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NfL (Neurofilament Light Chain) – ein wichtiger Biomarker für neuronale Schädigung

NfL (Neurofilament Light Chain) ist ein Strukturprotein der Nervenzellen (Neuronen), genauer der Axone im zentralen und peripheren Nervensystem. Es gehört zu den Neurofilamenten, die den Axonen Stabilität verleihen und für deren radiales Wachstum wichtig sind.

Bei Schädigung oder Untergang von Nervenzellen (neuroaxonaler Schaden) wird NfL freigesetzt und kann im Liquor (Nervenwasser) sowie im Blut (Serum/Plasma) nachgewiesen werden. Moderne hochsensitive Tests (z. B. auf Siemens Atellica, Roche, Fujirebio oder Quanterix-Plattformen) ermöglichen die Messung im Blut – ein großer praktischer Vorteil gegenüber der früher notwendigen Liquorpunktion.

Wichtige Eigenschaften von NfL

  • Unspezifisch, aber hoch sensitiv: Erhöhte Werte zeigen neuronale Schädigung an, unabhängig von der genauen Ursache.
  • Altersabhängig: Die Konzentration steigt mit dem Alter auch bei gesunden Personen leicht an.
  • Gut messbar: Blut-NfL korreliert stark mit Liquor-NfL und bildet eine zuverlässige Alternative zur invasiven Liquordiagnostik.

Klinische Anwendungen (Stand 2026)

NfL hat sich vor allem in folgenden Bereichen etabliert oder wird intensiv untersucht:

  1. Multiple Sklerose (MS)
  • Starke Korrelation mit Krankheitsaktivität (neue oder vergrößerte MRT-Läsionen).
  • Prognostischer Wert: Höhere Werte sagen Schübe, Behinderungsprogression und Hirnatrophie besser voraus.
  • Therapiemonitoring: Abfall unter wirksamer Therapie zeigt Behandlungserfolg.
  • Siemens Healthineers bietet einen CE-zertifizierten Atellica IM NfL-Assay speziell zur Risikoeinschätzung zukünftiger MS-Aktivität bei Patienten mit schubförmiger MS.
  1. Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)
  • Sehr hohe NfL-Werte bei schneller Progredienz.
  • Prognostischer Marker: Hilft, den Verlauf und die Überlebenszeit abzuschätzen.
  • Potenzial als Surrogatmarker in Therapiestudien (z. B. bei Tofersen-Zulassung berücksichtigt).
  1. Andere neurodegenerative Erkrankungen
  • Alzheimer-Krankheit und andere Demenzen: Hilft, neurodegenerative von nicht-neurodegenerativen Ursachen kognitiven Abbaus zu unterscheiden.
  • Parkinson-Krankheit und atypische Parkinson-Syndrome: Unterstützt die Differenzialdiagnose.
  • Frontotemporale Demenz, Huntington-Krankheit u. a.
  1. Weitere Indikationen
  • Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma, hypoxische Hirnschädigung nach Herzstillstand.
  • ZNS-Infektionen und entzündliche Erkrankungen.

Vorteile von NfL als Biomarker

  • Nicht-invasiv (Blutentnahme reicht in den meisten Fällen).
  • Wiederholbar und dynamisch (gute Verlaufsbeobachtung möglich).
  • Ergänzt MRT und klinische Untersuchung, kann subklinische Aktivität aufzeigen.
  • In klinischen Studien zunehmend als Surrogat- oder Pharmakodynamik-Marker genutzt.

Einschränkungen

  • Unspezifität: Erhöhte Werte allein erlauben keine spezifische Diagnose – immer Kombination mit Klinik, MRT und anderen Befunden notwendig.
  • Beeinflussende Faktoren: Alter, Nierenfunktion, Komorbiditäten (z. B. Diabetes) und akute Ereignisse können die Werte verändern.
  • Normwerte sind alters- und assay-abhängig; klare Cut-offs werden noch weiter validiert.

Bedeutung im Laboralltag

Im Rahmen von Veranstaltungen wie dem Atellica Round Table von Siemens Healthineers wird NfL als Beispiel für neue Biomarker in der neurologischen Diagnostik vorgestellt. Die automatisierte Messung auf Plattformen wie Atellica IM ermöglicht eine schnelle, reproduzierbare Integration in den Routinebetrieb von Krankenhauslaboren.

Zusammenfassend gilt NfL derzeit als einer der vielversprechendsten Blut-Biomarker für neuronale Schädigung. Er unterstützt vor allem die Prognose, das Therapiemonitoring und die Risikostratifizierung bei Erkrankungen wie MS und ALS und trägt dazu bei, neurologische Prozesse früher und objektiver einzuschätzen. Die Forschung zur klinischen Einordnung schreitet rasch voran.

NfL (Neurofilament Light Chain) – ein wichtiger Biomarker für neuronale Schädigung. Copyright: LabNew Media LLC

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