Mütterliche PFAS-Werte beeinflussen Gehirnstruktur und -funktion von Kindern

Eine neue Studie der Universität Turku und des Universitätsklinikums Turku in Finnland sowie der Universität Örebro in Schweden zeigt: Die Konzentration von per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) im Blut von Müttern während der Schwangerschaft steht in Verbindung mit der Gehirnstruktur und -funktion ihrer Kinder. Die Ergebnisse, veröffentlicht am 13. Oktober 2025, vertiefen das Verständnis der langfristigen Auswirkungen dieser „Ewigkeitschemikalien“ auf die neurologische Entwicklung.

Hintergrund: Was sind PFAS?
PFAS sind langlebige, künstlich hergestellte Chemikalien, die in zahlreichen Alltagsprodukten wie Kochgeschirr, Kleidung, Möbeln, Lebensmittelverpackungen und Feuerlöschschäumen verwendet werden. Aufgrund ihrer Beständigkeit gegen Wasser, Öl und hohe Temperaturen sowie ihrer Nicht-Abbaubarkeit werden sie als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet. Sie reichern sich in Ökosystemen, Böden und im menschlichen Blut an, wo sie über Jahrhunderte verbleiben können. „PFAS sind in unserem Blut allgegenwärtig und werden nicht abgebaut“, erklärt Aaron Barron, Hauptautor der Studie von der Universität Turku.

Studienaufbau und Methodik
Die Untersuchung basiert auf der FinnBrain Birth Cohort Study, einer Langzeitstudie der Universität Turku, die seit 2011 die Entwicklung von Mutter-Kind-Paaren verfolgt. Blutproben von Müttern, die während der Schwangerschaft entnommen wurden, wurden an der Universität Örebro mittels Massenspektrometrie auf PFAS-Konzentrationen analysiert. Im Alter von fünf Jahren unterzogen sich die Kinder einer multimodalen Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns. Die Analyse umfasste 51 Mutter-Kind-Paare.

Ergebnisse: Auswirkungen auf das Gehirn
Die Studie zeigt, dass mütterliche PFAS-Werte signifikante Zusammenhänge mit der Gehirnstruktur ihrer Kinder aufweisen. Besonders betroffen sind:

  • Corpus callosum: Der größte weiße Substanztrakt, der die Kommunikation zwischen den Gehirnhälften ermöglicht.
  • Okzipitallappen: Verantwortlich für die Verarbeitung visueller Informationen, mit Veränderungen in Oberfläche und Volumen der grauen Substanz.
  • Hypothalamus: Zentral für die Regulation von Homöostase und endokrinen Funktionen.

Zusätzlich wurden einige PFAS mit der funktionellen Konnektivität des Gehirns in Verbindung gebracht, was durch funktionelle MRT-Scans belegt wurde. „Wir haben sieben verschiedene PFAS gemessen, die spezifische Assoziationen mit der Gehirnstruktur zeigen. In manchen Fällen hatten zwei PFAS gegensätzliche Effekte auf dieselbe Gehirnregion“, erläutert Professor Tuulia Hyötyläinen von der Universität Örebro.

Die Forscher teilten PFAS in zwei Gruppen ein – solche mit Carbonsäure- und solche mit Sulfonsäure-Gruppen. Carboxylathaltige PFAS zeigten stärkere Verbindungen zur Gehirnentwicklung, mit Ausnahme des Hypothalamus.

Unklare Wirkmechanismen und nächste Schritte
Obwohl PFAS die Plazenta und die Blut-Hirn-Schranke durchdringen und die Gehirnentwicklung beeinflussen können, bleibt unklar, ob die beobachteten Veränderungen schädlich, nützlich oder neutral sind. „Weitere Studien sind nötig, um die funktionalen Auswirkungen zu klären“, betont Professor Hasse Karlsson von der Universität Turku.

Gesellschaftliche Relevanz
Die Studie unterstreicht die Dringlichkeit, PFAS stärker zu regulieren. Aufgrund ihrer weitreichenden Verbreitung und nachgewiesenen gesundheitlichen Risiken, insbesondere für Hormonsystem, Stoffwechsel und Immunfunktion, stehen PFAS zunehmend im Fokus von Politik und Wissenschaft. Die Ergebnisse könnten die öffentliche Gesundheitspolitik beeinflussen, da sie die potenziellen Risiken für die nächste Generation verdeutlichen.

Quelle: Universität Turku
Link: www.utu.fi/en/news/press-release/pfas-levels-in-mothers-blood-associated-with-childrens-brain-structure-and

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