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FDA beendet klinische Wirksamkeitsstudien bei Biosimilars

Die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) hat eine neue Entwurfsrichtlinie veröffentlicht, die die Notwendigkeit vergleichender klinischer Wirksamkeitsstudien (CES) bei der Zulassung von Biosimilars weitgehend eliminiert. Diese Maßnahme soll die Entwicklung kostengünstiger Alternativen zu teuren Biologika beschleunigen und die Ausgaben für Medikamente senken. Biologika machen nur fünf Prozent der Rezepte in den USA aus, verursachen jedoch über die Hälfte der gesamten Arzneimittelkosten. Die Richtlinie „Scientific Considerations in Demonstrating Biosimilarity to a Reference Product: Updated Recommendations for Assessing the Need for Comparative Efficacy Studies“ basiert auf Erkenntnissen aus über zehn Jahren Zulassungspraxis seit dem ersten Biosimilar 2015. Sie ermöglicht Entwicklern, auf umfassende analytische Tests zu setzen, anstatt auf zeit- und ressourcenintensive Humanstudien, die durchschnittlich 24 Millionen US-Dollar und 1 bis 3 Jahre dauern. Solche CES bieten selten zusätzliche Sensitivität gegenüber analytischen Bewertungen und sind daher oft redundant. Diese regulatorische Anpassung knüpft… 

CREATE Medicines präsentiert präklinische Daten zu RetroT-Plattform

Das Biotechnologieunternehmen CREATE Medicines, vormals Myeloid Therapeutics, hat auf dem Cold Spring Harbor Laboratory Meeting on Immune Engineering & Cellular Immunotherapy neue präklinische Ergebnisse zu seiner vollständig RNA-basierten Gen-Integrationsplattform RetroT vorgestellt. Die Technologie ermöglicht eine ortsspezifische und dauerhafte Integration therapeutischer Nutzlasten in T-Zellen in vivo, ohne Doppelstrangbrüche, virale Vektoren oder DNA-Vorlagen. RetroT nutzt die natürliche Mobilität des humanen LINE-1-Retrotransposons in Kombination mit einer CRISPR-basierten Nickase, um genetische Payloads präzise in Immunzellen einzubringen. Im Rahmen der Studie wurde ein CD19-CAR-Transgen erfolgreich in menschliche T-Zellen integriert. Die modifizierten Zellen zeigten volle Funktionalität, zielgerichtete Zytotoxizität sowie erhaltene Zellfitness und Phänotyp. Sequenzanalysen bestätigten die exakte Integration ohne nachweisbare Off-Target-Effekte, partielle Insertionen oder genomische Narben. Die Plattform zielt auf eine Reduktion von Off-Target-Risiken und Genotoxizität ab, die bei konventionellen CRISPR/Cas9-Methoden auftreten können. CREATE Medicines entwickelt RetroT als skalierbares System für wiederholte Dosierungen in vivo, unterstützt… 

Bakterielles Stoffwechselprodukt schützt Darm bei Tumortherapien

Patienten nach Bestrahlung oder Stammzelltransplantation leiden oft unter schweren Darmschäden, die Schmerzen verursachen und Behandlungsergebnisse verschlechtern. Eine Studie der LIT-Kooperationsgruppe „Innate Immunstimulation bei Krebs und Transplantationen“ zeigt, dass das bakterielle Stoffwechselprodukt Desaminotyrosin die Darmbarriere schützt, die Regeneration durch Stammzellen fördert und die Immunabwehr gegen Leukämie stärkt. Die Ergebnisse erschienen in Nature Communications. Darmbakterien erzeugen Desaminotyrosin aus pflanzlicher Nahrung und Flavonoiden in Obst und Gemüse. Es stimuliert die Reparatur durch Stammzellen und reguliert Immunreaktionen über Signalwege für Ernährung und Abwehr. Die Studie, geleitet von Doktorand Sascha Göttert, Prof. Hendrik Poeck und Dr. Erik Thiele Orberg am Universitätsklinikum Regensburg, eröffnet Perspektiven für mikrobiombasierte Therapien zur Verbesserung von Regeneration und Ergebnissen nach Transplantationen. Unterstützt wurde die Arbeit vom Sonderforschungsbereich 1371 zur Klärung mikrobieller Signaturen und vom SFB Transregio 221 zur Behandlung von Leukämie und Lymphomen. Höhere Desaminotyrosin-Spiegel korrelierten bei transplantierten Patienten mit besserer… 

Neue Methode berechnet Bewegung unregelmäßiger Nanopartikel

Forscher der Universität Warwick haben eine Methode entwickelt, die erstmals einfach und vorhersagbar die Bewegung unregelmäßig geformter Nanopartikel durch die Luft berechnet. Diese Partikel, darunter Ruß, Staub, Pollen, Mikroplastik und Viren, dringen tief in Lunge und Blutkreislauf ein und tragen zu Erkrankungen wie Herzkrankheiten, Schlaganfall und Krebs bei. Bisherige Modelle nahmen kugelförmige Partikel an, was die Vorhersage realer, oft gefährlicherer Formen erschwert. Die Studie, veröffentlicht in Journal of Fluid Mechanics Rapids, überarbeitet den 100 Jahre alten Cunningham-Korrekturfaktor und verallgemeinert ihn für beliebige Formen. Durch Einführung eines Korrektur-Tensors werden Widerstands- und Reibungskräfte erfasst, ohne empirische Anpassungen. Dies verbessert Modelle für Luftverschmutzung, Krankheitsübertragung, Atmosphärenchemie, Klimamodellierung, Nanotechnologie und Medizin, etwa bei der Ausbreitung von Schadstoffen oder Vulkanasche. Die School of Engineering investiert in eine neue Aerosol-Erzeugungsanlage, um reale Partikel zu testen und die Methode zu validieren. Original Paper: A correction tensor for approximating… 

Dr. Carolina Klett-Tammen, stellvertretende Leiterin der Klinischen Epidemiologie in der Abteilung „ ... Quelle: Verena Meier Copyright: HZI/Verena Meier

Interview: „Bei zwanzig Prozent der Menschen ist eine erinnerte Polioimpfung nicht im Impfpass dokumentiert“

Die Poliomyelitis, auch bekannt als Kinderlähmung, ist eine ansteckende Krankheit, die durch das Poliovirus verursacht wird. Durch die Entwicklung wirksamer Impfstoffe konnte das Poliovirus weit zurückgedrängt werden und war 2024 nur noch in zwei Ländern endemisch. Bis das Virus weltweit ausgerottet ist, ist aber auch in Deutschland ein Impfschutz wichtig, da das Virus jederzeit wieder eingeschleppt werden könnte. Epidemiolog:innen des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) haben nun gezeigt, dass viele Menschen ihren Impfstatus nicht kennen und nicht aus ihrem Impfpass ablesen können. Dr. Carolina Klett-Tammen, stellvertretende Leiterin der Klinischen Epidemiologie in der Abteilung „Epidemiologie“ des HZI, spricht im Interview anlässlich des Welt-Poliotags am 24. Oktober über die Studienergebnisse, die im Fachjournal BMC Public Health erschienen sind. In Deutschland sind seit mehr als 30 Jahren keine Poliofälle aufgetreten. Was hat euch bewogen, euch mit dem Polioimpfschutz in Deutschland zu beschäftigen? Carolina Klett-Tammen:… 

Lorenz Herrmann leitet das Empa-Departement «Moderne Materialien und Oberflächen». Quelle: Marion Nitsch Copyright: Empa

Die Schweiz im Weltraum: „Wir brauchen eine gewisse kritische Masse“

Von der Umweltbeobachtung bis hin zur künftigen Mondbasis: Innovative Materialien, Prozesse und Modelle sind unabdingbar für die Raumfahrt. Lorenz Herrmann, Direktionsmitglied der Empa und Leiter des Departements «Moderne Materialien und Oberflächen», erklärt im Interview, wie die Stärken der Empa die Schweizer Raumfahrtindustrie stärken können und warum Zusammenarbeit zentral bleibt. Was hat die Empa als Materialforschungsinstitut im All verloren? Zum einen sind wir bereits seit längerem führend in der Umweltmodellierung und -analytik. Sprich: Wir verknüpfen Beobachtung und Messung von gewissen Gasen aus dem All, etwa Treibhausgase oder Luftschadstoffe, mit hochsensitiver Umweltanalytik und atmosphärischer Modellierung. Und zum anderen steht die Empa natürlich für neuartige Materialien und innovative Produktionstechnologien – in diesem Zusammenhang eben für das Anwendungsfeld «Space Equipment», etwa Satelliten, Komponenten für Weltraumstationen und Forschungsgeräte für wissenschaftliche Missionen. Und all das muss natürlich über Jahre hinweg unter extremen Bedingungen wartungsfrei funktionieren. Das… 

Medizinische Fachgesellschaften im Visier: Pharma-Lobbyismus und politische Skandale

Die deutsche Gesundheitspolitik steht vor einem Paradoxon: Während medizinische Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) oder die American Medical Association (AMA) als unabhängige Wächter der evidenzbasierten Medizin gelten, werfen Berichte und Gerichtsunterlagen einen Schatten auf ihre Finanzierung und Entscheidungsprozesse. Pharma-Konzerne wie Purdue Pharma, Roche oder Eli Lilly investieren Millionen in diese Organisationen – oft mit dem Ziel, Leitlinien, Fortbildungen und politische Positionen zu beeinflussen. Dies führt nicht nur zu Verharmlosung von Risiken, sondern zu echten politischen Skandalen, die Patientensicherheit und Steuergelder gefährden. Basierend auf verifizierten Dokumenten und Untersuchungen beleuchtet dieser Bericht die Verflechtungen und ihre Konsequenzen. Die Rolle der Fachgesellschaften: Brücke zwischen Wissenschaft und Industrie Medizinische Fachgesellschaften wie die DGK, die mit über 12.000 Mitgliedern die größte kardiologische Organisation Europas ist, entwickeln Leitlinien, die Ärzte weltweit leiten. Ähnlich agiert die AMA als „vereinigte Stimme“ US-amerikanischer Mediziner. Doch Kritiker… 

FAQ: Die Übernahme von LADR durch Sonic Healthcare

1. Was ist LADR und warum ist die Übernahme relevant? LADR (Laborgruppe Dr. Kramer & Kollegen) ist eine der führenden unabhängigen Laborgruppen in Deutschland mit Sitz in Geesthacht. Sie betreibt über 50 Labore, hauptsächlich in Norddeutschland, und ist auch in Polen sowie mit einer Beteiligung in Finnland vertreten. Mit rund 2.800 Mitarbeitern generierte LADR im Jahr 2024 einen Umsatz von etwa 370 Millionen Euro. Die Übernahme durch Sonic Healthcare, einen globalen Anbieter von Diagnostikdienstleistungen, stärkt die Position des australischen Konzerns in Europa und unterstreicht den Trend zu größeren Laborkonzernen in Deutschland. 2. Wer ist Sonic Healthcare? Sonic Healthcare ist ein weltweit führender Anbieter medizinischer Diagnostikleistungen mit Hauptsitz in Sydney, Australien. Der Konzern ist in Bereichen wie Labormedizin, Pathologie, Radiologie und Primärversorgung tätig und beschäftigt etwa 37.000 Mitarbeiter in Ländern wie Australien, Neuseeland, Großbritannien, der Schweiz, Belgien, den USA und Deutschland.… 

China nimmt Roche und Cobas ins Visier

Die Polymerase-Kettenreaktion (PCR) stellt eine der grundlegendsten Technologien in der Molekulardiagnostik dar und hat sich seit ihrer Erfindung zu einem Eckpfeiler in der Erkennung von Infektionskrankheiten, onkologischen Markern und genetischen Abnormitäten entwickelt. Roche, ein Schweizer Pharmakonzern, dominiert diesen Sektor mit seinem Cobas-System, das für seine hohe Automatisierung, Zuverlässigkeit und Integration in klinische Workflows bekannt ist. Das Cobas-System umfasst eine Reihe automatisierter Plattformen wie den Cobas 5800, 6800 und 8800, die bis zu 1.600 Proben pro Schicht verarbeiten und eine breite Palette an Assays für Virenlastbestimmungen (z. B. HIV, Hepatitis) sowie Pathogenerkennung bieten. Diese Systeme profitieren von Roches etabliertem Ökosystem, das von der Probenvorbereitung bis zur Ergebnisauswertung reicht und in etablierten Märkten wie Nordamerika und Europa eine starke Präsenz hat. Dennoch steht Roche zunehmend unter Druck durch aufstrebende chinesische Hersteller, die durch aggressive Preisstrategien, staatliche Förderung und schnelle Innovationen in den… 

Dr. Ruth Bieringer (Foto: Freudenberg Sealing Technologies)

Dr. Ruth Bieringer wird GDCh-Präsidentin

Dr. Ruth Bieringer, Vice President Technology & Innovation – Material Technology bei Freudenberg Sealing Technologies, übernimmt ab 1. Januar 2026 die Präsidentschaft der Gesellschaft Deutscher Chemiker. In ihrer zweijährigen Amtszeit plant sie die Intensivierung des Dialogs mit politischen Entscheidungsträgern und den Einsatz für faktenbasierte wissenschaftliche Informationen. Bieringer wurde am 1. Oktober 2025 vom Vorstand gewählt und folgt auf Prof. Dr. Stefanie Dehnen vom Karlsruher Institut für Technologie. Stellvertretende Präsidentinnen werden Dr. Carla Seidel von BASF und Dr. Susanne Rehn-Taube vom Deutschen Museum München. Dem Präsidium gehören weiter Dr. Franz von Nussbaum als Schatzmeister und im ersten Jahr Stefanie Dehnen als Immediate Past President an. Die Präsidentin betont die Rolle der Wissenschaft bei gesellschaftlichen Herausforderungen und die Notwendigkeit belastbarer Erkenntnisse für politische Entscheidungen, insbesondere durch Chemiker. Bieringer, geboren 1971, studierte Chemie in Mainz und promovierte 1999 in Bayreuth in Polymerchemie. Ihre…