Eine internationale Forschergruppe unter Beteiligung der Icahn School of Medicine at Mount Sinai hat einen zentralen biologischen Mechanismus entdeckt, der erklärt, warum Neurodermitis (atopische Dermatitis) vor allem in der frühen Kindheit auftritt. Die Studie zeigt, dass bestimmte Immunzellen in der jungen Haut besonders reaktiv auf Allergene reagieren – ein Effekt, der im Erwachsenenalter deutlich abnimmt. Die Ergebnisse erschienen am 25. Februar 2026 in Nature.
Neurodermitis betrifft fast jedes vierte Kind und tritt meist bereits in den ersten Lebensjahren auf. Sie gilt häufig als Einstiegserkrankung in die sogenannte atopische Marsch, bei der später Asthma oder Nahrungsmittelallergien hinzukommen können. Warum die Haut in der Kindheit so anfällig ist, war bislang unklar.
Die Forschenden untersuchten junge Mäuse und menschliche Hautproben und fanden heraus, dass dendritische Zellen – wichtige Immunzellen der Haut – in der frühen Lebensphase deutlich stärker auf harmlose Allergene wie Hausstaubmilben oder Schimmelpilze reagieren als im Erwachsenenalter. Diese Überreaktion löst eine starke Entzündung aus. Im erwachsenen Gewebe fehlt diese extreme Sensibilität.
Ein weiterer Faktor ist ein Mangel an Stresshormonen in der frühen Kindheit, die normalerweise überschießende Immunreaktionen dämpfen. Bei Blockade des überaktiven Signalwegs in jungen Mäusen blieb die allergische Hautentzündung aus. Ähnliche Immunmuster fanden sich in Hautproben von Kindern mit früh beginnender Neurodermitis, nicht jedoch bei Erwachsenen.
„Die Allergiebereitschaft wird sehr früh geprägt, wenn das Immunsystem der Haut biologisch darauf programmiert ist, auf Allergene überzureagieren“, sagte Seniorautorin Shruti Naik von der Icahn School of Medicine. „Das erklärt, warum Neurodermitis so oft in der Kindheit beginnt und warum sie den Weg für weitere allergische Erkrankungen ebnet.“
Co-Autorin Emma Guttman-Yassky betonte die Bedeutung der engen Zusammenarbeit zwischen Klinik und Forschung: „Durch die Untersuchung der Erkrankung dort, wo sie tatsächlich entsteht – in der frühen Kindheit – haben wir Immunmechanismen entdeckt, die in Erwachsenenmodellen nicht sichtbar werden.“
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die frühe Kindheit ein kritisches Zeitfenster für allergische Hauterkrankungen darstellt. Die Forscher planen nun Strategien, um diesen überaktiven Immunweg gezielt zu blockieren und so die Entstehung von Neurodermitis und nachfolgender atopischer Erkrankungen zu verhindern.
„Kinder sind immunologisch keine kleinen Erwachsenen“, sagte Naik. „Ihr Immunsystem folgt eigenen Regeln. Diese Unterschiede zu verstehen, ist entscheidend, um allergische und immunvermittelte Erkrankungen, die in der Kindheit beginnen, zu verhindern.“
Nature
