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Mikroplastik in Prostatatumoren entdeckt

Forscher der NYU Langone Health haben in einer kleinen Pilotstudie Mikroplastikpartikel in den Tumoren von neun von zehn Prostatakrebs-Patienten nachgewiesen. Die Konzentration war im Tumorgewebe im Durchschnitt 2,5-mal höher als im angrenzenden gesunden Prostatagewebe. Die Ergebnisse, die am 26. Februar 2026 auf dem Genitourinary Cancers Symposium der American Society of Clinical Oncology präsentiert werden, liefern erste direkte Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang zwischen Mikroplastik-Exposition und Prostatakrebs – der häufigsten Krebsart bei Männern in den USA.

Prostatakrebs betrifft laut Centers for Disease Control and Prevention etwa jeden achten Mann im Laufe seines Lebens. Die Inzidenz steigt in den USA seit Jahren leicht an. Mikroplastik – winzige Plastikfragmente unter fünf Millimeter – entsteht durch Abbau von Verpackungen, Kosmetika, Textilien oder Industrieabfällen. Menschen nehmen es über Nahrung, Trinkwasser, Luft und Haut auf. Frühere Studien fanden Mikroplastik in fast allen menschlichen Organen, in Körperflüssigkeiten und sogar in der Plazenta. Die gesundheitlichen Auswirkungen bleiben jedoch weitgehend ungeklärt, obwohl Zusammenhänge mit Entzündungen, oxidativem Stress und Krebs vermutet werden.

Die NYU-Studie analysierte Gewebeproben von zehn Patienten, die sich einer radikalen Prostatektomie unterzogen hatten. Tumorgewebe und benachbartes benignes Gewebe wurden visuell untersucht und mit Pyrolyse-Gaschromatographie/Massenspektrometrie (py-GC/MS) auf zwölf gängige Plastiktypen geprüft. Um Kontaminationen zu vermeiden, nutzten die Forscher aluminiumbasierte Instrumente, Baumwollhandschuhe und Reinräume. Mikroplastik fand sich in 90 Prozent der Tumorproben und 70 Prozent der benignen Proben. Die mittlere Konzentration betrug etwa 40 Mikrogramm pro Gramm Tumorgewebe gegenüber 16 Mikrogramm pro Gramm im gesunden Gewebe.

„Unsere Pilotstudie liefert wichtige Hinweise darauf, dass Mikroplastik-Exposition ein Risikofaktor für Prostatakrebs sein könnte“, erklärte Studienleiterin Stacy Loeb, Professorin für Urologie und Bevölkerungsgesundheit an der NYU Grossman School of Medicine. Frühere Daten deuteten auf Verbindungen zu Herzkrankheiten und Demenz hin, direkte Belege für Prostatakrebs fehlten jedoch weitgehend. Die Studie ist die erste westliche Untersuchung, die Mikroplastik-Level in Prostatatumoren mit gesundem Gewebe vergleicht. Eine türkische Studie hatte 2024 erstmals Mikroplastik in Prostatagewebe nachgewiesen, eine chinesische Arbeit bestätigte höhere Konzentrationen in Tumoren.

Seniorautor Vittorio Albergamo, Assistenzprofessor für Pädiatrie an der NYU, betonte die Umweltbelastung: „Plastik ist überall – unsere Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit strengerer Regulierungen.“ Mögliche Mechanismen umfassen chronische Entzündungen durch Partikel, die Zellschäden und genetische Veränderungen fördern könnten. Die Forscher planen Folgestudien zu Wirkmechanismen und planen eine Erweiterung auf mehr Patienten.

Die Finanzierung stammte vom US-Verteidigungsministerium. Beteiligt waren neben Loeb und Albergamo weitere Experten der NYU, darunter Leonardo Trasande und Samir Taneja von Northwell Health. Loeb und einige Co-Autoren haben Beratertätigkeiten für Pharmafirmen, die jedoch nicht mit der Studie zusammenhängen.

Objektiv betrachtet ist die Studie methodisch sorgfältig durchgeführt, mit strengen Kontrollen gegen Kontamination. Die klare Konzentrationsdifferenz zwischen Tumor und benignem Gewebe ist auffällig und unterstützt die Hypothese eines Zusammenhangs. Allerdings bleibt die Stichprobe mit zehn Patienten sehr klein – eine Limitation, die die Autoren selbst einräumen. Kausalität ist nicht bewiesen; höhere Anreicherung könnte auch Folge des Tumorgewebes sein, etwa durch veränderte Durchblutung oder Entzündungsprozesse. Größere, multizentrische Studien sind nötig, um Reproduzierbarkeit und Mechanismen zu klären. Der Befund reiht sich in wachsende Evidenz zu Mikroplastik als potenzieller Umweltfaktor für Krebs ein, bleibt aber vorläufig. Er unterstreicht die Dringlichkeit regulatorischer Maßnahmen gegen Plastikverschmutzung.

Quellen:

  • NYU Langone Health (23. Februar 2026): Microplastics Discovered in Prostate Tumors. https://nyulangone.org/news/microplastics-discovered-prostate-tumors
  • NBC News (23. Februar 2026): Microplastics found in prostate tumors in small study. https://www.nbcnews.com/health/mens-health/microplastics-found-prostate-tumors-small-study-rcna260296
  • New York Post (23. Februar 2026): Prostate cancer tumors have high amounts of microplastics: study. https://nypost.com/2026/02/23/health/prostate-cancer-tumors-have-high-amounts-of-microplastics-study
  • Medical Xpress (23. Februar 2026): Microplastics discovered in prostate tumors. https://medicalxpress.com/news/2026-02-microplastics-prostate-tumors.html
  • SciTechDaily (23. Februar 2026): 90% of Prostate Cancer Tumors Contained Microplastics. https://scitechdaily.com/90-of-prostate-cancer-tumors-contained-microplastics
  • Physician Focus, NYU Langone (2026): Investigating Microplastics and Prostate Cancer. https://physicianfocus.nyulangone.org/investigating-microplastics-and-prostate-cancer
  • ASCO Genitourinary Cancers Symposium (2026): Abstract zu Microplastics and Prostate Cancer.