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Jugendlicher Cannabiskonsum verdoppelt Risiko für psychotische und bipolare Störungen

Jugendliche, die Cannabis konsumieren, haben ein deutlich erhöhtes Risiko, bis zum jungen Erwachsenenalter an schweren psychischen Erkrankungen zu erkranken. Das zeigt eine große Längsschnittstudie, die am 20. Februar 2026 in JAMA Health Forum erschienen ist. Die Untersuchung folgte 463.396 Jugendlichen im Alter von 13 bis 17 Jahren bis zum Alter von 26 Jahren. Wer im Vorjahr Cannabis konsumiert hatte, wies ein doppelt so hohes Risiko für neu auftretende psychotische Störungen und bipolare Störungen auf. Auch depressive und Angststörungen traten signifikant häufiger auf. Der Cannabiskonsum ging den psychiatrischen Diagnosen im Mittel 1,7 bis 2,3 Jahre voraus. Die Analyse basiert auf elektronischen Patientenakten aus Routineuntersuchungen in der Kinder- und Jugendmedizin zwischen 2016 und 2023. Anders als viele frühere Studien berücksichtigte sie jeglichen selbstberichteten Cannabiskonsum im Vorjahr – nicht nur intensiven Gebrauch oder Abhängigkeit. Selbst nach Berücksichtigung früherer psychischer Erkrankungen und anderer Substanzkonsum… 

Einmalige Toxin-Exposition in der Schwangerschaft erhöht Krankheitsrisiko über 20 Generationen

Eine einmalige Exposition gegenüber einem toxischen Fungizid während der Schwangerschaft kann das Krankheitsrisiko für mehr als 20 nachfolgende Generationen erhöhen – und die vererbten Gesundheitsprobleme verschärfen sich mit zunehmender Generationsentfernung. Das zeigt eine neue Studie der Washington State University an Ratten, die das Verständnis epigenetischer transgenerationaler Vererbung von Krankheiten erheblich erweitert. Die Ergebnisse erschienen am 17. Februar 2026 in den Proceedings of the National Academy of Sciences. Forscher um Biologen Michael Skinner exponierten trächtige Ratten gegenüber Vinclozolin – einem Fungizid, das in der Landwirtschaft gegen Schimmel und Fäulnis eingesetzt wird – in einer Dosierung unterhalb typischer menschlicher Aufnahmemengen durch Ernährung. Die Folgen wurden über 20 Generationen verfolgt. Bereits in früheren Arbeiten hatte Skinners Team gezeigt, dass solche Expositionen Krankheitsrisiken über mindestens zehn Generationen vererben. In der aktuellen Studie blieben Nieren-, Prostata-, Hoden- und Ovarialerkrankungen über alle Generationen erhöht. Ab der… 

Amerika: Syphilis ähnliche Infektionskrankheiten vor 5000 Jahren

Neue Belege aus alter DNA (aDNA) legen nahe, dass Krankheiten, die eng mit Syphilis verwandt sind, bereits vor mehr als 5000 Jahren existierten – und dass ein naher Verwandter der Krankheit seinen Ursprung wahrscheinlich in Amerika hatte, nicht in Europa. Das berichten Anthropologin Molly Zuckerman und ihre Doktorandin Lydia Bailey von der Mississippi State University in einem Kommentar, der am 19. Februar 2026 in Science erschien. Die Forscherinnen stützen sich auf jüngste paläogenomische Funde aus Kolumbien und Mexiko. Diese Entdeckungen verändern langjährige Debatten über die Herkunft und Evolution von Treponema pallidum – dem Erreger der Syphilis – und verwandten Treponematosen wie Frambösie und Bejel. Bislang galt die These, dass Syphilis mit der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus nach Europa gelangte („Kolumbianische Hypothese“). Die neuen aDNA-Daten deuten jedoch darauf hin, dass Treponema-Arten bereits lange vor der europäischen Expansion in präkolumbischen Populationen Amerikas… 

Chemotherapie bei Hodenkrebs birgt anhaltende Nieren- und Herz-Kreislauf-Risiken

Hodenkrebspatienten, die mit modernen cisplatinbasierten Chemotherapien behandelt wurden, tragen Jahrzehnte nach der Therapie ein erhöhtes Risiko für Nierenfunktionsstörungen, Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte und kardiovaskuläre Erkrankungen. Das zeigt die bisher größte real-world-Studie zu Langzeitfolgen zeitgenössischer Behandlungsregime. Die Ergebnisse erschienen am 13. Februar 2026 online im Journal of the National Comprehensive Cancer Network (JNCCN). Die multizentrische Untersuchung umfasste fast 800 Langzeitüberlebende aus acht großen nordamerikanischen Krebszentren, die mehr als zehn Jahre zuvor behandelt worden waren. Verglichen wurden die NCCN-empfohlenen Standardregime: vier Zyklen Etoposid plus Cisplatin (EPx4) sowie drei Zyklen Bleomycin, Etoposid und Cisplatin (BEPx3). Patienten, die EPx4 erhalten hatten, wiesen signifikant höhere Odds für Nierenfunktionsstörungen, Hörverlust und periphere Neuropathie auf als die BEPx3-Gruppe. Insgesamt zeigten fast 41 Prozent aller Überlebenden mindestens eine leichte Nierenfunktionseinschränkung, die stark mit der kumulativen Cisplatin-Dosis korrelierte. Eine reduzierte Nierenfunktion ging wiederum mit erhöhtem Risiko für Hypertonie, Hypercholesterinämie und… 

Zu wenig Schlaf erhöht Vorhofflimmern-Risiko bei Berufstätigen in den 50ern

Zu kurzer Schlaf ist bei Menschen im Alter um die 50 Jahre mit einem deutlich höheren Risiko für Vorhofflimmern (atrial fibrillation, AF) verbunden. Das zeigt eine multizentrische Studie japanischer Forscher unter Leitung der Kumamoto University. Bei Personen im Rentenalter um die 70 Jahre konnte hingegen kein signifikanter Zusammenhang festgestellt werden. Die Untersuchung nutzte eine objektive Methode: Eine Woche lang trugen die Teilnehmer ein Holter-EKG mit integriertem Beschleunigungssensor, das Schlaf und Herzrhythmus kontinuierlich im Alltag erfasste. Analysiert wurden anonymisierte Daten von 36.363 Personen in den 50ern und 70ern – mit und ohne Vorhofflimmern. Bei den 50-Jährigen – dem typischen Höhepunkt der Berufstätigkeit – ging jede zusätzliche Schlafdauer-Minute mit einer messbaren Senkung des AF-Risikos einher. Kürzerer Schlaf war signifikant mit einem höheren Risiko assoziiert. Bei den 70-Jährigen fehlte ein klarer Zusammenhang. Längerer Schlaf reduzierte das Risiko generell, übermäßig langer Schlaf brachte jedoch… 

New England Biolabs präsentiert Neuheiten bei NGS-Probenvorbereitung auf AGBT 2026

New England Biolabs (NEB) stellt auf dem diesjährigen Advances in Genome Biology and Technology (AGBT) Meeting aktuelle Entwicklungen in der Probenvorbereitung für Next-Generation Sequencing (NGS) vor. Als Bronze-Sponsor des Kongresses präsentiert das Unternehmen Fortschritte im NEBNext-Portfolio, darunter Verbesserungen bei RNA-Sequenzierung, Long-Read-Sequenzierung, enzymatischer Methyl-Sequenzierung (EM-seq) sowie Workflows zur Überwachung infektiöser Erkrankungen. Das Treffen findet vom 23. bis 26. Februar 2026 im Signia by Hilton Bonnet Creek Hotel in Orlando, Florida, statt. NEB wird in der Sarasota Suite Präsentationen, Meetings und wissenschaftliche Vorträge abhalten. Zu den Highlights zählt die Einführung von NEBNext UltraShear Long Read – einer neuen enzymatischen Methode zur Fragmentierung von DNA in den Bereich von 2 bis 30 Kilobasen. Die Technologie soll Vorteile im Workflow, höhere Sequenziereffizienz und die Möglichkeit direkter Methylierungserkennung bieten. Weiterhin werden Daten zum kürzlich eingeführten NEBNext Low-bias Small RNA Library Prep Kit vorgestellt. Das Kit… 

IL-23p19-Inhibitor zeigt langfristig stabile Steroid-freie Remission bei Morbus Crohn

Der monoklonale IL-23p19-Antikörper Omvoh (Mirikizumab) ermöglicht bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer aktiver Morbus Crohn eine anhaltende Steroid-freie Remission über drei Jahre. Neue Langzeitdaten aus der Phase-3-Studie VIVID-2, präsentiert am 19. Februar 2026 auf dem ECCO-Kongress in Stockholm, zeigen: Von den Patienten, die nach einem Jahr endoskopisches Ansprechen erreichten und die Therapie fortsetzten, blieben 92,4 Prozent klinisch in Remission und 91,2 Prozent steroidfrei. Zudem erfuhren 82,1 Prozent eine klinisch bedeutsame Besserung der Stuhldrang-Symptomatik (?3-Punkte-Reduktion auf der Urgency Numeric Rating Scale), 71,7 Prozent erreichten einen Score ?2. Die Daten stammen von Patienten, die in der Vorgängerstudie VIVID-1 nach 52 Wochen endoskopisch angesprochen hatten und in der offenen Verlängerung VIVID-2 kontinuierlich mit Omvoh 300 mg subkutan alle vier Wochen behandelt wurden. Auch Entzündungsmarker (CRP, fäkales Calprotectin) blieben langfristig reduziert. Das Sicherheitsprofil über drei Jahre entsprach dem bekannten Muster; häufigste Nebenwirkungen (?5 Prozent)… 

Beyond Borders: Russlands Bioökonomie-Jahr 2026 – Die wichtigsten Biotech-Plattformen von Moskau bis Nowosibirsk

Während sich die globale Biotech-Branche zunehmend in Richtung personalisierter Medizin und grüner Biotechnologie entwickelt, zeigt sich Russland 2026 von seiner strategischsten Seite. Unter dem neu gestarteten nationalen Projekt „Bioeconomics“ wird das Land in diesem Jahr zum Schauplatz einer bemerkenswerten Veranstaltungsdichte. Unser Überblick führt Sie durch die substanziellsten Konferenzen und Ausstellungen – von der politischen Großmachtanalyse in Moskau bis hin zur tiefgehenden bioinformatischen Forschung in Sibirien. Future Technologies Forum: Der strategische Auftakt Termin & Ort: 25.–27. Februar 2026, World Trade Center, Moskau Das Future Technologies Forum (FPB-2026) ist zweifellos die politisch und strategisch bedeutendste Veranstaltung des Jahres. Ursprünglich für den 26.–27. Februar angekündigt, wurde das Programm kürzlich erweitert, so dass die ersten Sessions bereits am 25. Februar beginnen . Unter dem Hauptthema „Bioeconomics for Humans“ dient das Forum als zentrale Plattform zur Umsetzung des gleichnamigen nationalen Projekts. Ziel ist es, den… 

Neue Erkenntnisse zur Epstein-Barr-Virus-Infektion

Forscher des Universitätsklinikums Bonn (UKB) und der Universität Bonn haben erstmals in großem Maßstab Faktoren identifiziert, die den menschlichen Körper bei der Kontrolle der lebenslangen Epstein-Barr-Virus-Infektion (EBV) unterstützen. EBV infiziert 90–95 Prozent der Erwachsenen weltweit und gilt als Risikofaktor für bestimmte Krebsarten (z. B. Hodgkin-Lymphom) sowie Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose. Die Studie, veröffentlicht am 19. Februar 2026 in Nature, nutzt eine innovative Methode, um die EBV-Viruslast aus Genomsequenzierungsdaten großer Biobanken abzuschätzen. Das Team um Prof. Kerstin Ludwig und Dr. Axel Schmidt wertete Daten von 486.315 UK-Biobank-Teilnehmern und 336.123 Personen aus dem US-All-of-Us-Projekt aus. EBV-spezifische DNA-Sequenzen („EBV reads“) fanden sich in 16,2 bzw. 21,8 Prozent der Proben. Diese Reads korrelieren mit einer erhöhten Viruslast – ein Befund, der laborbestätigt wurde. Die Methode nutzt eigentlich für das humane Genom bestimmte Sequenzierungsdaten neuartig, um EBV indirekt zu quantifizieren. Unter nicht-genetischen Faktoren zeigte sich:… 

G-BA sieht keinen Zusatznutzen bei Leqembi – AFI kritisiert Methodik

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat für das Alzheimer-Medikament Leqembi (Lecanemab) keinen belegten Zusatznutzen gegenüber der bisherigen Standardtherapie festgestellt. Die Entscheidung vom Februar 2026 basiert auf der Nutzenbewertung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) aus Dezember 2025. Sie bildet die Grundlage für die anstehenden Preisverhandlungen zwischen gesetzlichen Krankenkassen und Hersteller Eisai, die innerhalb von sechs Monaten zu einem bundesweit geltenden Erstattungsbetrag führen sollen. Leqembi ist das erste in der EU zugelassene monoklonale Antikörper-Präparat gegen die frühe Alzheimer-Erkrankung. Es richtet sich ausschließlich an Patienten mit nachgewiesener Amyloid-Pathologie im Stadium leichter kognitiver Beeinträchtigung (MCI) oder beginnender Demenz. Die Zulassung erfolgte auf Basis der Phase-3-Studie CLARITY AD, die eine moderate Verlangsamung des kognitiven Abbaus um etwa 27 Prozent zeigte. Das Medikament heilt die Erkrankung nicht, sondern zielt darauf ab, den geistigen Verfall zu bremsen und Selbstständigkeit länger zu erhalten. In Deutschland…