Zum Inhalt springen
Home » Neue Erkenntnisse verändern die Strategien zur RSV-Prävention

Neue Erkenntnisse verändern die Strategien zur RSV-Prävention

Weltweit verursacht RSV jedes Jahr Millionen von Atemwegsinfektionen und ist für einen Großteil der Krankenhausaufenthalte und Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren verantwortlich, wobei das höchste Risiko bei Säuglingen unter sechs Monaten liegt. Die Krankheitslast ist besonders ausgeprägt in Regionen mit niedrigem und mittlerem Einkommen, wo der begrenzte Zugang zur Gesundheitsversorgung und saisonale Spitzenbelastungen die pädiatrischen Dienste erheblich belasten. Obwohl die meisten schweren Fälle bei gesunden Säuglingen auftreten, beschränkten sich die Präventionsmöglichkeiten bisher auf Hochrisikogruppen. Jüngste Fortschritte bei Impfstoffen für Schwangere und langwirksamen monoklonalen Antikörpern haben den Anwendungsbereich der RSV-Prävention erweitert, aber es bleiben Fragen hinsichtlich des optimalen Zeitpunkts, der Sicherheit, der Schutzdauer und der Umsetzung in der Praxis offen. Angesichts dieser Herausforderungen besteht ein klarer Bedarf an umfassender Forschung zu integrierten Strategien zur Immunprävention von RSV. Im November 2025 veröffentlichte die Mexikanische Vereinigung für Pädiatrie in Zusammenarbeit mit einem multidisziplinären nationalen Gremium aus Kinderärzten, Neonatologen, Infektionskrankheitsspezialisten und Geburtshelfern eine umfassende Stellungnahme (DOI: 10.1007/s12519-025-00997-1) eine umfassende Stellungnahme im World Journal of Pediatrics veröffentlicht. Das Dokument fasst klinische Studien, Studien zur Wirksamkeit in der Praxis und internationale politische Erfahrungen zusammen, um die RSV-Impfung von Müttern während der Schwangerschaft und die passive Immunisierung von Säuglingen mit langwirksamen monoklonalen Antikörpern zu bewerten. Durch die systematische Auseinandersetzung mit Wirksamkeit, Sicherheit, optimalem Zeitpunkt und Herausforderungen bei der Umsetzung bietet die Stellungnahme evidenzbasierte Leitlinien, die darauf abzielen, schwere RSV-Erkrankungen und Krankenhausaufenthalte bei Säuglingen in ganz Lateinamerika zu reduzieren.

Der Konsens untersuchte systematisch die Evidenz aus randomisierten klinischen Studien, Beobachtungsstudien und Daten aus Programmen in der Praxis, um zwei wichtige Strategien zur RSV-Prävention zu bewerten. Erstens zeigte die Immunisierung von Müttern mit einem RSV-Impfstoff mit präfusions-F-Protein eine hohe Wirksamkeit bei der Prävention schwerer RSV-bedingter Infektionen der unteren Atemwege bei Säuglingen in den ersten sechs Lebensmonaten. Klinische Studien berichteten von einem Schutz von über 80 % während der ersten drei Monate, mit anhaltendem Nutzen bis zu sechs Monaten, unterstützt durch einen effizienten transplazentaren Antikörpertransfer in der späten Schwangerschaft. Große Studien aus der Praxis bestätigten darüber hinaus eine erhebliche Verringerung der Krankenhausaufenthalte von Säuglingen und schwerer Erkrankungen.

Zweitens verlieh der langwirksame monoklonale Antikörper Nirsevimab Säuglingen eine direkte passive Immunität und erzielte eine Wirksamkeit von 75 % bis 85 % gegen RSV-Krankenhausaufenthalte in verschiedenen Populationen, darunter gesunde Vollzeit- und Frühgeborene. Die Daten deuteten darauf hin, dass eine Einzeldosis ausreichte, um eine gesamte RSV-Saison abzudecken, mit günstigen Sicherheitsprofilen und einer signifikanten Verringerung der Einweisungen auf die Intensivstation.

Wichtig ist, dass die Analyse klarstellte, dass eine routinemäßige gleichzeitige Verabreichung von mütterlichen Impfungen und monoklonalen Antikörpern im Allgemeinen nicht erforderlich ist, außer in bestimmten Situationen, in denen die Antikörperübertragung beeinträchtigt sein könnte. Zusammengenommen unterstützen diese Ergebnisse flexible, evidenzbasierte Präventionsmaßnahmen, die an die lokale Epidemiologie, die Kapazitäten des Gesundheitswesens und wirtschaftliche Erwägungen angepasst werden können.

Nach Ansicht des Expertengremiums ist die RSV-Prävention in eine transformative Phase eingetreten. „Zum ersten Mal verfügen wir über wirksame Instrumente, mit denen Säuglinge in den Monaten, in denen sie am anfälligsten sind, geschützt werden können“, so die Autoren. Sie betonen, dass sowohl die Impfung der Mutter als auch langwirksame monoklonale Antikörper bei sachgemäßer Anwendung ein gutes Nutzen-Risiko-Profil aufweisen. Die Experten heben hervor, dass es entscheidend ist, den Zeitpunkt der Impfung auf die biologischen Mechanismen der Antikörperübertragung abzustimmen, und dass Präventionsstrategien an die nationalen Gegebenheiten im Gesundheitswesen angepasst werden müssen, um eine maximale Wirkung auf die öffentliche Gesundheit zu erzielen.

Diese Erkenntnisse haben erhebliche Auswirkungen sowohl auf die Gesundheitspolitik als auch auf die klinische Praxis. Die Einführung von RSV-Impfprogrammen für Mütter oder monoklonalen Antikörperprogrammen für Säuglinge kann die Zahl der Krankenhausaufenthalte, die Gesundheitskosten und die Säuglingssterblichkeit im Zusammenhang mit RSV deutlich senken. Die Erkenntnisse sprechen dafür, der Prävention in den ersten sechs Lebensmonaten, in denen die Krankheit am schwersten verläuft, Vorrang einzuräumen. In Regionen mit mittlerem Einkommen kann die Impfung von Müttern einen besonders praktikablen und kostengünstigen Ansatz darstellen, während monoklonale Antikörper eine wichtige Alternative für Säuglinge bieten, die keinen pränatalen Schutz erhalten. Zusammen bieten diese Strategien einen skalierbaren Weg zur Verringerung der globalen Belastung durch RSV und zur Stärkung der Gesundheit der Atemwege in den ersten Lebensjahren.

Referenzen

DOI

10.1007/s12519-025-00997-1