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Nervenschäden bei Diabetes hängen vom Diagnosezeitpunkt ab

Eine Langzeitstudie des Deutschen Diabetes-Zentrums (DDZ) zeigt, dass bei gut eingestelltem Typ-2-Diabetes der Abbau der Nervenfunktion nicht schneller fortschreitet als bei gesunden Menschen. Entscheidend für das Auftreten von diabetischer Polyneuropathie ist der Zustand der Nerven zum Zeitpunkt der Diagnose. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der Früherkennung und Prävention von Diabetes-Vorstufen.

Diabetische Polyneuropathie, eine häufige Komplikation bei Diabetes, betrifft vor allem die peripheren Nerven an Füßen und Beinen. Sie führt zu Symptomen wie Gefühlsverlust, Taubheit, Kribbeln, Schmerzen oder Muskelschwäche und erhöht das Risiko für Fußwunden und Amputationen. Auslöser sind chronisch erhöhte Blutglukosewerte sowie Risikofaktoren wie Übergewicht, Bluthochdruck und erhöhte Blutfettwerte. Eine ursächliche Therapie, die den Schaden aufhält oder rückgängig macht, gibt es bislang nicht; die Behandlung konzentriert sich auf Symptomlinderung.

Die Studie, geleitet von Dr. Alexander Strom und Dr. Gidon Bönhof, untersuchte über zehn Jahre mehr als 140 Menschen mit neu diagnostiziertem, gut kontrolliertem Typ-2-Diabetes und verglich deren Nervenfunktionen mit einer gesunden Kontrollgruppe. Die Nervenleitgeschwindigkeit, ein zentraler Marker für Nervenschäden, zeigte in beiden Gruppen einen ähnlichen Rückgang. Dies deutet darauf hin, dass bei optimaler Blutzuckereinstellung keine beschleunigte Verschlechterung der Nervenfunktion eintritt. Entscheidend ist jedoch der Zustand der Nerven bei der Diagnose: Bereits vorliegende Schäden, oft durch eine über Jahre unentdeckte Erkrankung verursacht, bestimmen das Risiko für spätere Neuropathien.

Die Ergebnisse erklären, warum viele Therapieansätze bei bestehender Neuropathie wirkungslos bleiben, und betonen die Notwendigkeit, Typ-2-Diabetes frühzeitig zu erkennen. Im Gegensatz zu Typ-1-Diabetes, der meist schnell diagnostiziert wird, bleibt Typ-2-Diabetes oft lange unbemerkt, was zu irreversiblen Nervenschäden führt, bevor die Behandlung beginnt.

Ein entwickeltes Prognose-Tool könnte künftig helfen, den Verlauf der Nervenfunktion bei Diabetes-Patienten vorherzusagen. Basierend auf Alter und Ausgangsbefund schätzt es ein, wann die Nervenfunktion kritische Schwellenwerte unterschreitet, vorausgesetzt, der Diabetes bleibt gut eingestellt. Dies ermöglicht die frühzeitige Identifikation von Hochrisikopatienten und gezielte präventive Maßnahmen.

Die Deutsche Diabetes Studie, an der das DDZ federführend beteiligt ist, beobachtet Patienten mit neu diagnostiziertem Diabetes über sieben Jahre an sieben Standorten deutschlandweit. Sie untersucht Frühwarnzeichen für Komplikationen, vergleicht Therapien und analysiert genetische Einflüsse, um die Behandlung und Prävention von Diabetes-Folgeerkrankungen zu verbessern.

Original Paper:

Changes Over 10 Years in Peripheral Nerve Function in People With Well-Controlled Type 2 Diabetes and Those With Normal Glucose Tolerance | Neurology