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Nationaler Strategieplan Labormedizin der DGKL verständlich erklärt

Credits: LabNews Media LLC.

Er soll die Labormedizin und damit das gesamte Gesundheitssystem in Deutschland gegen Sabotageakte, kommende Pandemien und Cyberangriffe schützen: Der Nationale Strategieplan Labormedizin der Deutschen Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin (DGKL). LabNews hat sich das Papier im Detail angeschaut – und bewertet es als disruptive Wende in der Sicherheitsarchitektur der kritischen Infrastrukturen des Landes.

„Fakt ist, dass Labore als absolut kritische Infrastruktur besser geschützt werden müssen“, erklärt dazu Jan Wolter, Bevollmächtigter des DGKL-Präsidiums. Dieser Schutz müsse finanziert werden, wodurch die Labore zusätzliche Mittel benötigten. Eine Möglichkeit wäre die Einführung eines sogenannten Cyber-Cent: die Vergütung der einzelnen Laborleistung plus jeweils einen Centbetrag. „Das wäre eine einfache und unbürokratische Möglichkeit“, meint Wolter. Zudem müsse der Cyber-Cent nicht zwingend direkt an die Labore gehen, sondern könne auch in einen Cyber-Security-Investitionsfond fließen.

Ein weiterer Kernpunkt des Papiers ist die systematische Einbindung der Labormedizin in nationale Krisenstrukturen. Der Aufbau von Reservekapazitäten für kritische Diagnostikprodukte und die „Sicherstellung der Versorgung mit wichtigen Reagenzien und Verbrauchsmaterialien durch strategische Partnerschaften mit Herstellern“ bilden daher einen weiteren wesentlichen Aspekt der vorgestellten nationalen Strategie. So könne der „Aufbau nationaler Produktionskapazitäten für diagnostische Schlüsselprodukte“ dazu dienen, Abhängigkeiten von internationalen Lieferketten zu reduzieren.

Für die Umsetzung dieser Ziele sei die Einrichtung einer Koordinierungsstelle „Labormedizin der Zukunft“ beim Bundesgesundheitsministerium nötig, heißt es im Strategiepapier. Diese solle in enger Zusammenarbeit mit der DGKL als deutschlandweit einziger Fachgesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin die Implementierung der Maßnahmen steuern und überwachen. Darüber hinaus sei die Labormedizin ein systemrelevanter Bereich des Gesundheitswesens: Sie trägt mit einem Anteil von mehr als 70 Prozent zur ärztlichen Diagnostik bei.  

Credits: LabNews Media LLC.
Credits: LabNews Media LLC.

Besonders beachtenswert ist der Ansatz im stationören Bereich. Labormedizinische Leistungen sollen dem Strategieplan zufolge nicht mehr über die derzeit üblichen Fallpauschalen abgedeckt werden, sondern als eigene Leistungen separat vergütet werden. Der Vorteil: Ärztinnen und Ärzte müssten bei Diagnosen nicht mehr nach rein ökonomischen Gründen vorgehen – sondern könnten Laboruntersuchungen nach medizinischer Indikation durchführen.

Der Strategieplan ist zudem eine Steilvorlage für die kommende Bundesregierung und den Bundesgesundheitsminister in spe. Denn wer auch immer in Berlin nach den Bundestagswahlen 2025 regiert – man wird im Falle von Sabotage, Terrorangriffen und Cyberangriffen auf das deutsche Gesundheitswesen nicht mehr sagen können, vollkommen unvorbereitet auf derartige globale Krisen gewesen zu sein. Das Positionsappier der DGKL wird Ausreden der Politik unmöglich machen.

Das Positionspapier finden Sie an dieser Stelle zum Download