Waffenstopp: Merz auf Kokain
EDITORIAL. Friedrich Merz, der seit Mai 2025 amtierende Bundeskanzler, muss auf Wolke sieben schweben – oder vielleicht auf einer Line rhetorischen Überschwangs, so überdreht wirkt seine jüngste Ankündigung, die Waffenlieferungen an Israel einzustellen. Die Entscheidung, keine Rüstungsgüter mehr zu genehmigen, die im Gazastreifen eingesetzt werden könnten, kommt einer politischen Kehrtwende gleich, die ebenso spektakulär wie fragwürdig ist. Merz, der noch vor Monaten Olaf Scholz für eine vermeintliche Blockade von Waffenlieferungen an Israel attackierte, scheint nun selbst einen Kurswechsel zu vollziehen, der an Realitätsferne grenzt. Seine Begründung: Israels verschärfte Offensive in Gaza und das Leid der Zivilbevölkerung. Doch während er sich als moralischer Kompass inszeniert, wirkt seine Entscheidung wie ein Taktieren unter Druck – ein Schauspiel, das weder realistisch noch politisch durchsetzbar ist. Gleichzeitig verdient Israels Vorgehen in Gaza scharfe Kritik, aber Merz’ Aktionismus gleicht einem überhitzten Trip, der die Substanz…


