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Neue Ära der Adipositas-Therapie: Abnehmspritzen im Fokus

Die sogenannten Abnehmspritzen haben sich zu einem der meistdiskutierten Themen in der Medizin entwickelt, wie die aktuelle Ausgabe des Gesundheitsmagazins Apotheken Umschau (8A/2025) berichtet. Diese Medikamente, ursprünglich zur Behandlung von Typ-2-Diabetes entwickelt, sind längst ein Hoffnungsträger in der Adipositas-Therapie. Weltweit arbeiten Forschungsteams, unter anderem am Helmholtz-Zentrum, an neuen Wirkstoffen, die das Potenzial haben, die Behandlung von starkem Übergewicht weiter zu revolutionieren.

Die Wirkstoffe, sogenannte GLP-1-Rezeptor-Agonisten, imitieren körpereigene Darmhormone wie GLP-1 (Glucagon-like Peptide-1), die bei der Nahrungsaufnahme ausgeschüttet werden. Sie fördern die Insulinausschüttung, verlangsamen die Magenentleerung und reduzieren den Appetit. Was als Nebenwirkung begann, ist heute die Hauptwirkung: eine deutliche Gewichtsreduktion. So führt Semaglutid (Wegovy, Ozempic) in Studien zu einem Gewichtsverlust von etwa 15 Prozent innerhalb eines Jahres, während Tirzepatid (Mounjaro) sogar bis zu 20 Prozent erreicht. Neue Kandidaten wie Retatrutid, ein Triple-Agonist, der zusätzlich an Glukagon- und GIP-Rezeptoren wirkt, zeigen noch beeindruckendere Ergebnisse mit durchschnittlich 24 Prozent Gewichtsverlust in 48 Wochen. Auch die orale Abnehmpille Orforglipron, die voraussichtlich 2026 zugelassen wird, verspricht mit etwa 15 Prozent Gewichtsverlust neue Möglichkeiten.

Trotz dieser Erfolge bleibt die Adipositas-Epidemie eine gesellschaftliche Herausforderung. Der US-amerikanische Hormonforscher Prof. Dr. Robert Lustig betont, dass die Medikamente lediglich symptomatisch wirken: „Die Medikamente wirken nur wie ein Pflaster.“ Studien zeigen, dass etwa ein Drittel der Patienten die Therapie innerhalb eines Jahres abbricht und anschließend das verlorene Gewicht oft wieder zulegt, teils sogar mehr. Ohne begleitende Änderungen im Lebensstil bleibt der Erfolg begrenzt. Zudem sind die Kosten – bis zu 300 Euro monatlich für Semaglutid und 500 Euro für Tirzepatid – eine Hürde, da Krankenkassen die Behandlung bei Adipositas meist nicht übernehmen.

Die Forschung bleibt dynamisch: Weltweit werden Dutzende neuer Wirkstoffe entwickelt, die unterschiedliche Rezeptoren kombinieren oder neue Verabreichungsformen wie Tabletten anstreben. Dennoch betonen Experten, dass Prävention und eine multimodale Therapie, bestehend aus Ernährungsumstellung, Bewegung und Verhaltensänderung, unverzichtbar bleiben, um die Adipositas-Epidemie nachhaltig zu bekämpfen.

Ein persönlicher Einblick kommt von Apotheken Umschau-Chefredakteur Dr. Dennis Ballwieser, der selbst eine Abnehmspritze testet und seine Erfahrungen in der aktuellen Ausgabe teilt. Weitere Informationen zur Adipositas-Therapie sind auf www.apotheken-umschau.de verfügbar.