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NAILIt: KI lernt von Tiergehirnen für flexible Anpassung

Mannheim, 5. Dezember 2025 – Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt fördert das Projekt NAILIt mit 1,6 Millionen Euro über drei Jahre. Unter Leitung des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim untersuchen Forscher, wie Lernprozesse von Tiergehirnen Künstliche Intelligenz (KI) flexibler und effizienter machen können. Partner sind das Hector Institut für Künstliche Intelligenz in der Psychiatrie, das Interdisziplinäre Zentrum für Wissenschaftliches Rechnen der Universität Heidelberg und das Centrum für Integrative Physiologie und Molekulare Medizin der Universität des Saarlandes.

Hintergrund: Grenzen aktueller KI-Modelle
Aktuelle KI-Systeme, wie große Sprachmodelle, werden auf riesigen Datensätzen trainiert, sind aber wenig anpassungsfähig an neue oder unvorhergesehene Situationen. Im Gegensatz dazu passen sich Tiergehirne schnell und effizient an veränderte Umgebungen an, etwa bei neuen Aufgaben. Diese Flexibilität ist für KI-Anwendungen wie autonome Fahrzeuge oder interaktive Systeme entscheidend. NAILIt zielt darauf ab, biologische Lernprinzipien auf KI zu übertragen, um Modelle zu entwickeln, die sich in Echtzeit anpassen, ohne umfassendes Retraining.

Forschungsansatz: Neurobiologie trifft KI
Das Projekt nutzt fortschrittliche KI-Werkzeuge zur Rekonstruktion dynamischer Systeme (DSR), um aus neuronalen und Verhaltensdaten generative Modelle des flexiblen Lernens zu erstellen. Diese Modelle zeigen, wie Gehirne Informationen in dynamischen Umgebungen verarbeiten. Unter der Leitung von Prof. Dr. Daniel Durstewitz werden grundlegende Lernprinzipien identifiziert, die auf KI übertragbar sind. Ein Schwerpunkt liegt auf spikenden neuronalen Netzen, die biologischen Nervenzellen ähneln und energieeffizientere KI ermöglichen könnten.

Ziele und Anwendungen
NAILIt strebt KI-Modelle an, die sich selbstständig an neue Kontexte anpassen, etwa in der Robotik oder Medizin. Langfristig sollen die Erkenntnisse auch die Psychiatrie bereichern, indem sie dynamische Prozesse bei psychischen Erkrankungen entschlüsseln, Krankheitsverläufe vorhersagen oder Neurofeedback-Verfahren steuern. Die Ergebnisse werden in Fachzeitschriften und auf KI-Konferenzen veröffentlicht, mit Perspektiven für Industriekooperationen und biomedizinische Anwendungen.

Bedeutung des ZI
Das ZI ist ein führendes Zentrum für psychiatrische Forschung und Behandlung, verbunden mit der Universität Heidelberg und Teil des Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit in NAILIt vereint Neurobiologie, KI und Psychiatrie, um innovative Lösungen für technische und klinische Herausforderungen zu entwickeln.

Originalpublikation:
Durstewitz D, Averbeck B, Koppe G. What neuroscience can tell AI about learning in continuously changing environments. Nature Machine Intelligence. 2025; doi:10.1038/s42256-025-01146-z.
Link: https://www.nature.com/articles/s42256-025-01146-z.epdf