Kyoto, 23. Mai 2025 – Eine aktuelle Studie aus Japan hat erstmals die Bedeutung der Skelettmuskulatur für die kognitive Gesundheit in der Allgemeinbevölkerung untersucht und dabei überraschende Erkenntnisse gewonnen. Die am 8. Mai 2025 online veröffentlichte und am 1. Juni 2025 im Journal of Cachexia, Sarcopenia and Muscle erschienene Untersuchung zeigt, dass die Qualität der Muskeln, insbesondere der sogenannte Phasenwinkel, ein entscheidender Indikator für das Risiko kognitiver Beeinträchtigungen sein könnte. Die Ergebnisse könnten die Präventivmedizin revolutionieren, da sie aufzeigen, wie frühzeitige Maßnahmen zur Erhaltung der Muskelgesundheit Demenz vorbeugen könnten.
Das Forscherteam unter der Leitung von Postdoktorand Kentaro Ikeue von der Doshisha-Universität in Kyoto analysierte die Daten von 263 Personen über 40 Jahre aus der japanischen Bevölkerung. Ziel war es, herauszufinden, welche Muskelparameter – wie Muskelmasse, Kraft oder Qualität – am besten mit kognitiven Beeinträchtigungen korrelieren. Bisher konzentrierte sich die Forschung vor allem auf ältere Menschen oder Personen mit bereits diagnostizierten kognitiven Defiziten. Die neue Studie schließt diese Lücke, indem sie auch Personen mittleren Alters einbezieht, die von präventiven Maßnahmen besonders profitieren könnten.
Die Wissenschaftler untersuchten mehrere Indizes, darunter die appendikuläre Skelettmuskelmasse im Verhältnis zur Körpergröße oder zum Body-Mass-Index, die Handgriffstärke und den Phasenwinkel, eine bioelektrische Messgröße, die die Zellintegrität und Muskelqualität widerspiegelt. Die kognitive Funktion wurde mit der japanischen Version des Montreal Cognitive Assessment (MoCA-J) bewertet, einem Test, der Bereiche wie Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Sprache und exekutive Funktionen abdeckt.

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Postdoktorand Kentaro Ikeue von der Doshisha Universität, Japan
Die Ergebnisse zeigten, dass der Phasenwinkel der stärkste Prädiktor für kognitive Gesundheit ist. Bei Frauen war ein höherer Phasenwinkel mit einem geringeren Risiko für leichte kognitive Beeinträchtigungen sowie besseren Leistungen in Gedächtnis, Sprache, Aufmerksamkeit und exekutiven Funktionen verbunden. Bei Männern hingegen stand der Phasenwinkel vor allem mit einer besseren Gedächtnisleistung in Verbindung, was auf geschlechtsspezifische Unterschiede hindeutet, möglicherweise bedingt durch hormonelle oder andere biologische Faktoren.
Die Studie unterstreicht die Bedeutung der Muskelqualität über die reine Muskelmasse oder -kraft hinaus. Der Phasenwinkel, der schnell und unkompliziert mittels bioelektrischer Impedanzanalyse gemessen werden kann, könnte künftig ein Standardwerkzeug in der Gesundheitsvorsorge werden. Er ermöglicht die frühzeitige Identifikation von Personen mit erhöhtem Risiko für kognitiven Abbau, noch bevor Symptome auftreten. Solche Frühwarnsignale könnten Ärzten helfen, gezielte Interventionen wie Trainingsprogramme oder Ernährungspläne einzuleiten, um die Muskelqualität zu verbessern und damit potenziell Demenz vorzubeugen.
Die Erkenntnisse haben weitreichende Implikationen für die öffentliche Gesundheit, insbesondere angesichts der weltweit alternden Bevölkerung. Die Studie legt nahe, dass präventive Maßnahmen, die auf die Verbesserung der Muskelqualität abzielen, insbesondere bei Frauen einen Schutz gegen kognitive Beeinträchtigungen bieten könnten. Dies eröffnet neue Perspektiven für personalisierte Gesundheitsstrategien, die sowohl Sarkopenie als auch Demenz verhindern könnten.
Die Forscher betonen, dass die Ergebnisse nicht nur für ältere Menschen relevant sind, sondern für Erwachsene jeden Alters. Die Untersuchung markiert einen wichtigen Schritt, um die komplexen Zusammenhänge zwischen Muskel- und Gehirngesundheit besser zu verstehen. Zukünftige Studien könnten diese Erkenntnisse vertiefen und dazu beitragen, standardisierte Ansätze für die Früherkennung und Prävention kognitiver Erkrankungen zu entwickeln.

