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Nährstoff-Timing beeinflusst Genaktivität im Fettgewebe

Ob morgens eher Kohlenhydrate oder Fette auf dem Speiseplan stehen, könnte den Stoffwechsel nachhaltig beeinflussen. Forschende des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) und der Charité – Universitätsmedizin Berlin haben erstmals am Menschen gezeigt, dass die zeitliche Verteilung von Kohlenhydraten und Fetten die Aktivität von mehr als tausend Genen im Unterhautfettgewebe über den Tag hinweg verändert. Betroffen sind vor allem Gene, die Zucker- und Fettstoffwechsel sowie Entzündungsprozesse steuern. Die Ergebnisse erschienen im Fachjournal Food Research International.

Der menschliche Stoffwechsel folgt zirkadianen Rhythmen – 24-Stunden-Zyklen, die von der inneren Uhr gesteuert werden. Viele Prozesse wie Zuckeraufnahme, Fettverbrennung oder Hormonfreisetzung schwanken im Tagesverlauf. Werden Nährstoffe außerhalb der biologisch optimalen Zeitfenster aufgenommen, könnte das langfristig Stoffwechselstörungen begünstigen. Das junge Forschungsgebiet der Chrononutrition untersucht genau diese Zusammenhänge, um Essenszeiten gezielt zu optimieren und chronische Erkrankungen wie Adipositas oder Typ-2-Diabetes vorzubeugen.

In einer kontrollierten Crossover-Studie nahmen 29 übergewichtige Männer ohne Diabetes vier Wochen lang zwei isokalorische (gleichkalorische) Ernährungspläne ein: Einmal viele Kohlenhydrate morgens und viel Fett abends, einmal umgekehrt. Zu mehreren Tageszeiten entnahmen die Forschenden Proben aus dem Unterhautfettgewebe und analysierten das Transkriptom – das dynamische Abbild der Genaktivität.

Die Auswertung ergab: 1.386 Gene im Fettgewebe unterliegen tageszeitlichen Oszillationen, viele davon mit Bezug zu Glukose- und Fettstoffwechsel sowie Entzündungsprozessen. Fast ein Drittel dieser rhythmischen Gene wurde durch die zeitliche Makronährstoffverteilung beeinflusst: Manche veränderten ihre Rhythmusparameter, andere stellten die Oszillation ein oder begannen erst zu oszillieren.

Besonders auffällig: Fettreiche Kost morgens und kohlenhydratreiche Nahrung abends verbesserten Marker für die Insulinsensitivität im Fettgewebe. Umgekehrt – fettreiche Mahlzeiten abends – stieg die Aktivität von Entzündungsgenen. „Das könnte ein früher proinflammatorischer Zustand sein, der als Risikofaktor für metabolische Erkrankungen gilt“, erläutert Prof. Olga Ramich, Leiterin der Abteilung Molekularer Stoffwechsel und Präzisionsernährung am DIfE und Heisenberg-Professorin an der Charité.

„Unsere Ergebnisse bestätigen, dass die Verschiebung der Makronährstoffverteilung über den Tag die metabolischen Prozesse im Fettgewebe messbar beeinflusst“, so Ramich. „Späte, fettreiche Mahlzeiten könnten ungünstige molekulare Prozesse anstoßen, die langfristig Entzündungen und Stoffwechselprobleme fördern.“ Die Forschenden sehen darin neue Ansatzpunkte für die Prävention von Übergewicht und Typ-2-Diabetes: Neben Kalorienmenge und Nährstoffzusammensetzung könnte künftig auch das Mahlzeiten-Timing eine Rolle in personalisierten Ernährungsempfehlungen spielen.

Die Wissenschaftler betonen jedoch, dass größere und langfristige Interventionsstudien nötig sind, um gesundheitliche Auswirkungen oder gar konkrete Empfehlungen für verschiedene Bevölkerungsgruppen – etwa Frauen oder Menschen mit Diabetes – abzuleiten. Mechanistische Studien in Zellkultur- oder Tiermodellen könnten den Zusammenhang zwischen zirkadianen Veränderungen im Fettgewebe und dem Gesamtstoffwechsel weiter klären.

Originalpublikation: Soliz-Rueda, J. R. et al.: Remodeling of human diurnal adipose tissue transcriptome by the composition of morning and afternoon meals. Food Res. Int. 231(1), 118685 (2026). Open Access: https://doi.org/10.1016/j.foodres.2026.118685

Nährstoff-Timing beeinflusst Genaktivität im Fettgewebe. Symbolbild. Credits: Unsplash
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