… 

Medizininformatik-Initiative feiert 10-jähriges Jubiläum

Die Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung (TMF) blickt auf ein bewegtes Jahr 2026 voraus. Im Mittelpunkt steht das 10-jährige Jubiläum der Medizininformatik-Initiative (MII), das vom 24. bis 25. März 2026 mit einem Symposium in Berlin gefeiert wird. Unter dem Motto „Zukunft Gesundheit: Daten nutzen. Vernetzung fördern. Innovation gestalten. Zehn Jahre Medizininformatik-Initiative – Grundlage für Forschung, Versorgung und digitale Souveränität in Europa“ werden Erfolge der vergangenen Dekade bilanziert und Perspektiven für die Zukunft diskutiert. Ein besonderes Highlight: Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt Dorothee Bär wird die Veranstaltung eröffnen. Anmeldungen sind bereits möglich. Parallel dazu hat das Bundesgesundheitsministerium in Berlin ein Update seiner Digitalisierungsstrategie vorgestellt. Auf Bundes- und EU-Ebene laufen mehrere Gesetzgebungsverfahren, die für die Nutzung von Gesundheitsdaten in Forschung und Versorgung entscheidend sind. Die TMF begleitet diese Prozesse aktiv – unter anderem mit fachlichen Stellungnahmen aus der… 

Krankenhausreform bedroht stationäre Versorgung chronischer Schmerzpatienten

Deutschlands führende Schmerz- und Fachgesellschaften warnen vor massiven Einschnitten in der stationären Behandlung chronischer Schmerzen durch die geplante Krankenhausreform. In einem gemeinsamen Brandbrief fordern die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS), der Berufsverband der Schmerztherapeuten Deutschlands (BVSD), die Deutsche Schmerzgesellschaft und die Interdisziplinäre Gesellschaft für Schmerztherapie (IGOST) die Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner (CSU), sich für die Aufnahme einer eigenständigen Leistungsgruppe „Spezielle Schmerzmedizin“ einzusetzen. Ohne diese drohten bis zu 40 Prozent der multimodalen stationären Schmerztherapie-Angebote zu schließen – mit dramatischen Folgen für rund 4,8 Millionen schwer betroffene Patientinnen und Patienten. Die derzeitige Systematik der Leistungsgruppen zwinge schmerzmedizinische Abteilungen, Kriterien fachfremder Bereiche wie Innere Medizin oder Chirurgie zu erfüllen. Das sei medizinisch nicht sinnvoll und wirtschaftlich nicht tragfähig. Erste Abteilungen hätten bereits geschlossen oder stünden vor der Schließung. Die Fachgesellschaften betonen, eine eigene Leistungsgruppe mit bereits etablierten Qualitätskriterien könne sofort bundesweit umgesetzt werden. Sie… 

genOway stellt neues Mausmodell vor: Genauere Vorhersage von Antikörpertherapien beim Menschen

Das französische Biotechnologieunternehmen genOway hat ein innovatives Mausmodell entwickelt, das die Vorhersage der Wirksamkeit und Sicherheit therapeutischer Antikörper beim Menschen deutlich verbessern soll. Das Modell genO-hFc?R humanisiert die Fc?-Rezeptoren – zentrale Bindungspartner von Antikörpern auf Immunzellen – und ermöglicht so realistischere präklinische Tests. Eine Studie in Science Immunology bestätigt das Potenzial des Modells, teure Fehlschläge in späten klinischen Phasen zu reduzieren. Antikörpertherapien revolutionieren die Behandlung von Krebs, entzündlichen Erkrankungen und Infektionen, indem sie gezielt an Fc?-Rezeptoren binden und Immunreaktionen wie antikörpervermittelte Zellzerstörung oder Entzündungsprozesse steuern. Da diese Rezeptoren jedoch artspezifisch unterschiedlich sind, liefern Tests in herkömmlichen Labormäusen oft unzuverlässige Ergebnisse zur Wirksamkeit oder übersehen Sicherheitsrisiken. Das führt zu hohen Ausfallquoten in späten klinischen Studien und verzögert den Zugang zu neuen Therapien. Das genO-hFc?R-Modell löst dieses Problem, indem es mehrere Fc?-Rezeptor-Gene humanisiert. Forscher können damit Kandidaten besser vergleichen, die gezielte Ansprache… 

Welt-HPV-Tag: BIÖG ruft zur frühen Impfung gegen Humane Papillomviren auf

Acht von zehn Menschen in Deutschland infizieren sich im Laufe ihres Lebens mindestens einmal mit Humanen Papillomviren (HPV). Obwohl die meisten Infektionen unbemerkt bleiben und von allein abheilen, verursachen sie jedes Jahr schätzungsweise mehr als 10.000 Krebserkrankungen. Anlässlich des Welt-HPV-Tags am 4. März appelliert das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) an Eltern, ihre Kinder zwischen neun und 14 Jahren gegen HPV impfen zu lassen – den optimalen Zeitpunkt für einen wirksamen Langzeitschutz. HPV gilt als Hauptursache für Gebärmutterhalskrebs, betrifft jedoch auch andere Krebsarten im Mund-Rachen-Raum, im Analbereich sowie an den Genitalien. Die Viren werden meist über kleine Haut- oder Schleimhautverletzungen übertragen und können jahrelang symptomlos im Körper verbleiben, bevor sich erst Jahrzehnte später bösartige Zellveränderungen entwickeln. Eine Impfung schützt gezielt vor den hochrisikoreichen HPV-Typen und verhindert so viele dieser Krebserkrankungen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung für Jungen und… 

Mini-Organe im All: TUD-Projekt ILLUMINATE untersucht Schwerelosigkeitseffekte auf Lebergewebe

Die Technische Universität Dresden (TUD) schickt Mini-Lebern ins Weltall: Im Rahmen des Forschungsprojekts ILLUMINATE untersucht ein Team um Prof. Nils Cordes erstmals Maus-Leberorganoide – im Labor gezüchtete dreidimensionale Mini-Modelle der Leber – unter realen und simulierten Bedingungen der Schwerelosigkeit. Das Experiment ist Teil des Cellbox-Programms des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) mit 280.204 Euro gefördert (Laufzeit: 1. November 2025 bis 31. Oktober 2028). Weltraummissionen belasten den menschlichen Körper durch Mikrogravitation und kosmische Strahlung erheblich. Besonders Immun-, Nerven- und Muskelzellen reagieren sensibel auf diese Umweltbedingungen. Mit zunehmender Dauer von Raumflügen und Plänen für neue Raumstationen gewinnt die Frage an Bedeutung, wie sich Gewebe langfristig anpasst – Erkenntnisse, die nicht nur für Astronautinnen und Astronauten relevant sind, sondern auch neue Impulse für das Verständnis von Stressreaktionen, Gewebealterung und Regenerationsprozessen auf der…